Ulm IHK: Beim Mindestlohn überwiegt die Kritik

Ulm / SWP 09.04.2015
In einer ersten Bilanz der IHK Ulm nach 100 Tagen Mindestlohn überwiegt Kritik: Firmen fühlten sich verunsichert und beklagten Bürokratie.

Der Mindestlohn sei ein "bürokratisches Ungetüm" und belaste die Unternehmen weit über Gebühr. So lautet das vorläufige Fazit von IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz nach der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro zum Jahresanfang. Demnach sind drei von vier Firmen in der IHK-Region Ulm von der neuen Regelung betroffen. Ein Problem stellen dabei nach Angaben der IHK vor allem die Dokumentationspflichten dar. Nach einer Umfrage der IHK sehen Firmenchefs im Mindestlohn eher Risiko als Chance - vor einem Jahr waren die Statements im Vorfeld ausgeglichen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle kritisiert, dass auch Betriebe, die deutlich mehr als 8,50 Euro Stundenlohn zahlen, unter das Kontroll- und Regelwerk fallen. 77 Prozent der betroffenen Betriebe beklagen demnach Zusatzbelastungen durch die Dokumentation von Arbeitszeiten. Auch bei Minijobbern entstehe häufig ein erhöhter Verwaltungs- und Regelungsaufwand. Jedes zweite Unternehmen sei außerdem von den Regelungen für Praktikanten betroffen. Auch bei der notwendigen Absicherung gegenüber Subunternehmern sei der zusätzliche Aufwand erheblich. Hinzu kämen Unsicherheiten bei der Berechnung von Sachzulagen oder Weihnachtsgeld. Die IHK begrüßt daher, dass der Mindestlohn überprüft wird. Kulitz: "Nun muss die große Koalition in Berlin den Worten aber auch Taten folgen lassen."

Bei vielen Firmen steigen vor allem durch die Dokumentationspflicht die Personalkosten, weniger durch den Mindestlohn selbst: "Zusätzliche Lohnkosten aufgrund der Mindestlohnhöhe von 8,50 Euro je Stunde spielen hingegen eine untergeordnete Rolle", erklärt Sälzle. Es seien hier vor allem kleinere Firmen mit einem hohen Anteil von Mini-Jobbern betroffen. Sie wollten vielfach mit Arbeitsplatzabbau reagieren. Insgesamt wollen 13 Prozent ihre Beschäftigtenzahl reduzieren. Zudem sollen in jedem vierten Betrieb die Praktikantenstellen zurückgefahren werden. Dazu die Einschätzung Sälzles: "Viele Stellen fallen letztlich nur deswegen weg, weil der Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen steht."

Auch mehr als drei Monate nach Einführung des Mindestlohns fühle sich mehr als jedes zweite Unternehmen derzeit nicht ausreichend über die gesetzlichen Vorgaben informiert. Vor allem im Hinblick auf die Dokumentation der Arbeitszeiten und bei der Haftung für Subunternehmer blieben Fragen offen.

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