Therapie Hilfe für 70 traumatisierte Flüchtlingskinder

Flüchtlingskinder lernen bei der Caritas: Hilfe ausgebaut
Flüchtlingskinder lernen bei der Caritas: Hilfe ausgebaut © Foto: Anne Hagenmeyer
Ulm/Ehingen / Chirin Kolb 23.08.2017
Die Caritas hat ihre Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen ausgebaut. Der Bedarf wird nicht weniger.

Dank zusätzlicher finanzieller Mittel konnte die Psychologische Paar- und Lebensberatungsstelle der Caritas ihr Projekt zur Therapie minderjähriger Flüchtlinge ausbauen. So wurde beispielsweise die Stelle einer syrischen Psychologin auf 90 Prozent aufgestockt. 70 Kinder und Jugendliche wurden 2016 betreut, die weitaus meisten von ihnen stammen aus Syrien und Afghanistan. 49 der Kinder und Jugendlichen kamen ohne Eltern nach Deutschland: allein oder mit anderen Verwandten.

Neben der oft traumatischen Flucht leiden die Kinder und Jugendlichen unter dem Verlust der Heimat, von Angehörigen und Freunden. Ungewissheit über die Zukunft, Sprachprobleme und gesellschaftliche Veränderungen verstärkten oft die Krisen, berichtet Andreas Mattenschlager, der Leiter der Beratungsstelle. Auch drohende Abschiebungen führten zu Angst und Perspektivlosigkeit. „Erfolgreiche Stabilisierungen und Integrationsbemühungen werden zunichte gemacht, die Symptome von Trauma-Folgestörungen flammen wieder auf.“ Manche der Jugendlichen seien suizidgefährdet.

Arbeit in Schulen und Kitas

Die Caritas kooperiert in dem Projekt mit dem Behandlungszentrum für Folteropfer, aber auch mit Schulen und Kindertagesstätten. Sie seien ein wichtiger Ort für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung. Die Mitarbeiterinnen seien auch gefragt bei wiederkehrenden Problemen in Klassen, etwa durch anhaltende Aggressionen. Zudem bietet die Caritas Erzieherinnen und Lehrkräften Unterstützung im Umgang mit Flüchtlingskindern an.

Außer der Traumatherapie gehe es in der Arbeit häufig um „klassische Leistungen der Erziehungsberatung“, berichtet Mattenschlager. Dazu zählen Unterstützung bei Problemen in der Schule und in Beziehungen. Eingebunden sind auch Eltern und andere Bezugspersonen.

Das Projekt wird finanziert vor allem von der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit insgesamt 89 000 Euro und dem Bundesfamilienministerium mit 40 000 Euro. Zuwendungen kamen außerdem vom Dekanat Ehingen-Ulm und der Ulmer Stiftung Gänseblümchen. Mit zwei Personalstellen sei die Kapazitätsgrenze erreicht, sagt Mattenschlager. Die Wartezeit hat sich mittlerweile auf vier Monate verlängert. „Wir rechnen nicht mit einem Rückgang der Nachfrage in absehbarer Zeit.“ Nach einer Phase des Ankommens wachse bei vielen Menschen die Bereitschaft, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch erfülle sich die Hoffnung nicht, dass sich die Probleme von allein lösen.

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