Neu-Ulm Hempel Industrie-Vulkanisation ist Spezialist für Gummi-Förderbänder

Firmenchef Roy Hempel (rechts) zeigt OB Gerold Noerenberg das Rohmaterial für die Förderbänder.
Firmenchef Roy Hempel (rechts) zeigt OB Gerold Noerenberg das Rohmaterial für die Förderbänder. © Foto: Oliver Schulz
FRANK KÖNIG 16.09.2016
Wenn auf einer S 21-Baustelle ein Förderband für Steinmaterial reißt, musst rasch Hilfe her. Hempel Industrie-Vulkanisation in Neu-Ulm ist ein Spezialist für solche Gummibänder.

Viele Dinge registriert man nur beiläufig, wie vielleicht an einer irgendeiner Straßenbaustelle ein mobiles Förderband, das den alten Asphalt zum Abtransport auf einen Lastwagen befördert. Was aber passiert, wenn hier das Gummiband reißt, wer kann so etwas reparieren?

In solchen Fällen kommt ein Unternehmen wie Industrie-Vulkanisation Hempel in Neu-Ulm zum Einsatz, das mit einem Montagewagen und einer Presse vor Ort fährt und das Förderband wieder zusammenfügt: mit einem Wärme- oder auch Kaltpressverfahren. Firmenchef Roy Hempel erläuterte das Tätigkeitsfeld beim Besuch von Oberbürgermeister Gerold Noerenberg mit einem simplen Beispiel: Als Fahrradschläuche noch eine größere Anschaffung bedeuteten, gab es eine Reparaturbox mit Klebematerial. Dabei durfte der Schlauch nicht zu nass, aber auch nicht zu trocken sein – und ganz ähnlich funktioniert das Vulkanisieren in größerem Maßstab auch.

Zum Kundenkreis des vor 40 Jahren von Hempels Eltern gegründeten Familienunternehmens (siehe Infokasten) gehören nicht nur Straßenbaufirmen wie Kutter in Memmingen – ein Betrieb, den Hempel nach dem Mauerfall auch in die neuen Bundesländer begleitet hatte.

Dazu kommt die Grundstoffindustrie mit namhaften Unternehmen wie Schwenk Zement oder mit Steinbrüchen, die allesamt lange, gummibeschichtete Förderbänder für den Materialtransport brauchen. In diese Kategorie gehören auch Transportbeton-Hersteller. Hempel betreut außerdem Recycling-Firmen, Sappi-Papier in Ehingen sowie Lebensmittel-Produzenten wie die Milchwerke Schwaben, lediglich einen Steinwurf vom eigenen Firmensitz in der Otto-Renner-Straße in Schwaighofen entfernt.

Bei den Milchwerken mit ihrer erweiterten Käseproduktion hat Hempel auch neue Förderbänder eingebaut, wie sie andere Kunden bei größeren Schäden ebenfalls brauchen. Im Hof des für drei Millionen Euro erstellten Firmengebäudes lagert das Material auf Rollen. Die Gummibänder sind teilweise mit Stahleinlagen verstärkt, so dass sie von Metallschrott oder scharfkantigen Steinen auf einer S 21-Baustelle nicht gleich durchtrennt werden.

Vor allem in Umfeld von S 21 beweist sich die Service-Philosophie von Hempel, mit Einsatzzeiten rund um die Uhr. Weil Lkw an einer solchen komplexen Großbaustelle keinesfalls länger unbeladen herumstehen dürfen, müssen die Monteure in Neu-Ulm bei einem Schaden an den Förderbändern sofort ausrücken.

Die Flexibilität, die Hempel daher von seinen Mitarbeitern verlangen muss, ist ein Hindernis bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter: „Wir suchen dringend Personal.“ Die Industrie biete dagegen geregelte Arbeitszeiten, mit Frühschluss nachmittags. Hempel: „Die Freizeit wird immer wichtiger.“ In einem solchen Umfeld tut er sich schwer, obwohl seine Firma 19 Euro pro Stunde und hohe Zuschläge zahlt. Er hat derzeit acht Monteure an Bord und gibt auch einem anerkannten Flüchtling aus Mali eine Chance, der  einfach mit dem Fahrrad auf das Firmengelände kam und nach Arbeit fragte.

Die Ausbildung läuft ohnehin in erster Linie über praktisches Anlernen. Den Ausbildungsberuf des Vulkaniseurs gibt es zwar auch, aber da geht es vor allem um das Reparieren und Runderneuern von Reifen.

Hempel ist aber nicht nur vor Ort bei den Kunden im Einsatz, sondern produziert in der 1700 Quadratmeter großen Halle in Schwaighofen, auch mit einer modernen CNC-Schneidmaschine, beispielsweise Dichtungen. Ein weiteres Tätigkeitsfeld sind Trichter- und Trommelbeschichtungen. Dabei geht es darum, einerseits bei Industrieanlagen mit Gummi die Lärmbelästigung zu verringern, andererseits durch PVC das Anhaften von Material zu verhindern.

Gründung in Ulm

40 Jahre Hempel Industrie-Vulkanisation wurde 1976 in der Mörikestraße in Ulm gegründet, 1978 erfolgte der Umzug in die Messerschmittstraße nach Neu-Ulm, 2007 in das von Adrian Hochstrasser entworfene Domizil in Schwaighofen. Zwölf Mitarbeiter.