Unterkunft Im geplanten Flüchtlingsheim in Wiblingen sollen Familien wohnen

Von innen, von vorne, von hinten: So soll die geplante Flüchtlingsunterkunft auf den Wiblinger Eschwiesen aussehen.
Von innen, von vorne, von hinten: So soll die geplante Flüchtlingsunterkunft auf den Wiblinger Eschwiesen aussehen. © Foto: Stadt Ulm
Wiblingen / IGOR STEINLE 05.12.2015
Die Flüchtlingsunterkunft auf den Eschwiesen soll ab Oktober nächsten Jahres bewohnbar sein. Mehr Asylsuchende als geplant werden darin leben. Ziel ist, die Wohnungen auch anderen Mietern anzubieten.

Der Andrang war nicht annähernd so groß wie im Juli. 500 Wiblinger kamen damals zu einem Informationsabend über die geplante Flüchtlingsunterkunft auf den Eschwiesen, viele verbrachten ihn stehend. Am Donnerstag war das Bürgerzentrum am Tannenplatz nicht mal zur Hälfte gefüllt.

Auch die Stimmung war nicht so aufgeladen wie im Sommer, als Gegner und Unterstützer der Unterkunft im Vorfeld Flugblätter verteilt hatten. Im Gegenteil: Es ging unaufgeregt und sachlich zu, als Baubürgermeister Tim von Winning die Häuser vorstellte, die ab April kommenden Jahres auf den Eschwiesen zwischen Aldi-Markt und Wohngebiet entstehen werden.

Geändert hat sich auch die Anzahl der Asylsuchenden, für die das Quartier ab Oktober 2016 ausgelegt sein wird. War die Unterkunft zunächst für 72 Menschen vorgesehen, ist die Zahl inzwischen auf 108 gestiegen. "Wir arbeiten sehr tagesaktuell", erklärt von Winning die Veränderung. Denn die Stadt werde laufend mit neuen Flüchtlingszahlen konfrontiert.

Das bedeutet jedoch nicht, dass auch 108 Menschen auf den Eschwiesen leben werden. 4,5 Quadratmeter Wohnraum sind für einen Flüchtling nach Landesrichtlinie vorgesehen, auf bis zu neun Personen sind die Wohnungen ausgelegt. "Bei den Bewohnern wird es sich aber vor allem um Familien handeln, die jetzt in der Römerstraße oder in der Hindenburgkaserne untergebracht sind", kündigt Flüchtlingskoordinator Werner Fischer an. Da nicht alle Familien neun Köpfe zählen und Alleinerziehende mit Kindern in der Unterbringung ohnehin bevorzugt werden, werde die Unterkunft auch nicht voll ausgelastet, sagt Fischer.

Als Flüchtlingskoordinator ist Fischer auch für die soziale Betreuung zuständig. Ein Sozialarbeiter wird sich der Bewohner der Unterkunft annehmen. Außerdem haben sich bereits zahlreiche ehrenamtliche Helfer gemeldet, die beim Eingewöhnen in Wiblingen helfen wollen. Dabei gehe es um Freizeitangebote, Sprachtandems oder auch Themen wie berufliche Perspektive und Kinderbetreuung. Zudem ist eine enge Anbindung an Kirchen- und Moscheegemeinden geplant. Einen Sicherheitsdienst wird es nicht geben. "Das funktioniert bei der Größenordnung auch ohne", sagt von Winning. Vor allem, da es sich bei den Bewohnern um Familien handeln wird.

Drei Millionen Euro hat die Stadt sich die Unterkunft kosten lassen. "Das ist nicht unbedingt kostengünstig", gibt von Winning zu. "Eine billige Sammelunterkunft wäre für diese Umgebung aber nicht das Richtige." Ein halbes Jahr ist für den Bau der drei Häuser vorgesehen, jedes davon beinhaltet vier Wohneinheiten. Diese sollen auch als Anschlussunterkunft genutzt werden. Langfristiges Ziel sei laut von Winning jedoch, die Wohnungen sowohl für Flüchtlinge als auch auf dem freien Markt anzubieten. Wann das der Fall sein wird, könne angesichts sich ständig ändernder Flüchtlingszahlen nicht vorausgesagt werden. 20 Jahre lang sollen die Häuser bewohnbar sein.

Den Zuschlag für den Bau hat eine Firma aus Vorarlberg erhalten. Von Winning auf die Frage eines Bürgers, warum kein deutsches Unternehmen die Häuser baut: "Die Österreicher fahren schöne deutsche Autos und wir bauen schöne österreichische Häuser."

Ekin Deligöz: Mehr Geld für Folteropfer

Zentren "Mit nur 30 Behandlungszentren für Folteropfer in Deutschland wird der derzeitige Bedarf bei weitem nicht gedeckt. Deshalb fordert unsere Fraktion 50 Millionen Euro Bundeszuschuss zum Ausbau der Psychosozialen Zentren." Das sagte die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz in ihrer Rede zum Haushalt.

Finanzierung Die Finanzierung der Behandlungszentren müsse sichergestellt sein. Über die Situation vor Ort hatte sich die Grünen-Abgeordnete bei einem Besuch des Zentrums für Folteropfer in Ulm (BFU) informiert. Es arbeitet unter dem Dach des Reha-Vereins für soziale Psychiatrie Donau-Alb.

Diagnostik Nach Einschätzung der Psychologen könnten 40 bis 50 Prozent der Flüchtlinge traumatisiert sein, was nicht heißt, dass alle eine Traumatherapie benötigen; eine frühzeitige Diagnostik sei aber sehr wichtig. Die Wartezeit bei Flüchtlingen, die im BFU behandelt werden, liegt bei rund neun Monaten.