Neu- Ulm Hit auf Hit bis zum letzten Countdown

Kaum noch des Singens mächtig: der chronisch lungenkranke Dan McCafferty (69), die ehemalige Stimme der schottischen Band Nazareth.
Kaum noch des Singens mächtig: der chronisch lungenkranke Dan McCafferty (69), die ehemalige Stimme der schottischen Band Nazareth. © Foto: Lars Schwerdtfeger
CHRISTOPH A. SCHMIDBERGER 18.04.2016
Hits Schlag auf Schlag gab es für die mehr als 2500 Besucher der siebten Auflage der Nostalgieshow "Rock Meets Classic" in der Ratiopharm Arena.

Die persönlichen Vorlieben und Erfahrungshorizonte des Publikums waren wie immer ein guter Gradmesser für die Beliebtheit der jeweiligen Künstler. Einen schweren Stand hatte etwa der 64-jährige Steve Walsh, der jahrzehntelang Keyboarder und Sänger der Progressive-Rock-Pioniere von "Kansas" war. Walsh ist für das deutsche Publikum die Stimme von "Dust in the Wind" und "Carry On My Wayward Son" - und mehr aber auch nicht.

Gitarrist Scott Gorham, der es einfach stark findet, von großem Orchester begleitet zu werden, tat sich da schon wesentlich leichter, gemeinsam mit Sänger Ricky Warwick die Songs von Thin Lizzy zum Leben zu erwecken.

Richtig zur Party wurde das Ganze allerdings erst, als Midge Ure (62) dazustieß und man mit fein abgestimmten Twin Guitars den Klassiker "The Boys Are Back In Town" zu einem denkwürdigen Ereignis verwandelte. Ure war in den 80ern Mitglied der irischen Hardrock-Formation. Später hatte er große Hits mit Ultravox, die auch heute noch mit ihrer ausgefeilten Dramaturgie und Ures scheinbar unverwüstlichen Stimme für bebende Zuschauerreaktionen sorgten. "Hymn" sang, er gelte es das Leben.

Genauso großartig funktionierten die Briten von The Sweet, deren Hits sich wie ein "Ballroom Blitz" ins kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation eingebrannt haben, Doro Peschs Mitgrölnummer "All We Are" und der Powerrock von Headliner Joey Tempest ("Europe"), der natürlich zum Finale mit "The Final Countdown" die Arena bis zur Venus gerockt hat.

Apropos Raketenstart: Das Bohemian Symphony Orchestra - ohnehin der heimliche Superstar der Veranstaltung - profilierte sich mit einer Suite aus "Star Wars" und "Game of Thrones".

Ja, und dann gab es da noch die nachdenklichen und berührenden Momente - etwa den Auftritt des erschreckend abgemagerten und wegen seiner chronischen Lungenerkrankung (COPD) kaum des Singens mächtigen Dan McCafferty (69). Der war mal die Reibeisenstimme von Nazareth gewesen und ist heute ein Mahnmal eines ausschweifenden Lebensstils.