Freie Szene Im Namen der Putte: Ein neuer Kunstraum für Neu-Ulm

Janina Schmid wird die „Putte“ leiten.
Janina Schmid wird die „Putte“ leiten. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Neu-Ulm / Lena Grundhuber 27.04.2017
Am Augsburger Platz entsteht der erste städtische Projektraum für junge, nichtetablierte zeitgenössische Kunst in der Region.

Noch steht „Alles muss raus“ auf die großen Rundbogenfenster geschrieben, dabei ist das Gegenteil der Fall: Bald muss jede Menge hinein in den leerstehenden Laden in der Brückenstraße 2. Am 22. Juni soll dort in Neu-Ulm der erste kommunal betriebene künstlerische Off Space der Region eröffnen: ein städtischer Projektraum für junge, nichtetablierte, zeitgenössische Kunst. Auf 80 Quadratmetern gibt es einen großen und einen kleinen Ausstellungsraum, ein Büro und eine Bar – und draußen an der Wand hängt der Namensgeber des neuen Kunstraums. „Putte“, nach dem lesenden, steinernen Putto mit Brille an der Außenmauer.

Wer die Figur einst entworfen hat und was sie symbolisieren soll, wisse man nicht, sagt Petra Schmitt. „Aber die Putte war das Erste, was uns ins Auge gestochen ist“, sagt sie. „Uns“ schließt die Künstler und Griesbad-Galeristen Martin Leibinger und Tommi Brem ein, mit denen Schmitt das Konzept in der gemeinsamen Agentur „Hahn15“ ausgeheckt hat.

Machen, leiten, kuratieren werden die Drei es diesmal nicht selbst. „Wir wollten ganz bewusst einen anderen Ansatz“, sagt ­Schmitt. Für diesen spezifisch Neu-Ulmischen Akzent zeichnet nun Janina Schmid verantwortlich. Mit ihrem Mann Frederik Kochbeck arbeitet sie derzeit als Pro-Arte-Stipendiatin in den Ateliers im Kloster Wiblingen. Und Kochbeck ist auch erster Vorsitzender des neu gegründeten Vereins Projektraum für aktuelle Kunst, der die Leitung der Putte einsetzt. Die Stadt unterstützt das Projekt 2017 mit 33.000 Euro, unter anderem für Miete und Betriebskosten. Die Putte ist weniger auf Verkauf als vielmehr auf Vermittlung ausgerichtet.

Die Kunstszene beleben

Janina Schmid und Frederik Kochbeck sind Bildhauer – und genau so soll der Projektraum bespielt werden. „Das passt zu Neu-Ulm, weil mit dem Edwin-Scharff-Museum und dem Venet-Haus schon viel Bildhauerei da ist. Das können wir jetzt um den jungen, zeitgenössischen Aspekt ergänzen“, sagt Schmid. Freilich wird das Paar nicht die eigenen Arbeiten zeigen, der Raum soll ja nicht der Nabelschau dienen. Im Gegenteil: Die Putte wird Neu-Ulm mit der Außenwelt vernetzen. „Wir möchten die Kunstszene beleben, indem wir andere Leute herholen und Neues zeigen“, sagt die 34-jährige Leiterin, die auch Projekträume aus anderen Städten präsentieren will. Unter anderem sollen von der Putte aus ortsspezifische Arbeiten entstehen, so ist an „Kreiselkunst“ für den Kreisverkehr am Augsburger Platz gedacht.

Die erste Kunstaktion steht, alles weitere müsse wachsen, sagt Schmid. Nicht zuletzt in die Stadt hinein: In der Putte sollen Veranstaltungen stattfinden, sogar nachts soll sie leuchten, um die Menschen hineinzulocken – alles darf rein.