Fußball Ulmer Hooligans terrorisieren Zuggäste nach Pokalfinale

Rechtsradikale Hooligans aus Ulm haben nach dem Pokalfinale in Stuttgart im Zug randaliert und Leute terrorisiert.
Rechtsradikale Hooligans aus Ulm haben nach dem Pokalfinale in Stuttgart im Zug randaliert und Leute terrorisiert. © Foto: dpa
Ulm / Ulrike Schleicher 23.05.2018
Rechtsradikale Hooligans aus Ulm haben nach dem Pokalfinale in Stuttgart im Zug randaliert und Leute terrorisiert.

Vier Stunden Angst und Entsetzen. So beschreibt eine 53-jährige Ulmerin eine Zugfahrt am Pfingstmontagabend von Stuttgart nach Ulm. Dort hatten die Spatzen das WFV-Pokalfinale gewonnen.

An die 100 rechtsradikale Hooligans aus Ulm terrorisierten nach dem Pokalfinale des SSV Ulm gegen den TSV Ilshofen Fahrgäste. Sie skandierten antisemitische, schwulen- und frauenfeindliche Parolen und reckten die Arme zum Hitlergruß. „Juden vergasen, Homos an die Wand, Ausländer raus, Sieg Heil, sind nur ein paar Beispiele“, berichtet die Mutter, deren dunkelhäutige Tochter ebenfalls mit im Zug war. Unter den Fahrgästen seien auch ein spanisches Ehepaar und eine südasiatisch aussehende Frau mit ihrem Baby gewesen. „Wir waren alle völlig verängstigt.“

Wie die Verlagsangestellte erzählt, waren die Hooligans am Stuttgarter Hauptbahnhof von Dutzenden Beamten der Bundespolizei in Schach gehalten und zum Zug geleitet worden, der wegen einer Sperrung der Hauptstrecke über Aalen fuhr.

Dort mussten alle Passagiere umsteigen. Die Bahn hatte einen Triebwagen mit drei Waggons bereit gestellt, der nach Ulm fuhr. „Viel zu wenig Platz für so viele Menschen“, sagt die Ulmerin. Menschen drängelten sich in den Waggons, viele standen. Es gab kein Durchkommen mehr. „Wir saßen in der Falle“, sagt sie. Die schwarz gekleideten Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren hätten immer wieder gegen die Scheiben geschlagen, dem Spanier, der sein Frau schützte, Zigarettenrauch ins Gesicht geblasen und rechtsradikale Parolen gegrölt. Die Situation hätte jederzeit eskalieren können, so ihr Eindruck.

Sie verstehe nicht, wieso die Randalierer unbeaufsichtigt im Zug fuhren und die Fahrgäste sich selbst überlassen blieben.  Es sei weder Polizei noch Zugpersonal mitgereist.

Zumindest hätte die Bahn mehr Wagen einsetzen müssen, damit die anderen Fahrgäste hätten ausweichen können, findet sie. Sie frage sich, wie der SSV zu diesen „Fans“ stehe und ob es im Verein entsprechende Initiativen gegen Rechtsradikalismus gebe. „Verein und Mannschaft sollten sich da klar positionieren.“

DB-Regio sei auf das Pokalspiel vorbereitet gewesen, sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage. „Wir arbeiten im Vorfeld von Fußballspielen eng mit der Bundespolizei zusammen.“ Auch in diesem Fall. Ausschreitungen hätten sich durch Steuerung der Fan-Ströme und verbesserte Konzepte reduziert. Dementsprechend seien am Pfingstmontag an den Bahnhöfen in Stuttgart, Aalen und Ulm Polizeikräfte eingesetzt gewesen. Und nicht nur dort: auch im Zug.

Hinsichtlich der Kapazität des Zuges sei ebenfalls vorgesorgt worden. „Wir bedauern, dass das noch nicht ausreichend war.“ Und weiter: „Das Fehlverhalten der Fußballfans war absolut inakzeptabel, wir bitten die davon betroffenen Reisenden um Entschuldigung.“

Grundsätzlich verwehre man notorischen Randalierern die Reise, so der Bahnsprecher weiter. Man sei jedoch hinsichtlich des Fan-Reiseverkehrs auch auf Unterstützung der Vereine angewiesen. Zum Beispiel, indem ein Fanbeauftragter mitfahre.

Nach der vierstündigen Horrorfahrt und der Ankunft in Ulm hoffte die 53-Jährige wenigstens auf Unterstützung der Bundespolizei im Ulmer Hauptbahnhof. Aber als sie einen der diensthabenden Beamten ansprach, habe der nur gesagt: „Wir kennen das Problem, können aber nichts machen.“ Ob und wenn ja wo Bundespolizisten im Zug waren und warum sie nicht einschritten, war bis Mittwochabend nicht zu erfahren. Die Beantwortung der Fragen dauere, hieß es aus Stuttgart.

Die Neuzugänge des SSV Ulm 1846 Fußball:

Verein distanziert sich von diesen Fans

Stadionverbote „Unerklärlich“ findet Thomas Oelmayer vom Vorstand des SSV 46-Fußball die Vorkomnisse  „nach so erfolgreichen Tagen“. Vor knapp vier Jahren hatte er mit Anton Gugelfuß und anderen den Fußballverein übernommen, der immer schon Probleme mit Fans hatte. „Wir haben viel gemacht“, sagt Oelmayer. Im Stadion selbst habe in der soeben zuende gegangenen Saison weitgehend Ruhe geherrscht. Bei Auswärtsspielen allerdings würden die Fans von weither anreisen. Auf diese Gruppen habe der Verein keinen Einfluss. „Das sind nicht nur Fans, die sich in Ulm treffen, die kommen teilweise sogar aus der Schweiz“, sagt Oelmayer. Wenn Namen bekannt seien, handele man nach klaren Richtlinien. In der vorletzten Saison habe es vier Stadionverbote und vier Vereinsausschlüsse gegeben. In der abgelaufenen Saison sei das nicht nötig gewesen. hum    

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