Es ist ein Angebot, das den Frauen Zeit gibt. Und ihnen das Gefühl zurückgibt, die Kontrolle über ihr Leben zu haben. Seit 2015 bereits besteht an der Uniklinik Ulm das Angebot für vergewaltigte Frauen, sich dort vertraulich untersuchen zu lassen. Zudem werden sämtliche Spuren professionell gesichert und  für zwei Jahre in der Klinik aufbewahrt. Sie gelten vor Gericht als Beweismittel. Die Untersuchung findet ohne Einbeziehung der Polizei statt. Jetzt starten die Frauenberatungsstelle, der Verein Frauen helfen Frauen und die Uniklinik eine gemeinsame Kampagne mit Flyern und Plakaten, um dieses Angebot so publik wie möglich zu machen. Am Mittwoch wurde die Kampagne vorgestellt.

Nach der Tat unter Schock

„Wer vergewaltigt worden ist, steht unter Schock und kann nicht geradlinig denken“, erklärt Anja Schlumpberger, Geschäftsführerin des Vereins Frauen helfen Frauen. Die Möglichkeit, dennoch die Spuren der Tat vertraulich sichern zu lassen, sei jedoch besonders wichtig. „Die Frauen gewinnen Zeit.“ Zeit, sich zu stabilisieren, Zeit für Gespräche und Unterstützung sowie Zeit nachzudenken, ob sie den Täter anzeigen. „Oft zerstört eine Anzeige das soziale Gefüge der Frauen“, ergänzt Sonja Fröhlich, Sozialpädagogin bei der Frauenberatungsstelle. Etwa dann, wenn der Täter in einer engen Beziehung zum Opfer stehe. Viele nähmen das nicht in Kauf.

Deckenpfronn

Monatlich etwa zwei Frauen

Monatlich kämen etwa zwei Frauen zu dieser vertraulichen Spurensicherung, ist die Erfahrung von Prof. Wolfgang Janni, Direktor der Frauenklinik. Die Opfer würden medizinisch betreut, Verletzungen dokumentiert, DNA-Proben genommen. „Wir leisten Beistand und halten uns an die Schweigepflicht“, sagt er. Die Untersuchung sei ein Türöffner für die Frauen, sagt Oberärztin Annette Handke-Vesely. „Dass die Möglichkeit besteht, danach in aller Ruhe nachzudenken, ist der Zweck.“

Den Frauen zugute komme in Ulm auch die gute Kooperation zwischen dem Verein Frauen helfen Frauen, der Beratungsstelle und der Uni. „Wir vermitteln die Frauen an die richtigen Stellen“, sagt Diana Bayer, Leiterin des Frauenbüros. Die Verzahnung erzeuge Synergieeffekte.

Flyer und Plakate zur Kampagne


Plakate zur Kampagne „Medizinische Hilfe & Spurensicherung nach einer Sexualstraftat“ hängen ab kommendem Montag in Bussen, in Einrichtungen und vielen anderen Plätzen. Auch Flyer werden ausgelegt. Wer welche haben möchte, kann sie im Frauenbüro, Frauenstraße 19, (0731) 161-1061 anfordern.