Ulm Implantate für Kinder ohne Gehör

AWD-Direktor Michael Scherer (links) übergibt den Spendenscheck an Heinz Maier. Mit dabei sind der Arzt (von links) Matthias Tisch, Hans Layer (Support), Martina Adam (AWD-Stiftung) und Siegfried Kristel (AWD). Foto: Volkmar Könneke
AWD-Direktor Michael Scherer (links) übergibt den Spendenscheck an Heinz Maier. Mit dabei sind der Arzt (von links) Matthias Tisch, Hans Layer (Support), Martina Adam (AWD-Stiftung) und Siegfried Kristel (AWD). Foto: Volkmar Könneke
Ulm / WILLI BÖHMER 13.06.2012
Der Verein Support führt die Hilfsaktion für hörgeschädigte Kinder in Jordanien weiter. Spenden des Vereins und der AWD-Stiftung Kinderhilfe sorgen für Implantate, die der Arzt Matthias Tisch einsetzt.

Schon vor Jahren begann der Ulmer Mediziner Matthias Tisch, in der jordanischen Hauptstadt Ammann schwer hörgeschädigte Kinder zu operieren (wir berichteten). Er setzt ihnen Cochlea-Implantate ein, die ihnen das Gehör zurückgeben und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Spenden des Ulmer Vereins Support und jetzt auch der AWD-Stiftung Kinderhilfe helfen, die Geräte zu finanzieren. AWD-Direktor Michael Scherer und Martina Adam vom Stiftungsvorstand überreichten Tisch und Support-Vorstand Heinz Maier einen Spendenscheck über 10 000 Euro. Support legt weitere 10 000 Euro drauf.

Dieses Geld reicht aus, um 20 Kindern das Gehör zu geben, berichtete der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Tisch, der Leiter der Poliklinik HNO und Oberfeldarzt am Bundeswehrkrankenhaus Ulm ist: fünf Kinder erhalten Cochlea-Implantate, 15 weitere werden von einer Mittelohrerkrankung kuriert. Im Sommer fliegt er wieder zu einem einwöchigen OP-Einsatz nach Amman. Weil die Zeit knapp ist, ist das Programm gedrängt: Am Samstag der Flug, danach werden ihm die Kinder vorgestellt. Er sucht diejenigen aus, denen damit am meisten geholfen werden kann. Dadurch wird auch ausgeschlossen, dass bestimmte Bevölkerungsschichten bevorzugt werden. Von Dienstag bis Donnerstag wird operiert, am Freitag erfolgt die Nachversorgung, und am Samstag geht es wieder zurück nach Ulm. Schwerhörigkeit der Kinder ist in Jordanien weit stärker verbreitet als im Durchschnitt, berichtet der HNO-Experte. Der Grund liegt in Verwandten-Ehen, über Generationen hinweg wurde und wird auf diesem Weg "ein Taubheits-Gen weitergegeben". Es gibt Familien, in denen alle fünf Kinder taub sind, sagt Tisch. Diese Kinder müssten vor dem sechsten Lebensjahr medizinisch versorgt werden, anschließend ist dieser Fehler nicht mehr zu reparieren. Pro Jahr müssten eigentlich 300 Kinder mit einem Implantat versorgt werden. Der Staat Jordanien finanziert davon 100, doppelt so viele gingen leer aus. Deshalb sind viele Kinder auf Hilfsaktionen angewiesen.

In diesem Jahr will der Ulmer Verein Support erstmals Patenschaften anbieten: Spender sollen den Weg der Kinder verfolgen können, die mit ihrer Hilfe das Gehör erhalten haben, sagt Tisch. Und sie werden versuchen, mit Hilfe des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit eine echte Entwicklungshilfe für die gehörgeschädigten Kinder in Jordaniern aufzubauen, kündigte Support-Vorsitzender Heinz Maier an, der die HNO-Abteilung am Bundeswehrkrankenhaus leitet.