Justiz Roger Menck: Anklage wegen Volksverhetzung

Sprach verächtlich über Homosexuelle: Roger Menck.
Sprach verächtlich über Homosexuelle: Roger Menck. © Foto: Stefan Czernin
Ulm / Hans-Uli Mayer 27.03.2018
Roger Menck muss wegen Volksverhetzung zahlen. Er hat Schwule und Lesben als „unfruchtbares Fallobst“ bezeichnet.

Schon lange vor Prozessbeginn saß Roger Menck am Donnerstagvormittag auf dem Stuhl des Angeklagten im kleinen Gerichtssaal E 40 des Ulmer Justizgebäudes. Demonstrativ hatte er sich in ein schwarz-rot-goldenes Sport-Dress mit Bundesadler gehüllt, vor sich auf dem Tisch eine gleichfarbige Baseballmütze mit Bierwerbung abgelegt und ein Transparent, mit dem er beim Christopher-Street-Day (CSD) vergangenen Jahres gegen die gleichgeschlechtliche Ehe protestierte. „Ich will mich durch mein Äußeres als einen fairen Sportsmann zeigen, der als Sportler und als Lehrer immer für Fairness eingetreten ist.“

An jenem Tag im vergangenen August aber hat er sich selbst nicht fair behandelt gefühlt, sogar angefeindet sei er von Teilnehmern des CSD geworden. Deshalb griff der vielfach ausgezeichnete Fechter zum schweren Säbel und stellte einem befreundeten Mitarbeiter des Stadtmagazins „Spazz“ einen Flyer zur Verfügung, den der auch ungekürzt in voller Länge abdruckte. Darunter eine Passage, in der Schwule und Lesben als „unfruchtbares degeneriertes Fallobst der Gesellschaft“ bezeichnet werden, wogegen „sogar Polygamie die natürlichere Sex-Kultur“ sei.

Ein „wenig überzogen“ sei das vielleicht gewesen, gibt der 74-Jährige zu und verweist zu seiner Verteidigung auf Walter Feucht, der in dem Spazz seit Jahren eine Kolumne schreibe, aber noch nie habe sich deswegen vor Gericht verantworten müssen. Er sei doch kein Volksverhetzer, sagte Menck voller Entrüstung: „Das lasse ich nicht auf mir sitzen.“

Seine Äußerungen jedenfalls wollte er als freie Meinungsäußerung verstanden wissen, außerdem habe er nichts gegen Schwule und Lesben, „die sind alle lieb und nett und so weiter“. Aber die Vorstellung, dass beispielsweise beim Eiskunstlauf zwei Männer den Paarlauf bestreiten dürften, das ginge ihm dann doch zu weit. Menck: „Ich bin Vater von drei Kindern und sechs Enkelkindern. Da hört es auf.“

Sich vor allem öffentlich als Volksverhetzer zeihen lassen zu müssen, ist für Menck unerträglich. Schließlich habe er im Ehrenamt seinen Beitrag für die Gesellschaft geleistet. Dabei hatte ihm die Staatsanwaltschaft im Vorfeld eine goldene Brücke gebaut. In einem Strafbefehl war ihm die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 500 Euro an Ärzte ohne Grenzen angeboten worden.

Zum öffentlich geführten Prozess war es gekommen, weil Menck Einspruch eingelegt hatte. Nach dem Hinweis der Richterin, dass er im Falle eines Urteils mit einer Verurteilung wegen Volksverhetzung rechnen müsse, zog Menck seinen Einspruch zurück. Bis zur Zahlung der 500 in fünf Raten aufgeteilten Euro bleibt das Verfahren gegen ihn zunächst vorläufig eingestellt.

Der Tatbestand der Volksverhetzung

Strafgesetz Der Tatbestand der Volksverhetzung ist in Paragraf 130 des Strafgesetzbuches geregelt. Darin geht es nicht nur um die Aufwiegelung zu Hass und zur Gewalt, sondern im Absatz 2 auch darum, Gruppen, Teile der Bevölkerung oder Einzelpersonen wegen ihrer nationalen, rassischen, religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit zu einer Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden. Verstöße sind mit Freiheitsstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren bewehrt.

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