Unternehmen Premium-Hostessen: In die Arena dürfen nur die Besten

Ulm / Miriam Baitinger 16.10.2017
Hübsche und Frauen mit viel Ausstrahlung können Premium-Hostessen bei den Heimspielen der Ulmer Basketballer werden. Aber: Roter Nagellack beim Spiel gegen Bayern München ist tabu.

Lange schlanke Beine. Glänzendes braunes Haar. Ein strahlendes Lächeln. So begrüßt die hübsche Sofie Beer die VIP-Gäste der Ratiopharm-Arena. Im engen schwarzen Kleid und auf hohen Schuhen reicht sie ihnen einen Spielplan, öffnet die Türe zu den Logen und bittet die Besucher freundlich hinein. Zusammen mit 19 weiteren Kolleginnen ist Sofie Beer Hostess bei den Heimspielen der Ulmer Basketballer. Angestellt sind die jungen Frauen bei Gloria Neugebauer, Gründerin und Geschäftsführerin der Neu-Ulmer Agentur Wild Emotion Events.

Ein gutes Aussehen reicht jedoch nicht aus, um sich im „Team der Wilden“ zu behaupten. Vielmehr wird jeder Neuling in einer drei- bis vierstündigen Schulung auf den Job vorbereitet, bevor er den Premium-Bereich betreten darf. „Wir erklären, wer jeder einzelne Basketballspieler ist, wie die Spielerfrauen heißen oder wer der neueste Sponsor ist“, sagt Neugebauer.

In der Arena setzt die 31-jährige Geschäftsführerin nur die Besten der Besten, so genannte VIP-Hostessen ein, für die wiederum sehr strenge Anforderungen gelten: Bunt gefärbte Haare oder auffällige Tätowierungen sind tabu, eine gute Allgemeinbildung und Selbstbewusstsein werden vorausgesetzt. „Und man sollte auf hohen Schuhen stehen und gehen können ohne umzufallen“, sagt Neugebauer und lacht.

Kein roter Nagellack

Beim nächstfolgenden Spieltag stehen die Wild-Emotion-Hostessen dann schon gut vorbereitet zur Stelle: Nachdem sie die Gäste begrüßt haben, begleiten sie die VIPs zu ihren Plätzen und stehen für Fragen oder das Knipsen von Fotos zur Verfügung – stets lächelnd und freundlich, versteht sich. Gloria Neugebauer achtet auch auf Details: „Die Mädchen dürfen keinen roten Nagellack tragen, wenn an dem Tag die Münchner spielen.“ Zur Erklärung: Die Trikots des FC Bayern Basketball sind rot. Deshalb hat im Ulmer Fan-Block, wo die Hostessen unterwegs sind, die Farbe Rot nichts zu suchen.

Schnell wird klar, was die junge Chefin meint, wenn sie von „Premium Qualität“ spricht. „Kaugummi kauen ist bei allen Jobs ein No-Go – und ungeschminkt kommen ist jetzt auch nicht so der Hit.“ Außerdem wichtig: Zuverlässigkeit, ein ansprechendes Äußeres und die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen. Alle drei bis vier Monate können sich Interessentinnen beim Casting „Komm ins Team der Wilden“ vorstellen. Bewerben dürfe sich erst mal jeder, von Konfektionsgröße 34 bis 42. „Es zeigt sich aber, dass die meisten Mädels eine 36 oder 38 tragen. Ich hab’ aber auch schon korpulente Mädchen genommen, wenn sie eine tolle Ausstrahlung haben.“

90-60-90 ist nicht alles

Gerade in der Zusammenarbeit mit den regionalen Kunden zeige sich: „90-60-90 ist in Ulm nicht so stark gefragt. Was man will, sind ganz bestimmte Charaktertypen, die sich mit dem Kunden und vor allem mit seinen Produkten identifizieren können.“ Wenn Gartengeräte-Hersteller Alko aus Leipheim bei Wild Personal für eine Werbeaktion bucht, sollte das Mädchen am Rasenmäher eben auch authentisch aussehen, betont die Chefin. Ein anderes Beispiel: „Unsere Maxi mit ihren langen Locken wird in der Weihnachtszeit oft als Engel gebucht.“

Die gelockte Brünette Maxi Stumpp ist bereits ein alter Hase im Hostess-Geschäft. Die 21-Jährige arbeitet seit mehr als drei Jahren für Neugebauer und studiert nebenher an der Hochschule Ulm. Was ihr an der Arbeit besonders gefällt, ist der Kontakt zu vielen, unterschiedlichen Menschen. „Man weiß meistens nicht, was einem beim Job genau erwartet. Dass macht es besonders spannend“, erzählt Maxi. Die meisten Gäste seien freundlich, vor allem beim Basketball gehe es richtig familiär zu.

Und wenn ein Besucher doch mal pampig wird? „Dann muss man das Beste aus der Situation machen, freundlich bleiben, die Wut überspielen und sie nicht am nächsten Besucher rauslassen.“ In den vergangenen Jahren blieben auch diverse Männer-Avancen nicht aus: „Beim Flyer-Austeilen wurde ich zum Beispiel gefragt, ob da auch meine Handynummer drauf steht“, erzählt Maxi, nimmt es aber gelassen.

Seit einem Jahr mit dabei ist Sofie Beer (20), die als Hostess ebenfalls viel positive Resonanz bekommt. „Die meisten freuen sich einfach, dass man da ist.“ Der Geheimtipp der hübschen Zahnmedizin-Studentin: „Auch dem weniger freundlichen Besucher ein Lächeln schenken, meistens kommt dann schon der Nächste.“

Viele Schüler und Studenten

Agentur Der Großteil der insgesamt 320 Mitarbeiter der Wild Emotion Agentur sind Schüler oder Studenten. Neben Hostessen vermittelt Chefin Gloria Neugebauer ebenso Promoter oder Models an Kunden der Region wie Ikea und Lotto Baden-Württemberg. „Die Wilden“ sind aber auch im überregionalen Raum im Einsatz – in Trier, Köln oder Friedrichshafen. Ihre Kunden bevorzugten meist Frauen, sagt Geschäftsführerin Gloria Neugebauer. Das liege nicht zuletzt daran, dass in den Entscheidungspositionen immer noch vorwiegend Männer sitzen.