Neu-Ulm / HENRI GALLBRONNER  Uhr
Helferkreise aus dem Landkreis Neu-Ulm sammeln Hilfsgüter für Lager auf Lesbos. Die Bellenbergerin Sylvia Rohrhirsch war bereits vor Ort.

Seit der Schließung der Balkanroute verschwindet die Flüchtlingskrise immer mehr aus den täglichen Nachrichten. Da kann man schon mal vergessen, dass im Süden Europas immer noch Tausende auf Asyl und damit auf einen Neuanfang hoffen. Der Brand vor mehr als zwei Wochen im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos rückte die Situation in den sogenannten Hotspots für kurze wieder einmal in den Fokus der Öffentlichkeit. „Die Helfer selbst wurden von Rechtsradikalen Griechen in dieser Nacht angegriffen und verletzt“, weiß Sylvia Rohrhirsch, die Moria Ende August, also noch vor dem folgenschweren Brand, für vier Tage besucht hat.

 Sie ist  zusammen mit Martina Magel im Namen der ehrenamtlichen Asyl-Helferkreise des Landkreises Neu-Ulm nach Lesbos gereist und hat sich vor Ort ein Bild verschafft, wie es dort aussieht. Dies ist die Grundlage für die Entscheidung, ob und wie die Arbeit der dortigen Helfer gefördert werden kann.

Fotoverbot im Lager

Ursprünglich wollten die Helferkreise die Flüchtlinge in Idomeni unterstützen helfen, „vor allem auch um ein Zeichen zu setzen, dass auch dort die Leute Hilfe brauchen“, sagt Sylvia Rohrhirsch. An diesem Grund-Gedanken wurde auch festgehalten, nach dem das Lager Idomeni geräumt worden war. Nur galt es eben eine andere lohnenswerte Adresse für den Einsatz der Neu-Ulmer zu finden.

Die Bellenbergerin Rohrhirsch, die über eine 16-jährige Erfahrung im Bereich der Auslandshilfe verfügt, stellte über Humedica den Kontakt zur Schweizer Hilfsorganisation Remar her, die die Flüchtlinge auf Lesbos mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern versorgt.

Die Zustände im Lager beschreibt sie als katastrophal: Ausgelegt ist es für 3500 Personen, tatsächlich befinden sich dort aber derzeit etwa 5000 Leute. Ganz genau weiß das niemand. „Die stehen stundenlang für warmes Essen an und bekommen auch nur an diesen Stellen ihr Trinkwasser“, berichtet Sylvia Rohrhirsch. Diejenigen, die keinen Platz in den vom Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereitgestellten Zelten fänden, übernachteten in kleinen Kuppelzelten, die dicht gedrängt dazwischen stünden, erzählt sie weiter.

Fotografieren durfte Sylvia Rohrhirsch in dem vom Militär geführten Lager nicht. Denn Moria ähnle insgesamt einem Hochsicherheitstrakt. Katagoria, ein weiteres Flüchtlingslager auf Lesbos, das ebenfalls von den Schweizern von Remar versorgt wird, sei dagegen deutlich besser geführt, da es in der Hand von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) sei.

Ganz konkrete Hilfe, die auch ankommt – dies ist das Ziel der nun angelaufenen Spendenaktion. Am 14. und 15. Oktober können an sechs Sammelstellen im gesamten Landkreis Neu-Ulm Lebensmittel abgegeben werden. Sofern genug Platz ist, alle Pakete zu transportieren. Geldspenden sind jedoch für die Helfer praktischer, da von diesen Großgebinde gekauft werden können. „Bei 5000 Leuten, kann man ja nicht anfangen Reispäckchen aufzureißen“, meint Sylvia Rohrhirsch. 150 Kilo Reis werden in Moria nämlich täglich benötigt, um die Menschen satt zu bekommen.

Dass die Spenden auch ankommen, sei sichergestellt: Die Helfer aus der Region kaufen die Lebensmittel selbst ein. „Wenn eine Hilfslieferung ankommt, wird immer jemand von uns unten sein“, versichert Sylvia Rohrhirsch. Die Helferkreise werden inzwischen von weiteren Organisationen und Sponsoren in ihren Bemühungen unterstützt, darunter Kirchengemeinden, die Diakonie Neu-Ulm und DITIB Illertissen. Abschluss der Aktion ist am 24. Oktober.

Sylvia Rohrhirsch hat in ihrer langjährigen Tätigkeit schon viele Flüchtlingslager gesehen. Unter anderem war sie in Burkina Faso und im kenianischen Dadaab, dem größten Flüchtlingslager der Welt. Um so entsetzter ist sie über die Zustände auf Lesbos. „Wenn man das sieht, das ist eine Schande“, meint sie. Ein Ende der Flüchtlingskrise ist für Sylvia Rohrhirsch nur durch die Bekämpfung der Ursachen möglich: „Wenn die Weltpolitik sich nicht ändert, wird sich auch an der Lage der Flüchtlinge nichts ändern.“ Deshalb soll im Kleinen angefangen werden.

Was wird gebraucht und wo?

Geldspenden Das Spendenkonto der Elchinger Bürgerhilfe ist bei der VR-Bank Langenau-Ulmer Alb. IBAN: DE70 6306 1486 0005 0000 09, BIC: GENODES1LBK Stichwort „Lesboshilfe“

Lebensmittel Falls Platz ist, können Spendenpakete mitgenommen werden. Allerdings nur bestimmte Lebensmittel in festgelegten Mengen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum muss mindestens April 2017 sein, sie müssen originalverpackt und in Taschen angeliefert werden.

Größen 1 Gebinde (10-12 Stück) Obstsäfte (Orange, Apfel) in 200-250 ml Tetrapacks, 2 kg rote und/oder schwarze Linsen, 2 kg Kichererbsen, 1 kg große Dose Gemüse, 500 g löslicher Instantkaffee mit Koffein, 1 vakuumverpackte Großpackung Croissants ohne Füllung.

Abgabetermine 14. Oktober, 14-18 Uhr und 15.Oktober, 9-13 Uhr, an den Sammelstellen: Ditib Illertissen (Dietenheimer Straße 28), Martinushaus Pfaffenhofen (Hermann-Köhl-Straße 7), Pfarrstadel  St. Johann Baptist Straß (Ilgstraße 13), Kleiderkammer Weißenhorn (Hauptplatz 1), Hochschule Neu-Ulm (Wileystr. 1), Elchinger Kleidertruhe (Fackelberg 1). Nähere Infos: lesboshilfe.nu@gmail.com