Fasnet Haute Couture des Karnevals bei den Pfuhler Seejockeln

Der Tanz der Kindergarde der Seejockel war nur einer der vielen und vielseitigen Programmpunkte der Prunksitzung.
Der Tanz der Kindergarde der Seejockel war nur einer der vielen und vielseitigen Programmpunkte der Prunksitzung. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / Lisa Maria Sporrer 29.01.2017

Gruselig ging es zu bei der Prunksitzung der Pfuhler Karnevalsgesellschaft Seejockel – im positiven Sinn. Immer wieder musste Lothar Beck, frisch pensionierter Valckenburg-Schulleiter und bekannt als Freund der Kleinkunst, während seiner Bütt zur Schnapsflasche greifen. „Darauf einen Noerenberg, kernig, kräftig und bitter im Abgang“, kommentierte er sein Schluckspecht-Gehabe in Richtung des Oberbürgermeisters und schob hinterher: „Der guckt ja immer so, wie ein Magenbitter schmeckt.“

Der „neue Neu-Ulmer“, wie er sich bezeichnete, unterhielt die gut 400 Gäste mit Geschichten über Kleider, die nicht über Frauen passen, und bezeichnete den Baumarkt als das „Reservat des männlichen Seins“. Selbst der Papst hätte das schon erkannt mit seinem Segen: „Urbi et Obi“.

Es gab Tüllkleidchen in allen Farben, schwäbische- und nachdenkliche Comedy und den Tusch im zahllosen Plural: In der liebevoll geschmückten und feierlich hergerichteten Seehalle tanzten am Samstag in Pfuhl nicht nur die Gruppen der gastgebenden Seejockel über die Bühne. „Wir holen uns als Pep natürlich auch andere Top Acts zu unserer Prunksitzung“, sagte Oliver Fütterer, Elferrats-Vorsitzender.

So hupte sich der „Frankenhuper“ Markus Schüler, bekannt aus der Sendung „Fasnacht in Franken“ in die Herzen der Karnevalisten; die „Double Drums“, ein preisgekröntes Percussion-Duo, entfachte auf Gongs, Trommeln und auch mit Akkubohrern und Eimern ein wahres Rhythmusfeuerwerk; und die „Bronnweiler Weiber“ sorgten für Lacher mit deftigen Sprüchen in Mundart. „Man muss den Leuten ja schließlich was bieten“, sagte Fütterer, der Beate Merk als „Haute Couture aus Pfuhl“ bezeichnete.

Die bayerische Europaministerin aus Pfuhl bewies, dass eine Bütt nicht unbedingt witzig, sondern auch nachdenklich stimmen kann: „Die Büttenrede ist nicht nur Spaß, sie greift auch Ernst auf, Leid und Hass.“ Die Welt- und bundespolitischen Ereignisse, die Merk literarisch und in Versform verarbeitete, blieben aber an dem Abend die einzigen nachdenklichen Momente. Denn hauptsächlich bot sich dem Betrachterauge ein sehr dynamisches Bild.

Für jeden etwas

Den Anfang machte die Kindergarde, gefolgt vom Tanzmariechen Anna Föster. Die Jugendgarde tanzte als Zombies gemäß dem Motto des Abends „ein närrisches Gruselkabinett“ über die Bühne, und auch die Venezianer, die Prinzengarde, die Seegeister und die Elferräte begeisterten mit ihren thematischen Choreografien. Unter den Augen des befreundeten Unterelchinger Carnevalsvereins UECV, die ebenfalls zur kurzweiligen Unterhaltung des fünfstündigen Programms beitrugen, führte auch die eigens zu den Prunksitzungen zusammenkommende Theatergruppe „die Unentbehrlichen“ ein spannendes, teils episches und mit aufwendigen Kostümen ansehnliches Stück auf, das aus der Feder von Veronika Probst und Nora Rothfuchs stammte.

Wie sagte Beate Merk? „Doch ist es wie so oft im Leben: Man kann nicht allen alles geben.“ Genau das sei der Anspruch, sagte die Präsidentin der Karnevalsgesellschaft Ines Emci: „Es ist für jeden etwas dabei. Sein Highlight muss aber jeder für sich selber wählen.“

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