Familientradition Im Weihnachtszirkus ist der Direktor das Alpha-Tier

Beate Storz 04.01.2018
Veno Mendes gab seine Artistenkarriere auf und dressiert jetzt Pferde und Dromedare. Vorstellungen des Weihnachtszirkus sind noch bis einschließlich Sonntag.

Die Manege ist sein Zuhause und auch das seiner Ahnen. Zirkusdirektor Veno Mendes stammt aus einer alt eingesessenen Zirkusfamilie und ist von klein auf an die Arbeit in der Manege gewöhnt. „Wir können unsere Familiengeschichte bis zum Jahr 1612 zurückverfolgen“, sagt Mendes voller Stolz.

Im Weihnachtszirkus (siehe Infokasten) tritt er mit Araberpferden, Dromedaren und Lamas auf. Früher war der heute 37-Jährige als Artist aktiv. „Mein Bruder und ich sind gemeinsam auf dem Hochseil aufgetreten und haben sogar Preise bekommen“, erzählt Mendes. Sein Bruder Immanuel sei Ende der 90er Jahre der Erste in Deutschland gewesen, der mit einem US-Todesrad auftrat.

Der Urlaub fällt flach

Mendes selbst wollte irgendwann nur noch Tiere dressieren und gab seine Artistenkarriere dafür auf. Seither steht er täglich ab 7 Uhr im Stall bei seinen Tieren, versorgt und trainiert sie. „Die Tiere lernt man am besten beim Misten und Füttern kennen. Ich weiß genau, wie viel jedes Tier frisst, trinkt und auch, wie viel Mist es produziert. Frisst ein Tier weniger, dann schaue ich es mir genau an, denn dann könnte es krank sein.“

Für Mendes heißt dies, dass er auch nicht in den Urlaub fährt. „Wenn ich mal für zwei Tage bei Verwandten bin, werde ich schon ganz unruhig, ob es meinen Tieren zu Hause wirklich gut geht.“ Davon abgesehen brauchen die Tiere Abwechslung, betont er. Bei der Probe dürfen sie machen, was sie wollen, können sich auch mal hinlegen und ausruhen. Überhaupt nehme er sich viel Zeit, um eine Nummer einzustudieren, und der Dresseur führt über die Übungen Buch. Will ein Tier nicht steigen, dann muss es das auch nicht tun. Denn es gibt andere Tiere in der Gruppe, die eher „Steiger“ sind. Mendes kennt die Begabungen und fördert sie.

Und wenn in der Vorstellung mal was nicht klappt, dann klappt es eben nicht. Mendes sieht das gelassen: „Tiere sind auch nicht jeden Tag gleich.“ Wenn sie das Jahr über auf der Weide frei haben, dann dürfen sie sich im Schlamm wälzen. Die Dromedare lieben es, sich im Sand zu wälzen und danach stundenlang faul in der Sonne zu liegen.

Die Pferde lernen zunächst das Dressur-ABC, also Schritt, Trab, Galopp und Stopp. Das sind die Grundlektionen und die werden in unterschiedlicher Reihenfolge geübt, „damit sie nicht alles automatisch machen, sondern wirklich auf mich hören“. Dabei spielt auch die Stimmlage eine Rolle: „Stopp“ spricht er laut und befehlend aus, „Schritt“ eher leise und ruhig und „Trab“ in mittlerer Lautstärke. So schlüpft Mendes in die Rolle des Alpha-Tieres.

Hinzu kommt: Pferde sind Fluchttiere und erschrecken leicht. Mendes’ Tiere allerdings vertrauen ihm und bleiben meist gelassen: „Wir trainieren auch während des Zeltaufbaus, sie sind einiges gewöhnt. Passiert etwas Ungewöhnliches, dann schauen sie erst mal zu mir. Wenn ich ruhig bin, bleiben sie auch ruhig.“

Im vergangenen Jahr ist sein Andalusierhengst friedlich eingeschlafen. Das Tier wurde 35 Jahre alt und hatte 15 Jahre Rente in Mendes’ Heimatquartier in Westerheim, wo der Zirkusdirektor wohnt und unterm Jahr einen Freizeitpark betreibt. „Zur Probe durfte der Andalusier mit, denn Tiere lieben Beschäftigung. Aber für den Auftritt war er zu alt. Ich hätte das Tier auch verkaufen können, denn es beherrschte die Hohe Schule. Aber ich mochte das Pferd und es sollte bei mir alt werden“, betont er.

Weihnachtszirkus noch bis Sonntag

Vorstellungen Der Ulmer Weihnachtszirkus gastiert noch bis einschließlich Sonntag, 7. Januar, auf dem Festplatz in der Friedrichsau. Vorstellungen sind täglich um 15.30 und 19.30 Uhr, aber am 7. Januar um 11 und 15 Uhr. Kleine Tierschau ist täglich von 10 bis 14 Uhr. Die Zirkuskasse ist ab 10 Uhr geöffnet. Karten gibt es auch an den Vorverkaufsstellen und bei der SÜDWEST PRESSE, Frauenstraße 77.