Ulm / CHRISTOPH MAYER  Uhr
In Ulm gibt es keine offene Stricher-Szene. Prävention ist trotzdem notwendig, so das Ergebnis einer Expertenrunde aus Sozialarbeitern und Polizei. Erschreckend: Immer mehr Prostituierte verzichten auf Kondome.

Existiert im Raum Ulm homosexuelle Prostitution? Offenbar weniger als noch vor 10, 20 Jahren, zumindest nicht mehr öffentlich wahrnehmbar. Zu diesem Schluss kam Ulrich Mader von der Kripo Ulm anlässlich einer Diskussionsrunde in den Räumen der Aids-Hilfe. Als zunehmendes Problem schilderte Mader jedoch den fast immer erzwungenen Verzicht auf Kondome bei weiblichen Prostituierten - belegbar bei den mehr als 100 offiziell gemeldeten Huren in Ulm. Etwa 80 Prozent der Frauen stammten aus Osteuropa, die Fluktuation sei sehr hoch. In vielen Etablissements dürften Frauen nur arbeiten, wenn sie sich bereiterklärten, ohne Kondom zu arbeiten - falls ein Freier dies fordere. 80 Prozent der Prostituierten praktizierten deshalb regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr. Das sei "erschreckend". Mader geht davon aus, dass es bei Strichern ähnlich aussieht, Belege dafür hat er nicht.

Anlass für die Diskussionsrunde mit Sozialarbeitern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter war ein Vortrag über die Straßenarbeit mit Strichjungen in Stuttgart. Der Referent, Streetworker Nils Ullrich, ist in der Landeshauptstadt seit Jahren Ansprechpartner für junge Stricher. Über das Café "Strich-Punkt" entstehen vielfältige Kontakte und Informationsmöglichkeiten zum Thema "Safer Sex", auch Aids-Tests bieten die Sozialarbeiter dort an.

Wie steht es um die Schwulenszene in Ulm und Neu-Ulm? Einhelliges Fazit: Eine offene Szene existiert seit mehreren Jahren nicht mehr. Die ehemaligen Treffpunkte der Schwulenszene, darunter die Toilettenanlage am Rosengarten oder die ehemalige Straßenbahnendhaltestelle in der Friedrichsau, seien mittlerweile verwaist, auch klassische Schwulenkneipen wie etwa der "Alte Fritz" existierten nicht mehr. Am und um den Ulmer Hauptbahnhof herum treffe man immer wieder auf einzelne - meist ältere - Homosexuelle, die dort schon seit Jahren bekannt seien.

Eine "Szene" gebe es aber auch dort nicht. Was aber nicht heiße, dass es in Ulm keine homosexuelle Prostitution gibt. Das Gros der Kontaktanbahnungen laufe heute via Internet ab. Auch ein Autobahnparkplatz in der Nähe von Günzburg diene immer wieder als Anlaufstelle für Stricher und Freier, oder man fahre gleich nach Stuttgart.