Schicksal Obdachlose: Ihr Bett ist die Straße

Das Leben auf der Straße ist hart.
Das Leben auf der Straße ist hart. © Foto: © Roman Bodnarchuk/Shutterstock.com
Barbara Hinzpeter 02.12.2017
Kein Dach über dem Kopf zu haben, bedeutet ganz unten zu sein. Wie schnell das passieren kann, beschreibt die Geschichte von Katharina M.

Katharina M. (Name geändert) hat viel mitgemacht und nicht immer die richtige Entscheidung getroffen. Der „größte Fehler aller Zeiten“ aber, so sagt sie, sei der Einzug in eine Wohngemeinschaft gewesen. Denn die habe sich als Unterkunft für Alkohol- und Drogenabhängige erwiesen. „Da war es dreckig und zugemüllt, das habe ich nicht ausgehalten“, erzählt die 62-Jährige. Sie zog aus und war „draußen“.

Wieder einmal. Das erste Mal war vor vier Jahren gewesen, als sie in Ulm ankam. Die Wohnung an ihrem Heimatort hatte sie sich nicht mehr leisten können. Als sie eine  Darmkrebs-Diagnose erhielt, hängte sie den Job an den Nagel, nachdem sie sich ihren Rentenanspruch hatte ausrechnen lassen. Sie zog zu ihren Eltern, kümmerte sich um die auch an Darmkrebs erkrankte Mutter bis zu deren Tod und den Vater, der nach einem Arbeitsunfall vor Jahren pflegebedürftig wurde. Zusammen mit der Rente des Vaters und kleineren Jobs konnte sich die Familie über Wasser halten.

Das änderte sich mit dem Tod des Vaters. Sie zog aus, weil sie eine Wohnung in Ulm in Aussicht hatte. Dann klappte es doch nicht. Eine Übergangslösung war so schlecht wie die andere, „und mit einer Rente von knapp 700 Euro findest du nur schwer etwas“. Mal hier ein Zimmer, mal da eine Unterkunft und dazwischen „draußen“. Da werde es immer schwieriger. Nicht nur wegen ihres Alters, sondern auch weil es immer weniger sichere Plätze gebe. „Ich bin Gott sei Dank immer gut davongekommen“, sagt sie, die sich stets um andere Wohnungslose kümmert. Denn „wer auf der Straße lebt, hat großen Redebedarf, aber kein Vertrauen“.

Die ständige Angst um das bisschen Hab und Gut ist die eine Seite. Die andere: Niemand müsse hungern. In den Läden, auf dem Markt und in der Stadt erlebe sie auch viel Hilfsbereitschaft. So habe „eine liebe Frau“ sie angesprochen, ihr zunächst ein Pensionszimmer vermittelt, das auch mit einem Zuschuss der Aktion 100 000 und Ulmer helft bezahlt werden konnte. Mittlerweile hat sie dank der Hilfe eine Putzstelle und eine richtige kleine Wohnung gefunden, die sie noch vor Weihnachten beziehen möchte.

Gezielt Wohnungslose unterstützen

Das Problem Die Wohnungslosigkeit und die Dunkelziffer, speziell bei Frauen,  ist groß. Das DRK-Übernachtungsheim und das DRK-Aufnahmehaus bieten je vier Schlafplätze in Ulm. Wer am freien Markt eine Wohnung findet, tue sich schwer, sie einzurichten, sagt Karin Ambacher, Leiterin des DRK-Übernachtungsheims. „Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen, zumal unsere Klienten oft ältere Menschen sind, die etwa ein gutes Bett und eine gute Matratze benötigen.“ Erschwert wird das Einrichten der Wohnung auch deshalb, weil es in Ulm keinen Gebrauchtmöbel-Anbieter mehr gibt.

Direkte Hilfe Wer mit seiner Spende gezielt  Wohnungslosen auf die Sprünge helfen möchte, vermerkt auf der Überweisung das Stichwort „Wohnungslos“.