Ulm Im Heyoka-Theater spielen Laien, Profis und Behinderte

Am Dienstag wurde zum letzten Mal geprobt. Am Samstag wird es ernst für Rosiane Menezes, Georg Metzenrath (Mitte) und Paul Greulich - dann steht die Premiere des Stücks "La Couleur du Blé - Die Farbe des Weizens" an.
Am Dienstag wurde zum letzten Mal geprobt. Am Samstag wird es ernst für Rosiane Menezes, Georg Metzenrath (Mitte) und Paul Greulich - dann steht die Premiere des Stücks "La Couleur du Blé - Die Farbe des Weizens" an. © Foto: Matthias Kessler
JULIA KLING 20.04.2016
Wenn ich etwas vom Weizen gelernt habe, dann dieses: Der Rhythmus ist eine ganz entscheidende Sache." Georg Metzenrath steht als Bauer verkleidet auf der Bühne im Podium des Ulmer Theaters. Metzenrath gehört zum Ensemble des Heyoka-Theaters.

Wenn ich etwas vom Weizen gelernt habe, dann dieses: Der Rhythmus ist eine ganz entscheidende Sache." Georg Metzenrath steht als Bauer verkleidet auf der Bühne im Podium des Ulmer Theaters. Metzenrath gehört zum Ensemble des Heyoka-Theaters. Geprobt wird das Stück "La Couleur du Blé - Die Farbe des Weizens". Der Rhythmus ist auch beim Proben eine entscheidende Sache: Wann kommen Simon und Paul mit ihren Dreschflegeln auf die Bühne, wer sitzt auf welchem Hocker und vor allem: Wer trägt welchen Hocker wohin? Fragen, die bei der Inszenierung jedes Stücks geklärt werden müssen, doch ist der Rhythmus beim Heyoka-Theater besonders wichtig. Denn hier spielen Schauspieler, Laiendarsteller und die Besonderen, wie der Vorsitzende des Heyoka-Vereins Thomas Greulich sie nennt, zusammen. Die Besonderen sind Menschen mit geistiger Behinderung, psychischen Erkrankungen oder Körperbehinderungen.

Rhythmus braucht es bei den Proben, damit jeder weiß, wann er seinen Einsatz hat. Gleichzeitig "gibt es keine Grundsatzregeln", erklärt die künstlerische Leiterin Eva Ellerkamp. Das sei auch die Herausforderung. Denn es gelte, jedem gerecht zu werden. So sei die Konzentrationsspanne bei einigen Teilnehmern nach eineinhalb Stunden vorbei. "Die Probe dauert aber vier Stunden, da muss man auf die einzelnen Darsteller eingehen", erzählt sie. "Die Leute nicht unterfordern, aber auch nicht überfordern", erklärt Thomas Greulich. "Das erfordert Fingerspitzengefühl."

Neben der Besetzung sind auch die Stücke, die das integrative Theater spielt, etwas Besonderes. Denn jeder bekommt eine Rolle, die auf ihn zugeschnitten ist. "Zunächst gibt es eine Idee. Die Schauspieler berichten über ihre eigenen Erfahrungen - etwa über Freundschaft. Aus den einzelnen Erzählungen schreibt Eva Ellerkamp dann das Stück", berichtet Greulich. "Jeder hat hier eine Hauptrolle. Das beeindruckt mich", erzählt Metzenrath, der früher in Rumänien als Schauspieler gearbeitet hat.

Für das aktuelle Stück besuchte die Gruppe einen Demeter-Bauernhof , um zu erleben, wie sich Weizen anfühlt und wie das Getreide gesät wird. "Das war ein schönes Erlebnis", erzählt Heike Tiessen, die schon seit mehreren Jahren zum Ensemble gehört. Auf die Premiere diesen Samstag freut sie sich. "Das klappt auf jeden Fall." Auch Georg Metzenrath hat ein gutes Gefühl, auch wenn er noch etwas nervös ist, ob er seinen Text auf der Bühne parat hat. Gut vorbereitet fühlt sich Paul Greulich, auch dank seiner Eltern. "Die sprechen mir meinen Text auf meinen Ipod, dann kann ich immer reinhören."

Info Bewerbungen und Vorschläge für den Verantwortungspreis nimmt die Volksbank Ulm noch bis Freitag, 29. April, entgegen.