Ganz ruhig, oft statisch bildet die Kamera das Geschehen ab. Streng sind die Bilder komponiert. Genau, ohne Hektik erzählt Silke Albrecht. Aber im Gespräch verblüfft die 32-Jährige dann: "Nein, ein stoischer Mensch, der in der Ecke sitzt und guckt, das bin ich nicht." Ihr Film "Sag mal Pilz!", den sie heute Abend im Ulmer Stadthaus vorstellt, sei daher sogar ein bewusster "Versuch zu entschleunigen".

Die 50-minütige Dokumentation war ihre Abschlussarbeit an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Zuvor hatte Silke Albrecht, die in Ulm und Illertissen aufgewachsen ist und am Anna-Essinger-Gymnasium das Abitur gemacht hat, in Ulm eine Ausbildung zur Mediengestalterin bei Protel Film & Medien gemacht. Seit 2010 lebt sie in Berlin.

Im Studium habe sie sich auf die Suche nach "elementaren Erzählformen" gemacht, daher gegen den Spiel- und für den Dokumentarfilm entschieden, erzählt sie. So reduziert man filmisch auch vorgehe, "in den Bildern ist soviel da, das muss man nur zulassen".

Dieser konzentrierte, bewusst beobachtende Ansatz lässt sich auch schon an dem Zehnminüter "Arriero" festmachen, der heute Abend im Stadthaus ebenso zu sehen ist. Silke Albrecht hat auf Kuba, wo sie ein Jahr an der Internationalen Hochschule für Film und Fernsehen in San Antonio de los Banos war ("Kuba war eine total lehrreiche, aber auch schwierige Zeit"), einen Maultiertreiber gefilmt. Auch dieses leise Werk belegt das Aussagepotenzial unkommentierter Bilder.

Dieser Ansatz mag in "Sag mal Pilz!" noch mehr erstaunen, denn der Film widmet sich einem Thema, zu dem von fast jedem gern viele Worte gemacht werden: Es geht darum, wie unsere Wissensgesellschaft mit Kindern umgeht, wie Didaktik, soziale Strukturen und pädagogische Konzepte sie schon von früh an prägen. Dazu hat Silke Albrecht Kindergartenkinder mit der Kamera beobachtet: beim Spielen, Träumen, Basteln, Tüfteln, Singen in der Tagesstätte. Aber wir sehen die Kleinen auch bei Exkursionen in einem Technolino-Projekt oder im "Kinder auf der Überholspur"-Unterricht. "Probiers mal mit Gemütlichkeit", singt ein Mädchen einmal, doch der Film macht kenntlich, wie wenig gemütlich wir oft mit ihnen umgehen. Indirekt, aber doch eindrücklich wird deutlich, wie früh wir Strukturen der Technik, der Arbeitswelt, der Architektur und der Medien auf sie einwirken lassen. Und das freie Spiel der Kinder? Ist vielleicht gar nicht so frei.

Wie gesagt, Silke Albrecht, die ein "Faible fürs Merkwürdige und Eigenartige" hat und auch im Gespräch sehr präzise ist, kommt in ihrem Film "Sag mal Pilz!" ganz ohne Erzähler, ohne Kommentar aus. Derzeit experimentiert sie aber für neue Arbeiten mit Texten, dreht Videokunst. Zudem unterrichtet sie in Berlin Filmschnitt, dreht Filme für die Bundeszentrale für politische Bildung und arbeitet in einem "Patchwork-Büro" mit anderen Filmemachern und kreativen Menschen. Nein, ein stoischer Mensch, der in der Ecke sitzt und guckt, das ist sie nicht.