HELGA SCHNELLER  Uhr

Wer im Reihenhausgarten wenig Platz für Blumenbeete hat, neugierige Blicke des Balkonnachbarn aussperren oder einen Maschendrahtzaun natürlich kaschieren möchte, sollte zu einjährigen Kletter- und Rankpflanzen greifen. Wicken, Winden oder Glockenrebe punkten mit vielen Vorzügen: Da sie himmelwärts wachsen, beanspruchen sie wenig Fußraum und gedeihen auch in Töpfen und Kästen.

Die meisten Klettermaxe legen ein rasantes Tempo an den Tag und bilden in der Sommersaison oft meterlange Triebe. Mit Rankgerüsten oder Spalieren die dritte Dimension zu nutzen, gibt dem Garten Struktur und setzt markante Blickpunkte. Und nicht zuletzt schmücken sich die einjährigen Himmelstürmer mit tollen, manchmal auch duftenden Blüten von Juni bis zum Herbst. Die Frage der Überwinterung stellt sich bei den Einjährigen nicht, und es macht Spaß, Zäune, Pergolen oder Mauern jedes Jahr in ein neues Blütenmeer zu verwandeln.

In aller Regel sind die Schlinger und Ranker aus preiswerten Samen leicht anzuziehen. Wicken, Prunkwinde, Sternwinde und Glockenrebe können jetzt im April noch an Ort und Stelle ausgesät werden. Anfang Mai kommen die Samen von Feuerbohnen und Kapuzinerkresse in die Erde. Eine Vliesabdeckung schützt die Saaten vor dem Austrocknen und nächtlicher Kälte. Viele der Blütenpflanzen stammen aus tropischen Gebieten und reagieren empfindlich auf kühle Frühjahrstemperaturen. Vorgezogene Setzlinge blühen durch ihren Wachstumsvorsprung auch besonders früh. In der zweiten Maihälfte, nach den Eisheiligen, dürfen die jungen Klettermaxe an ihren endgültigen Standort im Garten oder auf dem Balkon umziehen. Wer nur wenige Pflänzchen braucht, kann auch einfach Jungpflanzen aus der Gärtnerei holen.

Ganz oben auf der Hitliste der blühenden Senkrechtstarter steht die Schwarzäugige Susanne (Thunbergia alata). An eine schmucke Pyramide gepflanzt, setzt sie mit ihrer leuchtenden Blütenfülle von Juni bis Oktober ein optisches Highlight. Die wärmeliebende Südafrikanerin windet ihre Triebe stets gegen den Uhrzeigersinn. Gerne umschlingt sie auch Laternenpfosten oder lässt ihre Blütentriebe aus einer Blumenampel baumeln.

Neben den klassischen orangen Blüten gibt es auch Züchtungen mit sonnengelben, roten oder rosa Farben, oft auch im bunten Mix. Damit sich die Pflanzen gut verzweigen, zwickt man die oberste Triebspitze der Jungpflanzen aus.

Mit Gute-Laune-Blüten in Sonnenfarben erfreut auch die Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus). Die rankenden Arten bilden lange Triebe und sind ideal zum Verschönern von Zäunen. Kapuzinerkresse ist jedoch nicht nur ein Augen- sondern auch ein Gaumenschmaus, denn Blüten und Blätter sind essbar. Mit ihrem leicht scharfen, kresseartigen Aroma bereichern sie beispielsweise sommerliche Salate. Weiterer Pluspunkt: Von Schnecken bleibt die aromatische Kapuzinerkresse meist verschont.

Nostalgischen Charme und ein betörendes Parfum haben Duftwicken (Lathyrus odoratus) zu bieten. Sie verteilen ihre Triebe gern am niedrigen (Maschendraht-)Zaun zum Nachbarn. In Bauerngärten durften die hübschen Sommerblumen früher nicht fehlen. Ihre grazilen Schmetterlingsblüten leuchten in allen Farben des Regenbogens und eignen sich auch gut zum Schnitt. Da sich Wicken mit feinen Ranken in die Höhe ziehen, brauchen sie eher zierliche Kletterhilfen. An einem Holzspalier muss man die zarten Ranker oft durch Anbinden unterstützen.

Zu den robusten Kletterkünstlern, die an Gerüsten und Gittern mühelos den Weg nach oben finden, zählen Prunk- oder Prachtwinde und Trichterwinde (Ipomoea). Unvergleichlich ist das samtig-intensive Violettblau einer in den Morgenstunden frisch erwachten Prunkwindenblüte. Sorten mit weißen, pinkfarbenen oder gestreiften Blüten sorgen für eine farbenfrohe Ergänzung der blaublütigen Pflanzen. Die Schönheit der großen Trichterblüten ist kurzlebig, denn oft welken sie noch am gleichen Tag dahin. An Seilen, Drähten oder Spalieren schraubt sich die Winde bis zu 3 Meter in die Höhe und bietet durch ihre reiche Blattmasse auch einen guten Sichtschutz. Vorsicht ist vor den kugeligen Fruchtkapseln geboten, die stark giftige Inhaltsstoffe enthalten. Leuchtend hellrote Blüten und schmackhafte Hülsen machen die Feuerbohne zur nützlichen Zierpflanze. Mit rasantem Wachstum sorgt die auch als Prunkbohne oder Türkische Bohne bezeichnete Hülsenfrucht für schnellen Sichtschutz. Besonders dekorativ macht sie sich am Bohnenzelt aus Schnüren oder Stangen. Die Hülsen und Samen können wie übliche Gartenbohnen verwendet werden.

Alle einjährigen Kletterer hegen ähnliche Ansprüche an Standort und Pflege. Sonnig und warm sollte der Platz sein und ein wenig Windschutz bieten. Lockere, nährstoffreiche Erde ist sowohl im Topf wie auch im Garten wichtig. Regelmäßiges Gießen, wöchentliche Flüssigdüngergaben und das Ausputzen verwelkter Blüten sorgen den ganzen Sommer über für unermüdliche Blütenfülle.