Ulm Im Rhythmus liegt die Hoffnung

Ulm / MAGDI ABOUL-KHEIR 25.05.2013
Rhythmen, die die Welt einen sollen: Fatoumata Diawara versteht ihre Musik als kulturelle und politische Botschaft. In die Beine geht diese dabei wie selbstverständlich, wie im Ulmer Zelt zu erleben war.

Wassoulou heißt die Sprache, in der Fatoumata Diawara singt, und die Zelt-Besucher verstehen naturgemäß kein Wort. Aber trotzdem fühlen sie sich schon nach wenigen Takten in dieser Stimme geborgen. Und sie begreifen sofort, dass dieser besonderen Sängerin ihre Worte sehr wichtig sind.

350 Weltmusik-Fans sind am Donnerstagabend ins Zelt gekommen und werden nach Afrika entführt - da kann es draußen in der Friedrichsau regnen und abkühlen, wie es mag. Fatoumata Diawara wurde 1982 an der Elfenbeinküste geboren, wuchs in Mali, dem Heimatland ihrer Eltern, auf und ging nach Frankreich, um Schauspielerin zu werden. Sie trat in etlichen Filmen und am Theater auf - aber dann wurde ihr der Gesang immer wichtiger. Ihr Debütalbum "Fatou" erschien vor zwei Jahren, seitdem tourt sie fleißig.

Wassoulou heißt auch dieser Musikmix aus langen traditionellen westafrikanischen Melodienbögen und modernen Stilelementen: Rock, Folk, Soul und vor allem Funk spielen da hinein. Eine anziehende Mischung aus hypnotischen Riffs, treibenden Beats und Diawaras mal warmer, mal rauer Stimme, die in ihrer vokalreichen Sprache viel zu erzählen hat - was sie dem Publikum zwischen den Songs auch leidenschaftlich erklärt.

Denn es geht um Bürgerkrieg, um Friedensappelle und um Träume von einem neuen Afrika. Diawara prangert die Beschneidung von Mädchen an und den Brauch, Kinder bei Fremden aufwachsen zu lassen. Sie fordert, dass Frauen ihre Partner selbst wählen dürfen, und sie fordert eine gute Schulbildung für alle.

Fatoumata Diawara glaubt an die einigende Kraft der Musik und lebt sie vor: Ihr Bassist stammt aus Kamerun, der Schlagzeuger aus Togo, der Gitarrist aus Frankreich und die Frau, die für besondere perkussive Klangfarben sorgt, von der Insel La Réunion im Indischen Ozean.

"Was Politiker nicht können, schaffen vielleicht Künstler", hofft die Sängerin und beschwört Rhythmen, die den Kontinent, ja die Welt heilen, "das ist unsere einzige Hoffnung". Es folgt eine gar nicht so kleine afrikanische Tanzkunde im Sechs-Achtel-Takt: Fatoumata Diawara wird mit ihren Zöpfen und Tüchern zum gelb-grün-schwarz-roten Wirbelwind. Da sollen und können auch die Zuhörer nicht ruhig stehen bleiben, wobei man gewahr wird: Ulm ist nicht Uganda, Senden nicht Senegal und Burlafingen nicht Burkina-Faso. Aber "egal, ob schwarz oder weiß - Hauptsache, man bewegt sich!", feuert Fatoumata Diawara das begeisterte Publikum an. Wer in der Au fror, statt mit Fatoumata Diawara nach Afrika zu reisen, war an diesem Zelt-Abend selbst schuld.

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