Die Ulmer Hochschule für Gestaltung, die nur von 1953 bis 1968 lehrte, aber längst ein Mythos ist - ja, sie war auch eine "Nervensäge für die Politiker". Der das sagt, hatte selbst als Student und Dozent zu den "verrückten HfGlern" gehört: Prof. Gui Bonsiepe, Gestalter und Designtheoretiker aus Argentinien. Er war am Freitagabend am historischen Schauplatz, in der Mensa des ehemaligen HfG-Gebäudes auf dem Hochsträß, der Festredner zur Eröffnung der neuen, sehenswerten Dauerausstellung "Hochschule für Gestaltung Ulm - Von der Stunde Null bis 1968".

Auch Oberbürgermeister Ivo Gönner erinnerte an heftige Debatten über die HfG und das "Ulmer Modell", "an die produktiven wie die an destruktiven Kräfte" - aber jetzt habe das HfG-Archiv "einen guten Platz" in der Ulmer Kulturlandschaft. Gui Bonsiepe machte klar: "Museale Verbrämung ist das Letzte, was man sich wünschen würde." Und das hat der Schweizer Gestalter Ruedi Baur mit seinem Team auch gewiss nicht getan. Viel Lob erhielt seine sehr politische "Interpretation" der HfG-Geschichte: dargestellt mit Bildern und Text auf Pappkartons in Regalwänden als erlebbares "Archivmuseum".

Es war am Freitag auf dem Hochsträß natürlich auch ein Veteranentreffen, und der Andrang der Neugierigen war immens. Museumsdirektorin Gabriele Holthuis und HfG-Archivleiter Martin Mäntele zeigten sich als stolze Gastgeber. Und wer Zeit hatte, las sich schon mal fest im ABC-Lexikon der HfG, das Baur aufgeschlagen hat.

Das "offene, intellektuelle Klima" der HfG, von dem Bonsiepe berichtete, die prägende Erfahrung, am "Projekt der Moderne" mitgearbeitet zu haben, der gesellschaftsverändernde, aufklärerische Geist der HfG-Gründer - er wird in dieser Dauerausstellung spürbar. Gui Bonsiepe erzählte nicht nur vom Ruhm der Ulmer HfG in Lateinamerika, er beschwörte auch die Gegenwart: "Wenn es ein Max-Planck-Institut für Gestaltung geben sollte, wäre Ulm und dieses Gebäude ein geeigneter Ort dafür".