Ulm Helfer beim Einstein-Marathon: Reale Drucksituation am Gepäcktransport

Die Beutelabgabe 2016.
Die Beutelabgabe 2016. © Foto: Volkmar Könneke
Henri Gallbronner 14.09.2017
Organisation Jugendliche der Friedrich-List-Schule, der Internationalen Schule und der Erbacher Schillerschule sorgen dafür, dass das Gepäck der Sportler ordentlich geliefert wird.

Wenn tausende Sportler durch die Straßen rennen, dann muss bei der Organisation ein Rädchen ins andere greifen. Jeder bekommt eine Tüte, in die er seine Startnummer reinpacken kann. Eine Tüte für die Nummer? Muss sein, denn darin befinden sich kleine Werbegeschenke, die gerne genommen werden. Mini-Duschgel, was für müde Muskeln, Nüsschen, ein Schwamm. Das war zwar auch schon mehr, wie Dauer-Teilnehmer wissen, dennoch sind sie gespannt, was denn dieses Mal drin steckt.

Die Tüten haben aber noch einen zweiten, ganz praktischen Nutzen. Darin können die Sportler alles verpacken, was sie an der Startlinie ablegen und im Ziel wieder haben wollen. Der Transport von der Messe zum Münsterplatz erfordert jede Menge Personal: Schließlich müssen die Beutel entgegengenommen, nach Startnummern sortiert in zwölf Umzugslastwagen verladen und auch wieder an den Mann gebracht werden.

Schulen aus der Region unterstützen

Ein wichtiger Bestandteil dieses logistischen Marathons sind die Schulen aus der Region. Als erste war die Erbacher Schiller-Schule mit ihrer „Saft-und-Kraft“-AG mit an Bord. „Wir sind schon sehr sehr lange dabei“, sagt Schulleiter Karl Nusser, der auch die AG betreut – wie lange genau, das weiß er nicht mehr.

„Wir wollen den Jugendlichen das reale Leben zeigen“, fasst Nusser das Ziel der Schülerfirma zusammen. So was, wie der Gepäcktransport beim Einstein-Marathon, gehört auch dazu, ist aber nicht das einzige Projekt der AG, die aus der gesamten zehnten Klasse besteht – dieses Jahr sind das 20 Schüler. Bei anderen Veranstaltungen übernimmt man das Catering, auch in der Schulmensa sorgt man für Abwechslung: „Wir kochen einmal die Woche für die Schüler“, erzählt Karl Nusser. Dazu wird Apfelsaft aus eigener Herstellung ausgeschenkt.

Am Sonntag beginnt der Arbeitstag für die Schüler um acht Uhr morgens. Die größte Herausforderung sei der Druck, der größer wird, je näher der Start rückt. „Man muss sehr schnell und sehr sorgfältig arbeiten“, sagt Nusser. Da die Sportler nicht zu früh die wärmende Kleidung loswerden wollen, kommen Hunderte auf einmal.

„Da gibt’s dann auch mal einen Zahlendreher“, sagt Nusser lachend. Wenn die Nummer 3455 aber bei 3545 eingeordnet ist, findet man das Säckchen im Ziel nicht so einfach wieder. Und dann ist die Aufregung groß. Auch die Witterung könne zum Problem werden, da wesentlich mehr Gepäck anfalle, wenn es kühler ist.

Angeschnauzt wird man durchaus auch mal, wobei die Schüler vor allem dazu angehalten sind, sich genau an die Regeln zu halten. Zum Beispiel ist es wichtig, dass keine fremden Taschen verwendet werden, sondern nur die offiziellen Kleidersäcke. Das dient der Ordnung und der Sicherheit.

Zeit zum Durchatmen gibt es auch nach dem Start nicht. Der eine Lastwagen mit den Inliner- und Handbiker-Tüten fährt quasi direkt zum Ziel in der Neuen Straße durch, der Marathon-Lkw kann sich Zeit lassen. Aber bis die ersten Halbmarathon-Läufer ins Ziel kommen, bleiben etwa anderthalb Stunden Zeit. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl – gut 5000 laufen in diesem Jahr mit – bedeutet diese Disziplin für das Transportteam den größten Aufwand. In einer Kolonne fahren die blauen Hagmann-Laster zu ihrem Zielgebiet, stellen sich säuberlich auf. Die Schilder mit den Nummern werden rausgehängt. Wenn dann die ersten erschöpften Läufer kommen, muss es wieder schnell gehen – damit keiner lange verschwitzt herumstehen muss.

Der Alptraum ist, wenn etwas nicht sofort gefunden wird. Einmal wurde ein Schüler sogar des Diebstahls bezichtigt. Der Verdacht konnte ausgeräumt werden.

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