Ulm Hilfe für besonders belastete Kinder

Ulm / CHIRIN KOLB 27.06.2016
Albtraumhafte Vergangenheit, ungewisse Zukunft – Flüchtlingskinder haben es besonders schwer. Die Caritas nimmt sich ihrer in einem Projekt an.

Sie haben Krieg und Schrecken erlebt, Gewalt, Armut und eine strapaziöse, meist lebensgefährliche Flucht. Dass sie traumatische Erfahrungen gemacht haben, gilt für fast alle Flüchtlinge, besonders aber für Kinder. Die Psychologische Familien- und Lebensberatung der Caritas Ulm hat deshalb im März 2015 ein Projekt für traumatisierte Flüchtlingskinder gestartet. Ein derart spezialisiertes Angebot sei bisher einzigartig in Baden-Württemberg, berichtet Andreas Mattenschlager, der Leiter der Beratungsstelle.

Die Caritas-Mitarbeiter bieten Einzelfallhilfe und eine Gruppe an und sind einen halben Tag pro Woche in der Sammelunterkunft im Mähringer Weg tätig. Die Erfahrung nach einem Jahr beschreibt Mattenschlager so: Die Flüchtlingskinder haben nicht nur eine traumatische Vergangenheit, sondern auch eine äußerst schwierige Gegenwart und eine ungewisse Zukunft.

Das Leben in Sammelunterkünften sei nicht für die Bedürfnisse von Kindern geeignet. Zudem drohe ihnen im fremden Land die Erfahrung, nicht erwünscht zu sein. Die ebenfalls oft traumatisierten oder psychisch kranken Eltern können sich nicht in dem Maß ihren Kindern zuwenden und ihnen Unterstützung geben, wie diese es bräuchten. Oder sie erleben wiederholt, dass Eltern „unter dem Druck der Erinnerungen zusammenbrechen“.

Andererseits hätten die Kinder und Jugendlichen „enorme Ressourcen und einen großen Ehrgeiz, einen guten Platz in unserer Gesellschaft zu finden“. Sie tun sich außerdem oft leichter, Deutsch zu lernen. Dies führe jedoch oft dazu, dass „familiäre Aufgaben, die eigentlich bei Eltern liegen sollten, bei Kindern landen“.

Zu all diesen Belastungen kommt eine eigene Traumatisierung. „Ohne Therapie verlaufen posttraumatische Belastungsstörungen häufig chronisch“, berichtet Mattenschlager. Die Beratungsstelle arbeitet mit dem Behandlungszentrum für Folteropfer zusammen und mit speziell geschulten Dolmetschern. Auch die Kooperation mit anderen Hilfseinrichtungen ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts, das von der Diözese Rottenburg-Stuttgart gefördert wird.

Da der Bedarf viel höher ist als die derzeitigen personellen Ressourcen einer 80-Prozent-Stelle, hofft Mattenschlager auf eine weitere Förderung. Auch das Gruppenangebot könnte dann ausgeweitet werden.