Ob es ausreichend Kindergartenplätze in Böfingen gibt, was die Geflüchteten den ganzen Tag machen, wer genau in die acht Häuser zieht, ob jeder eine eigene Satellitenschüssel installieren könne, ab wann Integrationskurse für wen stattfinden, wer die Miete bezahle und ob die Menschen arbeiteten. Das ist ein Teil der Fragen, die am Mittwochabend Bürger im Stadtteil Böfingen Vertretern der Stadt gestellt haben. Im Gemeindehaus der katholischen Kirche hatte die Stadt zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Grund sind die acht Häuser, die am Böfinger Weg für anerkannte Asylbewerber gebaut werden und von denen die ersten sechs nun zum Februar bezugsfertig sein sollen.

Bis zu 180 Personen finden in den zweigeschossigen Modulbauten aus Holz Platz. „Jede Wohnung hat rund 62 Quadratmeter“, erläuterte Werner Fischer, Koordinator für Geflüchtete in der Stadt. Insgesamt gebe es 30 Wohnungen sowie Gemeinschaftsräume. „Zwei Drittel davon werden mit Familien belegt. Ein Drittel sind Einzelpersonen, die in Wohngemeinschaften leben werden“, sagte Fischer.

Die Mieter würden von den Flüchtlingssozialarbeitern der Stadt ausgewählt. „Sie sind ja alle schon Monate hier, die Sozialarbeiter kennen sie und wissen, wer zusammenpasst.“ Dies sei ein intensiver, mühevoller Prozess, der sich jedoch bewährt habe. Ebenso gehe man davon aus, dass die Menschen – einige sind bereits 18 Monate hier – inzwischen die Strukturen der Stadtgesellschaft kennen. „Soll heißen, sie leben dort selbstständig wie jeder andere auch.“ Beaufsichtigt würden die Menschen nicht. Auch hätten sie während ihres Aufenthaltes die hier geltenden Werte und Normen kennengelernt, beruhigte Ulms Sozialbürgermeisterin Iris Mann eine Frau, die ihre Ängste über Männer in Gruppen äußerte: „Sie wissen ja nicht, dass kurze Röcke normal sind.“

Trotzdem sind Mitarbeiter des Kommunalen Sozialen Dienstes für die Mieter Ansprechpartner bei Problemen, sagte Fischer. Frank Riethdorf, Mitarbeiter der Stadt, hingegen sei zuständig für die Nachbarn, falls es zu Schwierigkeiten käme. Er vermittle unter den Beteiligten. Und es gebe natürlich noch den Helferkreis, der sich um viele Belange engagiert kümmere und die Menschen zusammenbringe.

Einige der künftigen Bewohner befänden sich in Ausbildung, wenige arbeiteten. Andere besuchten Sprach- und Integrationskurse. Letztere sind für anerkannte Asylbewerber Pflicht. Wer nur geduldet sei, könne den Sprachkurs der Stadt besuchen – „was die meisten auch tun.“

Die Kinder im Kindergartenalter seien bei der jährlichen Bedarfsplanung an Plätzen berücksichtigt worden, sagte Bürgermeisterin Iris Mann: „Wie andere auch.“ Trotzdem könne es zu Engpässen kommen. „Wir versuchen das mit Ausnahmegenehmigungen für Überbelegungen hinzubekommen.“ Oder: Besuche ein Kind eine Einrichtung woanders in der Stadt „muss man dort morgens halt hinfahren“.

Die Miete in den Häusern, die von der UWS verwaltet werden, betrage 7, 51 Euro pro Quadratmeter. Die meisten der Bewohner bekämen Sozialleistungen nach Hartz IV.

Stadt will zwei Häuser freihalten


Belegung Die beiden Häuser, die noch nicht fertig sind, will die Stadt am liebsten freihalten für Bürger in Ulm, die ebenfalls dringend bezahlbaren Wohnraum brauchen. Dies hänge jedoch davon ab, ob das Land dann ebenfalls Fördermittel bewillige. Bislang sind von den rund 7 Millionen Gesamtkosten etwa 3 Millionen Fördermittel für die Anschlussunterbringung von anerkannten Asylbewerbern.

Begehung Am Sonntag von 13 bis 17 Uhr können Interessierte eines der Häuser am Böfinger Weg begutachten. Es gibt Kaffee und Kuchen, Vertreter der Stadt sowie Architekt Steffen Glöckler sind vor Ort.