Ulmer Weihnachtsmarkt, 18 Uhr: Leute schlendern  über den Platz, betrachten die Auslagen in den Ständen, stehen in Grüppchen zusammen, lachen, essen, trinken Glühwein. Für Erik L. und Markus D. beginnt um diese Zeit die Arbeit. Sie sind Sicherheitsmänner der Ulmer Security-Firma SHS. Ihre Aufgabe: Da sein für Besucher und Händler – und das bis zum nächsten Morgen. Mit ihren gelben Westen fallen die beiden Männer auf, wenn sie ihre Runden über den Münsterplatz drehen. Ihre Schritte und Bewegungen sind jedoch ruhig und bedächtig, haben nichts Alarmierendes an sich. „Die Leute sollen wissen, dass wir da sind und im Notfall helfen können“, sagt Erik, der wie jeder SHS-Sicherheitsmann geschulter Brandschutz- und Evakuierungshelfer ist. Weitere Qualifikationen für den Job: Ein Erste-Hilfe-Kurs sowie das Bestehen der so genannten Sachkundeprüfung. „Unser Beruf wird zunehmend professioneller. Das verbessert auch unseren Ruf“, sagt Erik.

Präventive Arbeitsweise

Seit mehr als 20 Jahren ist der 42-Jährige im Sicherheitsdienst tätig. Festivals, Messen, Fußballspiele: Der Fuldaer hat bereits auf vielen Veranstaltungen gearbeitet. Zum Ulmer Weihnachtsmarkt komme er aber besonders gern: „Die Leute hier sind sehr nett, wir haben ein gutes Verhältnis.“ Und tatsächlich: Nur erfreute Gesichter blicken den Sicherheitsmännern aus den Verkaufsbuden entgegen. „Alles in Ordnung bei euch?“, fragt Erik eine Schmuckhändlerin, die ihn gebeten hatte, häufiger mal an ihrem Stand vorbeizukommen und nach dem Rechten zu sehen. „Alles gut!“, lautet die Antwort.

„Ich fühle mich sicherer, wenn ich die zwei hier sehe“, berichtet eine Verkäuferin. „Die beiden sind pfiffig und vielfältig einsetzbar“, lobt ein anderer Budenbesitzer. So helfe man auch einmal, wenn eine Tür am Stand klemmt oder ein Besucher den Weg nicht findet. „Wir sind Mädchen für alles“, erzählt Erik lachend. Bisher sei es ruhig auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Im vergangenen Jahr waren mehr Taschendiebe unterwegs – und Betrunkene, die randaliert hätten. „Da haben wir die Polizei gerufen“, erzählt der 24-jährige Markus, der seit zwei Jahren als Sicherheitsmann arbeitet. Oft helfe es aber bereits, vernünftig mit den Menschen zu sprechen.

Nach Straßburg mehr gefordert

„Unser Team arbeitet präventiv“, erklärt SHS-Geschäftsführer Barny Sancakli. Nach dem Attentat auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt sei das Sicherheitspersonal  noch einmal stärker gefordert. Allerdings, so Sancakli: „An unserer Arbeitsweise ändern wir auch nach dem schrecklichen Vorfall nichts. Wir machen weiter wie bisher.“ Natürlich mache man sich auch als Sicherheitsmann nach Anschlägen seine Gedanken, erzählt Erik. Seine Konsequenz: „Wir passen einfach noch besser auf.“ Dass während der eigenen Schicht nichts passiere, gehöre schließlich „irgendwie zur Berufsehre“.

20.30 Uhr: Die Budenbesitzer schließen ihre Läden, nach und nach verlassen die Besucher den Markt, die Lichter werden ausgeschaltet, langsam wird es ruhig. Für die beiden Sicherheitsmänner ist die Arbeit aber noch lange nicht vorbei. Bis zum frühen Morgen werden sie ihre Runden zwischen den verschlossenen Ständen drehen und aufpassen, dass niemand etwas zerstört. Besonders am Wochenende kämen häufiger Kneipen- und Club-Besucher am Münsterplatz vorbei. Ob so eine dunkle und kalte Nacht nicht lang werde könne? „Wir schlafen ja tagsüber“, sagt Erik, „für uns ist es einfach wie ein normaler Arbeitstag.“

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Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt


Arbeitsweise Die SHS hat im Jahr 2018 rund 2200 Veranstaltungen betreut. Seit 19 Jahren ist das SHS-Personal auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt tätig. Zwei Mitarbeiter sind während der Woche unterwegs, am Wochenende ist das Team größer. Die Sicherheitsmänner haben Hausrecht.

Kontrolle Bei Bedarf arbeitet SHS eng mit Polizei und Ordnungsamt zusammen. Stechstellen garantieren, dass die Männer auch in der Nacht ihre Route einhalten. Die Kommunikation läuft direkt oder über Funkgeräte ab. Nach Dienstschluss wird ein Wachbericht erstellt.