Verkehr Radler in Ulm: Im Zweifel auf der Straße fahren

Radfahrer haben es derzeit in Ulm nicht leicht.
Radfahrer haben es derzeit in Ulm nicht leicht. © Foto: Archiv
Ulm / Ulrike Schleicher 19.04.2017

Bislang hatte Thomas Dombeck freie Fahrt auf dem Radweg von Neu-Ulm her über die Eisenbahnbrücke, über den Kobelgraben und dann weiter zum Ulmer Hauptbahnhof. Doch seitdem die Baustelle in der Friedrich-Ebert-Straße und vor dem Bahnhofsgebäude eingerichtet ist, endet Dombecks Hausstrecke im Nichts: „Man kommt nicht weiter, und es gibt auch keinen Hinweis darauf, wo es weitergehen könnte.“

Der Geschäftsführer des Kreisverbands Ulm des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) weiß natürlich um den Ausnahmezustand in Ulm aufgrund der Baustelle für die Linie 2. „Es ist klar, dass sich jeder einschränken muss.“ Nur: Nach wie vor hätten Autos Vorrang in der Stadt. Es gebe Stellen, die „katastrophal“ seien. Eine davon sei etwa die am Eingang der Wagnerstraße aus Richtung Innenstadt, wo Fußgänger und Radfahrer gemeinsam an einer Ampel warten, um die Straße Richtung Beyerstraße zu überqueren. Hier stauen sich die Wartenden regelmäßig, weil kein Platz auf dem engen Gehweg ist. Wer geradeaus weiter will, muss warten oder sich durchquetschen.

„Schlimm sind auch Schilder wie ,Radfahrer absteigen’“, sagt Dombeck. Oder dass Änderungen an den Baustellen und neue Wegeführungen nicht kommuniziert werden. Der Geschäftsführer wünscht sich eine bessere Informationspolitik seitens der Stadt: „Neulich wurde von der Stadt ein Flyer für Autofahrer und die Parksituation verteilt. Warum geht das nicht für Radfahrer?“ Für Radfahrer wäre es wichtig zu wissen, wie man Engpässe oder gar Sperrungen zügig umgehen kann. Der Eindruck des ADFC: Hier ist noch vieles bruchstückhaft.

Belange vorher abgestimmt

Natürlich gebe es ein Gesamtkonzept im Zuge der Großbaustelle – auch für Radfahrer und Fußgänger, unterstreicht Friederike Christian vom Team Fahrrad der Stadt. Das habe bereits ihr Vorgänger Tom Schiller mit anderen Abteilungen der Stadt erarbeitet. „Dort wurden die Belange der Radfahrer abgestimmt.“ Oberstes Gebot: Die Verkehrssicherheit und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. „Also, wo es zum Beispiel zu eng wird, müssen Radfahrer eben absteigen.“

Klar sei, dass Radfahrer flüssig zum Ziel kommen wollten. Das bedeute jedoch auch, dass sie zum Teil lange Umwege in Kauf nehmen müssten. Das sei etwa bei der Sanierung des Donauradwegs der Fall gewesen. „Wer nicht durch die Baustelle wollte, musste über Wiblingen fahren.“ Vieles in der Stadt sei zurzeit nicht optimal geregelt, räumt die studierte Geographin im Zusammenhang etwa mit der Wagnerstraße ein. „Aber wir versuchen Anregungen der Bürger aufzugreifen.“

Ein positives Beispiel von Baustellenmanagement sei etwa die Neutorstraße: „Dort kann man auf dem Gehweg zum Theater fahren, aber auch auf der Straße.“ Es sei eigens ein Radstreifen markiert worden. Doch damit ist es leider bald vorbei. Die Baustelle wird sich wieder ändern. „Dann ist nur noch der Fußweg frei.“

Die Fahrradbeauftragte der Stadt empfiehlt, die Straßen mehr zu nutzen. „Wo kein ausgewiesener Radweg ist und Radfahrer auch Fußwege nicht benutzen dürfen, ist die Straße sicherer.“ Zum einen natürlich dort, wo es Radfahrstreifen gibt, also etwa in der Söflinger Straße. Zum anderen ganz generell. „Studien haben nachgewiesen, dass Autofahrer beim Abbiegen besser auf Radfahrer aufpassen, wenn sie gleichberechtigt auf der Fahrbahn fahren.“ Sei die Straße enger oder auch in einem Kreisverkehr, solle man in der Fahrbahnmitte fahren. Mit Provokation habe das nichts zu tun: Erstens sei der Radfahrer gleichberechtigt – „umso mehr mit den heutigen schnellen Pedelecs“. Zweitens sei Fahren auf der Straße Teil eines „grundsätzlichen Umdenkens: „Der Radfahrer gehört auf die Straße.“

Das sieht auch der ADFC-Geschäftsführer so. Aber: „Man muss sich auch sicher fühlen.“ Radfahrstreifen seien deshalb ein Muss. Und: „Man kann sich nur wünschen, dass es künftig keine Planungen wie die Frauen,- Karl,- und Neue Straße mehr in Ulm gibt.“

Fahrradentwicklungsplan seit 2016

Konzept
Seit Frühjahr 2016 besteht ein Fahrradentwicklungsplan in Ulm, in dem detailliert erklärt werde, wo das Hauptwegenetz in der Stadt bestehe und entwickelt werde, und wo das Nebenwegenetz. „So kann man Lücken erkennen“, sagt Friederike Christian. Eine Schwachstelle, an der gearbeitet wird, sei etwa die Überquerung der Glöcklerstraße aus Richtung Ehinger Tor, wo ein Radweg fehlt. Zudem fahren unvermittelt Autos heraus. Radfahrer können sie nicht sehen. Entlang der Straßenbahnlinie 2 sollen die Straßen zum Esels- und Kuhberg hinauf Radfahrstreifen bekommen.

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