Müllabfuhr In Ulm bleiben mehr Müllsäcke liegen

Ulm / Carolin Stüwe 17.07.2018
Die Verwertungsfirma Remondis holt nur noch ihre Gelben Säcke ab, der Rest verschandelt das Stadtbild.

Hier ein Berg dunkelgelber Säcke, dort eine Ansammlung  blauer. Es fällt vor allem im Stadtgebiet auf, dass zunehmend nach den Abholterminen Müllsäcke liegen bleiben. Vergangene Woche war dies am Stadthaus, in der Hirschstraße und am Touristenbusparkplatz der Fall. Denn wie Mitte Juni angekündigt, nimmt die Recyclingfirma Remondis keine blauen, schwarzen oder dunkelgelben Säcke mehr mit, weil in diesen blickdichten Säcken oft auch Rest- oder Biomüll enthalten ist, so genannte Fehlwürfe.

Grund ist ein neues Gesetz

Die strenge Regelung hängt damit zusammen, dass am 1. Januar 2019 das neue Verpackungsgesetz in Kraft tritt: Die von Industrie und Handel finanzierten dualen Systeme müssen dann bei den Kunststoffverpackungen höhere Recyclingquoten erreichen. 45 Prozent müssen stofflich wiederverwertbar sein. Ab 2022 sind sogar 63 Prozent vorgesehen. Aber das geht nur, wenn das Sammelgut möglichst sortenrein ist.

„Wir haben kürzlich an einem Tag 40 E-Mails von Remondis erhalten, die uns ja die Müllsünder melden sollen“, sagt Ute Seibt, Abfallberaterin bei den Entsorgungsbetrieben Ulm (EBU). Diese haben für Remondis die Müllberatung und die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Entsprechend erhalten die Verursacher des falsch sortierten Mülls – falls sie überhaupt ermittelt werden können – ein Schreiben, sie sollen ihren Plastikmüll nachsortieren und den korrekten Gelben Sack beim nächsten Abholtermin wieder rausstellen.

Woanders klappt es auch nicht besser

In der Regel lassen die EBU die von Remondis zurückgelassenen Säcke drei Tage lang stehen zwecks Neusortierung – und Erziehung. „Dann holen wir sie ab, aber das sollte man eigentlich gar nicht in der Zeitung schreiben, sonst sortiert gar keiner mehr nach“, sagt Ute Seibt. Bei einem Erfahrungsaustausch mit einigen Abfallberatern habe sie erfahren, dass es in anderen Städte mit der Müllsortierung auch nicht besser klappt. Vergangene Woche hätten die EBU schneller reagiert, damit die Säcke nicht übers Wochenende herumliegen, wenn in der City Feste stattfinden. Aber bei der derzeitigen Flut von Meldungen über mit „Fehlwürfen“ befüllte Säcke sei sie ratlos, wie man dieses Problem beheben soll.

Was schlägt die Stadtpolitik vor?

Das ist die SPD-Rathausfraktion auch. Deshalb fordert sie in einem Antrag an Oberbürgermeister Gunter Czisch, dass die Verwaltung gemeinsam mit Remondis zeitnah eine Regelung findet. Die EBU hätten am Freitag „sehr zügig reagiert und einiges beseitigt, jedoch verständlicherweise nicht alle Stellen finden können“. Jedoch sei das keine Dauerlösung.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Dorothee Kühne vermutet, das die Öffentlichkeitsarbeit mit der Warnung, dass Remondis blickdichte Säcke aus dem Handel nicht mehr mitnimmt, nicht ausreichend war. Und: „Es ist zu befürchten, dass diejenigen, die den Plastikmüll zur Abfuhr bereitgelegt haben, ihn nicht wieder zurückholen und in korrekte Säcke umfüllen werden.“ Selbst dann nicht, wenn der Zettel „Falscher Sack“ dranklebt.

Der richtige Gelbe Sack ist transparent

Beschaffenheit Als Gelben Sack bezeichnet man in Deutschland und Österreich einen dünnen, gelblich transparenten Kunststoffsack, in dem bei der lokalen Abfallentsorgung leichter Verpackungsmüll abgegeben werden kann. Je nach Abstimmung mit den Städten und Gemeinden kann auch die Nutzung einer Gelben Tonne möglich sein.

Herstellung Die Säcke werden in Fernost hergestellt und über Händler und Entsorgungsunternehmen an die Kommunen geliefert, die sie wiederum kostenlos an die Haushalte verteilen und bei Bedarf in Rathäusern und auf Wertstoffhöfen abgeben.

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