Ulm Hymnen an den Turm

Klaus Rinkel von der Museumsgesellschaft erbittet Münsterpoesie – rezitiert aber nicht selbst.
Klaus Rinkel von der Museumsgesellschaft erbittet Münsterpoesie – rezitiert aber nicht selbst. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / JAKOB RESCH 07.08.2015
Ist im Jahre 125 seiner Vollendung schon alles gesagt zum Münsterturm? Mitnichten! Die Museumsgesellschaft Ulm legt jetzt nach mit einem Projekt, das noch fehlt zum Jubiläum: Hymnen an den Turm.

Im September werden Münstergedichte rezitiert, die es schon gibt – und die noch geschrieben werden. „Wir freuen uns, wenn die Ulmer die Federn schwingen“, sagt Klaus Rinkel, Vorsitzender der altehrwürdigen Gesellschaft von 1789, manche nennen sie stillos den ältesten Verein der Stadt.

Eine Bürgeraktion also. Damit knüpft Rinkel an die Idee der Turmfeierlichkeiten an. Dekan Ernst-Wilhelm Gohl freut sich als Mitveranstalter: „Der partizipatorische Gedanke des Jubiläums setzt sich fort, aus der Bürgerschaft heraus die Bürgerkirche zu würdigen.“

Das könnte sich so anhören:

„Dr Mensterturm isch onser Stolz/ s’geit koin, wo der net g’fällt/ dr hechste Kirchturm weit und broit/ jo en dr ganza Welt“ (Otto Dinkelacker, Ulmereien, 1972). Oder so: „Wia glitzert jetz im Doanastrom/ Du herrlich Münster, schöaner Dom/ vollendet, ausbaut stahst du dau/Gottlob, daß i’s verleabet hau“ (Sebastian Spundle, Münster-Jubelfest 1890). Oder so: Vollendet ist der Münsterbau, auf seinem Rumpfe altersgrau. . .“ (Festspiel von 1890). Oder so weiter, gern auch modern.

Rinkel kann, wie es sich für den Vorsitzenden einer alten Lesegesellschaft gehört, erstens aus einem eigenen Fundus an Ulm-Literatur schöpfen. Zweitens wird er auf der Suche in dieser Sache noch bei Archivdirektor Michael Wettengel vorstellig. Drittens hofft er, dass die Ulmer was in den Schubladen haben, vielleicht vom letzten Familienfest. Und viertens ist er gespannt, ob aktuelle Beiträge kommen, die im Übrigen nicht hochliterarischen Ansprüchen genügen müssen. Dann wählt eine kleine Runde aus. Schauspielschüler tragen vor. Womöglich erscheint später ein Sammelband.

Der Abend soll kurzweilig sein. Auf langatmige Prosatexte wird verzichtet. Elegien? Eher nicht. Die Museumsgesellschaft, sonst eher unter sich, öffnet dafür am 15. September, 19.30 Uhr, extra ihre Räume in der Oberen Stube in der Neuen Mitte. Herrliche Aussichten. Rinkel: „Wir haben den schönsten Münsterblick von Ulm.“ Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Info Wer Münstergedichte beizutragen hat, kann diese bis 15. August mit Absender und einer Freigabe zur Rezitation an der Münsterpforte zu den Münster-Öffnungszeiten abgeben und wird dann informiert.