Bahn ICE-Lokführer verpennt Halt in Neu-Ulm

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Symbolbild © Foto: dpa
Neu-Ulm / Christoph Mayer 12.12.2017
Seit dem Fahrplanwechsel hält täglich einmal ein ICE in Neu-Ulm. Das klappt noch nicht so gut, wie am Dienstag zu sehen war. 50 Passagiere blieben am Bahnsteig zurück.

Was für eine Aufwertung: Seit dem Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn am vergangenen Wochenende ist Neu-Ulm offiziell ICE-Bahnhof. Ein bisschen zumindest. Ein einziges Mal am Tag stoppt unter der Woche um 6.14 Uhr ein Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn im Neu-Ulmer Trog. Der frühmorgendliche ICE 1739 kommt aus Stuttgart  und ersetzt einen bisherigen Pendler-Intercity  Richtung Augsburg und München, fahrplanmäßige Ankunft dort um 7.32 Uhr. Die Bahn lässt sich nicht lumpen. Pendler können mit ihrer IC-Monatskarte fahren und müssen keinen ICE-Aufschlag von 49 Euro bezahlen.  Alles in allem also eine super Sache. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis kommt man, wie Bahnfahrer aus Erfahrung wissen, allerdings nicht umhin, gewisse Abstriche zu machen. So wie jene rund 50 Pendler, die am Dienstag um 6.14 Uhr erwartungsvoll an der Neu-Ulmer Bahnsteigkante standen, erst die weißen Frontlichter und wenige Sekunden später nur noch die roten Rücklichter des ICE  1739 sahen. Das Paradepferd der Deutschen Bahn hatte Neu-Ulm schlichtweg links liegen lassen und „ließ uns frierend und staunend zurück“, wie Klaus Meyer aus Neu-Ulm berichtete. Tumulte seien nicht ausgebrochen, als Bahnfahrer sei man schließlich einiges gewöhnt. „Aber manche haben vor sich hin geschimpft.“

Die Macht der Gewohnheit

Die Vergessenen bestiegen den zehn Minuten später eintreffenden Fugger-Express nach München. Der ist zwar so gut wie immer pünktlich,  kommt aber erst um 8.21 Uhr am Münchner Hauptbahnhof an, weil er zwischen Ulm und der Bayern-Metropole 23 mal hält, sogar in Mindelaltheim mit seinen 527 Einwohnern. 

Bleibt die Frage, was den ICE-Lokführer bewogen hat, an Neu-Ulm vorbeizurauschen. „Er hat den neuen Haltepunkt übersehen“, sagt eine Bahnsprecherin aus München, die sich im Namen ihre Unternehmens für das Malheur entschuldigt. Zwar zeige das Display im Cockpit jeden Haltebahnhof an, eine automatische Bremsung werde aber nicht eingeleitet. Weil ICE bis dato nie in Neu-Ulm gehalten haben, habe beim Lokführer wohl „die Macht der Gewohnheit über den neuen Fahrplan gesiegt“. Man werde alle in Frage kommenden Lokführer deshalb noch einmal darüber unterrichten, dass sie auch in Neu-Ulm halten müssen. „Wir gehen davon aus, dass das ab jetzt klappt.“

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