Rekorde können auch Schattenseiten haben. Neulich hat die Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH (UNT) einen Rekord bekannt gegeben: Im Jahr 2018 haben mehr als 900 000 Gäste in der Doppelstadt übernachtet. Das Knacken der Millionen-Grenze scheint nur eine Frage der Zeit beziehungsweise der nächsten zwei, drei Jahre zu sein. Ein Baustein des Erfolgs ist: Es gibt in der Doppelstadt  so viele Betten wie nie zuvor: 5535 Betten sind es seit 2018. Zehn Jahre zuvor lag die Zahl noch bei 3554 Betten.

Ulm und Neu-Ulm: Hotel-Ketten nehmen zu

In den vergangenen Jahren haben verstärkt Hotel-Ketten in Ulm und Neu-Ulm Häuser eröffnet. Die Konkurrenz wächst – was zu Lasten kleinerer und inhabergeführter Hotels geht. „Die Ketten-Hotels gewinnen immer mehr Anteile“, sagt Karin Krings, Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Ulm/Alb-Donau. „Lange Zeit waren wir in Ulm bis auf wenige Ausnahmen verschont. Aber jetzt kommen die Ketten von den A- und B-Städten  auch in die C- und D-Städte.“

Die jüngsten Beispiele: Vergangenes Jahr ging das neue Leonardo-Hotel am Blaubeurer Ring mit 148 Zimmern in Betrieb; ebenso das B&B-Hotel am Allgäuer Ring in Neu-Ulm mit 123 Zimmern – und das, obwohl diese Gruppe seit 2013 bereits ein Hotel am Ehinger Tor betreibt.

Neues Hotel an den Sedelhöfen

Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen: Längst schon stehen die Pläne für ein Hotel der Lindner-Gruppe an den künftigen Sedelhöfen, auch andere  Projekte sind im Werden.

„Die Ketten haben andere Möglichkeiten, Standorte zu bewerben“, sagt Krings. Sie ist Chefin des Hotels Goldenes Rad (Neue Mitte) mit 36 Zimmern. Der Druck auf kleinere Betriebe nehme zu – dennoch wollen die sich nicht bange machen lassen. „Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen“, sagen Krings und Oliver Loser vom Hotel Roter Löwe (35 Zimmer). „Wir bieten unseren Gästen persönliche Ansprache; wir sind individuell und nicht normiert; wir können unser Profil schärfen und müssen nicht tun, was eine Zentrale vorgibt.“

Schnäppchen-Preise machen kleinen Hotels zu schaffen

Kritisch sieht Loser die Preispolitik der Hotel-Konzerne, die mit Schnäppchen Kunden anlocken: wenn beispielsweise ein Zimmer am Wochenende nur halb so viel kostet wie unter der Woche. „Wir mit den kleineren Häusern haben eine Schmerzgrenze: Unter einem gewissen Betrag rechnet es sich für uns einfach nicht. Wir belegen nicht um jeden Preis. “ Krings findet, dass bei den Hotelbetten hier inzwischen die „Kapazitätsgrenze erreicht“ ist: „Wir müssen schauen, dass wir die Gäste herkriegen.“

Dennoch sehen die beiden Ulmer Hoteliers gute Chancen für sich  und Gleichgesinnte: „Man muss innovativ und kreativ sein“, sagt Loser weiter. „Jeder muss seine Lücke suchen.“ Das könne beispielsweise über die Gastronomie gehen („wenn man abends noch etwas essen und ein Bier trinken kann, ist es etwas ganz anderes als nur einen Check-in-Automaten zu haben“), über die Betreuung oder den Wellness-Bereich.

Hotels in Ulm: Wer es schwer haben wird

Schwierig werde es allerdings für Betriebe, die „in den letzten Jahren nicht viel gemacht und daher einen Renovierungsstau haben“, räumt Loser ein. „Wer sich in dieser Branche nicht bewegt, hat verloren.“

Für solche Betriebe gibt es laut Karin Krings dann nur die Möglichkeit, sich in Richtung Pension zu entwickeln, wo weniger Dienstleitung gefragt sei. Oder ganz auf schlichte Zimmervermietung umzustellen, beispielsweise für Monteure.

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Freiwilliger Fonds für Werbung


Verband Die Dehoga Ulm/Alb-Donau-Kreis hat rund 300 Mitgliedsbetriebe. Deren Bettenzahl ist allerdings nicht statistisch erfasst.

Initiative 35 Dehoga-Betriebe haben Ende 2017 gemeinsam mit der Ulm/Neu-Ulm Touristik (UNT) einen freiwilligen Tourismus-Fonds gegründet. Der hat die Marke „Zweilandstadt“ entwickelt, deren Werbung gerade anläuft. Ziel ist es, „freizeitorientiertes Klientel“ nach Ulm/Neu-Ulm zu bringen. In anderen Städten wird solche Werbung über eine Bettensteuer finanziert.