Uni Helmholtz-Institut für Energiespeicherung am Oberen Eselsberg eröffnet

RUDI KÜBLER 02.11.2014
Ulm hat jetzt auch ein Helmholtz-Institut – und zwar eines für Elektrochemische Energiespeicherung. Der 12 Millionen Euro teure Neubau, der rund 100 Wissenschaftlern Platz bietet, ist jetzt eröffnet worden. Mit einem Kommentar von Rudi Kübler

Dass die Forscher, die die Labore und Büros des neuen Helmholtz-Instituts Ulm (HIU) – mit der Adresse Helmholtzstraße 11 – bereits bezogen haben, vor einer großen Aufgabe stehen, dürfte ihnen spätestens beim Festakt auf dem Oberen Eselsberg bewusst geworden sein. Die Politik fordert von ihnen nicht weniger, als „die Speicherprobleme in den Griff zu bekommen, sonst gelingt die Energiewende nicht“, wie es Bundesforschungsministerin Johanna Wanka formulierte. Die Batterieforschung bezeichnete sie als das Zukunftsthema. In der Wissenschaftsstadt seien jetzt modernste Forschungsbedingungen geschaffen worden mit dem Ziel, „bahnbrechende Entwicklungen zu ermöglichen“.

Für das HIU haben sich vier Partner zusammengefunden: das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Uni Ulm, das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Träger der Forschungseinrichtung – der ersten außeruniversitären in Ulm – ist das KIT. Das Ulmer Helmholtz-Institut lediglich eine Außenstelle des KIT? Diese Frage stelle sich nicht, „es kommt vielmehr darauf an, Kompetenzen zusammenzuführen“, sagte KIT-Präsident Prof. Holger Hanselka.

Und das sei vorbildlich gelungen, stellte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer fest. Dass die Uni Ulm in diesem Verbund zum Zuge kam, sei der „weitreichenden und klugen Entscheidung“ der Uni zu verdanken, weiter am Fach Elektrochemie festgehalten zu haben – im Gegensatz zu anderen Universitäten. Große Hoffnungen setzt sie auf die Wissenschaftler, die in diesem 12 Millionen Euro teuren Neubau attraktive Forschungsbedingungen vorfänden, um sowohl „grundlagen- als auch anwendungsorientiert“ zu arbeiten und leistungsfähige sowie langlebige Batterietypen zu entwickeln. „Wir werden noch viele gute Nachrichten aus Ulm hören“, ist sich Bauer sicher.

Uni-Präsident Prof. Karl Joachim Ebeling bezeichnete diesen Tag als „historischen Tag. Ulm ist kein weißer Fleck mehr im Bereich der außeruniversitären Forschungseinrichtungen.“ Wie Bauer so zeigte auch er sich überzeugt, dass das HIU ein Erfolgsmodell wird. „Wir werden eine führende Position in der Batterieforschung einnehmen.“ Und falls in Bälde eine Batterieproduktion entstehen soll, kündigte OB Ivo Gönner auf jeden Fall seine Hilfe an: „Wir haben in der Nähe noch ein Grundstückle.“

Kosten, Architekten, Etat und Forscher

Kosten 12 Millionen Euro kostet das dreigeschossige Gebäude des Helmholtz-Instituts (HIU), das von außen durch seine Aluminiumhaut besticht. Die Kosten teilen sich das Wissenschaftsministerium, die Uni Ulm und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT); die Ausstattung der Speziallabore und Büros schlägt mit 2 Millionen Euro zu Buche. Der Entwurf stammt vom Münchner Architekturbüro Nickl und Partner, errichtet wurde das Gebäude vom Ulmer Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg.

Etat Der Haushalt liegt bei 5,5 Millionen Euro, dazu kommen 3,5 Millionen Euro Drittmittel. Rund 100 Forscher arbeiten am HIU – Chemiker, Physiker, Materialwissenschaftler und Ingenieure, viele stammen aus Indien und China. Laborsprache ist Englisch.

Ein Kommentar von Rudi Kübler: Helmholtz-Institut: Endlich im erlesenen Kreis

Wer hat, dem wird gegeben. Heißt es bei Matthäus. Oder prosaisch ausgedrückt: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.

Dieses Verteilungsprinzip, Matthäus-Effekt genannt, herrscht auch in der deutschen Forschungslandschaft vor: Die vier außeruniversitären Forschungseinrichtungen – Helmholtz-Gemeinschaft, Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft sowie Leibniz-Gemeinschaft – sind fast durch die Bank an den großen Universitäten zu finden. 34 solcher Einrichtungen waren bislang in Baden-Württemberg angesiedelt – in Freiburg und Stuttgart (je 8), in Tübingen und Heidelberg (je 5), in Karlsruhe (4), in Mannheim (3) und sogar in Konstanz (1). Ulm? Fehlanzeige.

Was das heißt, wird beim Blick auf den Etat dieser von Bund und Land finanzierten „Big Four“ deutlich: Sie verfügen in Baden-Württemberg über jährlich knapp 1,4 Milliarden Euro. Von diesem Geldfluss war die Uni Ulm abgeschnitten – mit eklatanten Folgen: Denn Geld geht immer einher mit kreativen Köpfen.

Die Eröffnung des Helmholtz-Instituts Ulm (HIU) bedeutet zwar keine Zeitenwende, die Uni Ulm ist mit dieser Ansiedlung aber im erlesenen Kreis außeruniversitärer Forschung angekommen. Und das mit dem zentralen Thema der Energiewende: der Energiespeicherung. Die Ulmer Wissenschaftler stehen im Fokus, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erwarten Ergebnisse. Jetzt gilt’s.