Donau Iller-Kies aus der Donau

350 Meter lang ist die künstliche Kiesstraße, auf der Lastwagen in zwei Wochen das Material wegfahren, das aus dem Flussbett  links und rechts davon rausgebaggert wird.
350 Meter lang ist die künstliche Kiesstraße, auf der Lastwagen in zwei Wochen das Material wegfahren, das aus dem Flussbett  links und rechts davon rausgebaggert wird. © Foto: Siegfried Geyer
Ulm / Ute Gallbronner 10.10.2016
Die Bagger sind wieder im Gange an der Donau. Abgelagerter Kies muss aus dem Flussbett geholt werden, damit genug Wasser fürs Kraftwerk durchrauschen kann.

Die Natur bestimmt, ob die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) nach drei, zwei oder wie derzeit schon nach einem Jahr wieder Kies aus der Donau holen. Denn je mehr es regnet, desto mehr Kraft hat vor allem die Iller, um die Flusskiesel auf ihrem Weg aus den Allgäuer Alpen bis zur Mündung in die Donau und noch weiter zu transportieren.

Vor allem in der Rechtskurve in Höhe des Edwin-Scharff-Hauses lagert sich immer viel Gesteinsballast an, „weil die Wassergeschwindigkeit hier geringer ist“, erklärt SWU-Pressesprecher Bernd Jünke. An dieser Stelle werden die Bagger in den nächsten sieben Wochen  insgesamt 45.000 Tonnen Kies aus der Donau holen. Diese Arbeiten gehören zu den Unterhaltspflichten der SWU, die an der Böfinger Halde ein Wasserkraftwerk betreiben. Ist das Flussbett voller Kies, nimmt logischerweise das Wasserangebot ab. Und die Kiesbank vor dem Scharff-Haus ist seit der letzten Baggerung 2015 auf rund 350 Meter Länge und 30 Meter Breite angewachsen.

Spaziergänger auf Damm

Lag in der Vergangenheit der finanzielle Aufwand noch bei 100.000 Euro pro Jahr, sind die Kosten nun auf 125.000 Euro gestiegen, „weil alles teurer geworden ist“, sagt Jünke. Zwei Bagger schaufeln derzeit den Kies von der Ulmer auf die Neu-Ulmer Flussseite. Dabei entsteht in der Donau eine 350 Meter lange Fahrstraße. Diese Arbeiten dauern noch zwei Wochen.  Danach fahren Laster täglich bis zu hundert Kipperladungen frisch ausgebaggerten Kies über das Jahnufer und die Dammstraße ab. Ganz zuletzt wird die Fahrstraße wieder abgebaggert. Die SWU haben die Dammstraßenbewohner über den Lkw-Verkehr per Brief informiert.

„Dammstraßen-Spaziergänger“ sieht Jünke indes gar nicht gerne. Am Sonntagabend haben nämlich einige Menschen ausprobiert, wie es sich anfühlt, mitten auf der Donau auf dem etwa fünf Meter hohen Kiesdamm entlangzuspazieren. Dazu sagt Jünke ganz klar: „Das Betreten der Baustelle ist verboten.“ Er hofft, dass die Arbeiten zügig vorangehen. Bloß bei andauernden Regenfällen im Allgäu, wonach die Iller dann Hochwasser mitbringt, müsse das Baggern so lange eingestellt werden.

Die voraussichtlich 2500 Lkw-Ladungen kommen auf einen Lagerplatz nach Donaustetten, wo der Kies für die Verwendung im Straßen- und Betonbau aufbereitet wird. „Das Material wird gesiebt in Kiesel mit einem größeren Durchmesser von 16 bis 32 Millimetern und einem kleineren von 8 bis 16 Millimetern“, sagt Alexander Baur, Bauleiter für den gesamten Kiesabbau beim Ulmer Bauunternehmen Heim. Die beiden gröberen Kieskörnungen wandern in den Drainage- oder Betonbau.

Alles, was durchs Sieb fällt, wird im „Brecher“ zerkleinert zu so genannten Edelsplitten. Diese werden wiederum ins Asphaltmischwerk im Donautal gebracht. Warum sind sie edel? „Weil der Illerkies einen hohen Schlagzertrümmerungswert hat, also sehr hart und polierresistent ist“, erklärt Baur. Somit halte der Straßenbelag länger – dank dem sehr hochwertigen Illerkies, den die Natur mitbringt. 

Iller ist ein freundlicher Bergfluss

Der Name Die Iller ist ein rechter Nebenfluss der Donau. Ihr lateinischer Name war Hilaria oder auch Hilara. Die Bezeichnung ist keltischen Ursprungs und stammt von dem Wort ilara für „eilig“; später wurde der lateinische Begriff hilaris, der mit „heiter, freundlich“ übersetzt werden kann, zur Deutung herangezogen. Die Iller ist freundlich, weil sie flussabwärts eben kein wilder Bergfluss ist. 

Die Energie Die gewaltige Wasserführung der Iller von 70,9 Kubikmetern pro Sekunde übertrifft die der Donau deutlich, die am Zusammenfluss nur 53 Kubikmeter pro Sekunde heranführt und damit hydrologisch als Nebenfluss der Iller gelten könnte.

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