Linie 2 Straßenbahn Linie 2 - Begehung mit Anwohnern und Verantwortlichen

Ulm / Christine Liebhardt 28.10.2017

Ausheben, wegfahren, beproben, reinigen, zurückbringen, auf neu gelegte Leitungen schütten: Ein ganzes Jahr lang waren die Bauarbeiter entlang der neuen Strecke der Linie 2 vor allem mit dem Untergrund beschäftigt. Dass da irgendwann mal eine Straßenbahn fahren soll – davon war lange nichts zu sehen. Inzwischen aber sind die ersten Gleise verlegt. Zeit also für die Streckenspaziergänge, zu denen die Stadt Anwohner und Interessierte regelmäßig einlädt.

Um die 40 Menschen waren am Donnerstagabend an den Kuhberg gekommen. Sie wollten erst einmal wissen, ob der Zeitplan eingehalten wird. „Die Inbetriebnahme steht“, versicherte Projektleiter Ralf Gummersbach. Bis Ende des Jahres sollen auf diesem Abschnitt 40 Prozent der Gleise verlegt sein. Ein Mann wollte wissen, wann die Umleitungen zurückgebaut werden. Das dauert noch: Vor Herbst 2018 wird es wohl nicht soweit sein, sagte Gummersbach.

Vollsperrung möglich

Zuvor müssen die Anwohner vielleicht noch eine ganz dicke Kröte schlucken: Die Stadt prüft gerade, ob kommendes Jahr die Römerstraße zwischen Römerplatz und Saarlandstraße voll gesperrt werden kann. Denn: Von Ostern oder Pfingsten herum an wird das Masse-Feder-System eingebaut, das die Schwingungen der Straßenbahn abdämpfen soll (siehe Info-Kasten). Endgültig entschieden ist die Sperrung noch nicht, aber: „Das muss möglichst in einem Rutsch betoniert werden, damit es gut funktioniert“, erklärte Gummersbach. Dann müsste der Verkehr zweispurig durch die St. Barbara- und die Westerlinger Straße umgeleitet werden. Wie gesagt: Ob es so kommt, ist noch nicht sicher; falls ja, werden die Anwohner rechtzeitig informiert. Ihre Häuser sollen immer erreichbar bleiben.

Weit fortgeschritten sind die Arbeiten im unteren Teil der Römerstraße Richtung Ehinger Anlagen: Dieses Stück soll bis Ende des Jahres ganz fertig sein, Pflaster und Baumscheiben inklusive.

Verhältnismäßig groß war auch das Interesse auf dem Eselsberg zwei Tage zuvor: Rund 30 Zuhörer waren auf dieser Strecke dabei – und blieben bis zur Endstation der Tour an der neuen Straßenbahnbrücke mit dabei. An vielen Stellen vom Hasenkopf den Mähringer Weg hinunter ist bereits klar zu erkennen, wo und wie die Straßenbahn fahren wird, oftmals auf ihrem eigenen Bahnkörper. Überall, wo das nicht geht, regeln in Zukunft Ampeln den Verkehr, Autos fahren dann hinter der Linie 2 her. Gummersbach führte aus, dass die Leitungsarbeiten, also Wasser, Gas und Kanäle, hier zum Großteil fertiggestellt sind – da ist am Kuhberg noch mehr zu tun. Bis Ende des Jahres sollen am Eselsberg die Schienen überall dort verlegt sein, wo die Bahn auf Rasengleis fahren wird. Wobei: Es wird dauern, bis Gras über die Sache wächst. Denn eingesät wird erst ein halbes Jahr nachdem die Straßenbahn in Betrieb gegangen ist, weil die Gleise eingefahren und nachjustiert werden müssen, erklärte Gummersbach.

Beschwerden, Gemecker? Nichts davon. Worüber sich sogar die Organisatoren ein wenig wunderten. Stattdessen viele Fragen, von Anwohnern wie Technikfans gleichermaßen. Erstere wollten wissen, wie die Busse künftig auf den Eselsberg fahren. Gummersbach: „Die Linien 5 und 6 fahren den alten Weg, die 5 fährt neu über den Kienlesberg.“ Außerdem waren manche über die anstehende Fernwärme-Verlegung im Weinbergweg besorgt. In die Stadt kommen sie weiterhin, eine Spur bleibe immer offen.

In einem Jahr geht der Probebetrieb los, ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 sollen dann alle mit der neuen Straßenbahn fahren dürfen. In 12 Minuten ist man dann vom Bahnhof an der Uni. Mit 185 Plätzen haben die neuen, 40 Meter langen Fahrzeuge etwas mehr Kapazität als jene der Linie 1. Was daran liegt, dass man zugunsten von Platz für Kinderwagen, Rollstühlen und Fahrrädern Sitze ausgebaut hat. 

Wie funktioniert das Masse-Feder-System?

Dämpfung Bahnen erschüttern den Boden, auf dem sie fahren. Damit diese Schwingungen sich nicht unangenehm in die Nachbarschaft übertragen, wird unter den Schienen der Linie 2 ein Masse-Feder-System eingebaut. Dazu wird im Boden eine 2,5 Zentimeter dicke Matte verlegt, die die Schwingungen aufnimmt. Auf sie werden 35 Zentimeter Beton gegossen, darauf die Schienen verlegt. Zum Schluss kommt Asphalt drauf.

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