Schicksal Im freien Fall durchs soziale Netz

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Region / Von Barbara Hinzpeter 16.12.2017
Hanna Z. schwerbehindert und braucht Hilfe rund um die Uhr. Trotzdem studiert sie. Weil sie dafür aber länger braucht, bekommt sie keine staatliche Unterstützung mehr.

Sie ist begabt und möchte einen Beruf, der sie ernährt und in dem sie erfolgreich ist. Doch auf dem Weg dahin tun sich für die 23-Jährige immer neue Hürden auf. Hanna Z. studiert an der Uni Ulm Medieninformatik und  leidet an spinaler Muskelatrophie, einer Form von fortschreitendem Muskelschwund.

Seit ihrer Kindheit ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Trotzdem hat sie die Regelschule besucht und an einem Gymnasium in ihrer fränkischen Heimat das Abitur abgelegt. „Das war ein Kampf“, sagt sie rückblickend. Aber notwendig, um sich den Traum vom Studium zu erfüllen. Der droht jetzt zu platzen.

Seit Oktober 2016 bekommt sie kein Bafög mehr. Denn vom fünften Semester an werden Leistungsnachweise verlangt. Aufgrund ihrer Erkrankung mit stark eingeschränkter Motorik und weil starke Schmerzmittel ihre Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen, kann Hanna Z. die Scheine nicht in der vorgegebenen Zeit machen. Deshalb räumt ihr die Uni die Möglichkeit ein, nur zwei bis drei statt sechs bis acht Kurse pro Semester zu belegen. Das Bafög-Amt geht diesen Weg nicht mit und verweigert die Zahlung.

Das Jobcenter Ulm und ihr Heimatbezirk springen nicht ein. Sie lehnten Hilfen zum Lebensunterhalt ab mit dem Hinweis, dass Bafög die vorrangige Leistung wäre. Mit Ach und Krach habe sie das letzte Jahr mit privat geliehenem Geld finanziert, sagt Hanna Z., die selbst als ehrenamtliche Beraterin bei der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke aktiv ist. Sie will sich mit den Bescheiden nicht abfinden und hat wieder einen Antrag gestellt: „Aber ohne eine rasche  Lösung muss ich das Studium an den Nagel hängen“. Schneller zu studieren oder gar nebenher zu arbeiten, ist unmöglich. Schließlich geht ein Teil ihres Alltags drauf mit Arztbesuchen, Physiotherapie und nicht zuletzt der Koordination der Assistenz. Sie koordiniert selbst, nachdem ihr früherer Pflegedienst wegen Personalmangels vor Kurzem den Vertrag mit ihr gekündigt hat. „Das musste ich erst mal verdauen“, beschreibt sie ihre Reaktion.

Seit November muss die junge Frau ihre Assistenten komplett selbst suchen, einstellen und Verträge mit ihnen abschließen. Sie sei froh, dass sie so viele Leute kenne und alles geklappt habe. „Aber die letzten Wochen waren mega-anstrengend“, betont sie. Die Pflegekräfte, darunter drei fest angestellte und einige Minijobber, bezahlt sie über das persönliche Budget, das ihr für eine 20-Stunden-Pflege bewilligt wurde. Beantragt hätte sie 24 Stunden, da sie in der Nacht mindestens alle zwei Stunden umgelagert werden müsse. Sie werde daher gegen den Bescheid klagen.

 Noch zwei Jahre, so schätzt sie, werde ihr Studium dauern – abhängig davon, „was noch alles an Unvorhergesehenem passiert“. Sie hat den Ehrgeiz, es zu Ende zu bringen, „weil ich keinen Bock habe auf Hartz IV oder EU-Rente für Schwerbehinderte und weil es mit Spaß macht“. Sie liebt es, stundenlang am PC – „der kann ja nicht davonlaufen“ – zu arbeiten und zu programmieren, bis alles klappt. Über die behindertengerechte Küche in ihrer „Zweier-WG“, die sie sich mit den jeweils Dienst habenden Assistenten teilt, freut sie sich, „denn ich koche voll gerne“ – und bisweilen reicht die Zeit, sich ein Basketball-Heimspiel in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm anzuschauen.

Direkte Hilfe für Hanna Z.

Gezielt unterstützen Wer Hanna Z. finanziell unter die Arme greifen möchte, vermerkt auf dem Überweisungsträger das Stichwort „Hanna Z.“.

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