Die boomende Region Ulm braucht nach einer Studie der Industrie- und Handelskammer bis 2035 zehntausende neue Wohnungen. Der Bedarf in der Stadt Ulm ist mit einem erforderlichen Zuwachs um rund 20 Prozent demnach doppelt so hoch wie im Umland. Es sind hier 12 500 zusätzliche Wohneinheiten erforderlich. „Das ist eine erhebliche Hausnummer“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle bei der Präsentation des Gutachtens, das die Kammer beim kommunalen Beratungsunternehmen Imakomm Akademie (Aalen) in Auftrag gegeben hat. Die Veröffentlichung am Mittwoch zeitgleich mit der Wohndebatte im Gemeinderat nannte Sälzle einen Zufall. Die Abstimmung mit Imakomm sei lange im Vorfeld gelaufen.

Sälzle lobte die Anstrengungen des Ulmer Rathauses, das bis 2021 rund 3000 Wohnungen schaffen wolle (siehe nebenstehenden Bericht). Das werde aber vermutlich nicht reichen, weil auch die neue Bahnlinie nach Stuttgart zu einer höheren Nachfrage nach Wohnraum in der Stadt führe: „In Ulm ist die Lage noch angespannter.“ Bei Neuvermietungen betrage die Miete durchschnittlich zehn Euro pro Quadratmeter. Sälzle wies darauf hin, dass Neubauten den Druck auf den Wohnungs-Altbestand verringern und somit das soziale Gleichgewicht bewahren.

Wohnraum für Fachkräfte

Das eigentliche Anliegen der IHK ist freilich, dass die Fachkräfte der Unternehmen ausreichend Wohnraum finden. Mit den Landkreisen Alb-Donau und Biberach brauche die zuzugsstarke Region insgesamt 35 000 zusätzliche Wohnungen. Seit 2014 sind demnach vor Ort 25 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden. Für eine Wohnbau-Offensive seien im ländlichen Raum freilich Bauland und die Mitwirkung von Land und Regierungspräsidium nötig. Die Rathäuser bräuchten ausreichend Personal in den Bauverwaltungen. Sälzle: „Nur so kann man den Flaschenhals beseitigen.“

Julia Bubbel von Imakomm wies auf ein interessantes Phänomen hin: Während es deutschlandweit vielerorts eine Landflucht gibt, legen die Landkreise um Ulm herum weiter zu: „Das hebt sich deutlich vom Trend ab.“

Sälzle führte diese Entwicklung auf die wirtschaftliche Prosperität zurück. Die zentrale Achse auch für den Wohnbedarf läuft von Langenau über Ulm und Laupheim nach Biberach. Der neue Alb-Bahnhof wertet zudem die Alb mit  Laichingen und Merklingen auf.

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