„Anschlussunterbringung von Flüchtlingen“ – so heißt es im behördlichen Jargon dann, wenn Asylbewerber oder Flüchtlinge nach 18 Monaten die Stätte ihrer ersten Unterbringung verlassen müssen. Der bekannteste Ort für solche Erstunterbringungen in Ulm ist das Flüchtlingswohnheim in der Römerstraße auf dem Kuhberg. Weitere solcher Unterkünfte hat der Gemeinderat auf den Weg gebracht oder sind wie in Wiblingen teils in umstrittener Diskussion.

Auf der heute noch als Parkplatz genutzten Fläche beim Westbad, gegenüber dem Parkhaus Moltkestraße, baut die städtische UWS hingegen ein Wohnhaus für solche Flüchtlinge, über deren Bleiberecht noch nicht entschieden ist, die aber ihre Erstunterkunft nach 18 Monaten verlassen müssen. Dr. Frank Pinsler, Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft UWS, erläutert: In dem fünfgeschossigen Baukörper sollen 20 Wohnungen entstehen, die den besonderen Bedürfnissen von Flüchtlingen, ob allein oder als Familie, in Bezug auf Betreuungsaufwand und Zentralität Rechnung tragen. Im Erdgeschoss ist Platz für Büroräume der städtischen Sozial- und Bildungsverwaltung.

Vorangegangen sind Beschlüsse der zuständigen Ausschüsse des Gemeinderates über neue Standorte zur Unterbringung von Flüchtlingen. Im März 2015 wurde das Projekt Flüchtlingswohnungen in der Moltkestraße den Bürgern der Weststadt vorgestellt. Teile der dort vorgebrachten Anregungen sind laut Pinsler eingeflossen in den Bebauungsplan, der ebenfalls noch im März auf den Weg gebracht worden ist. Insbesondere sollen die wegfallenden Parkplätze am Westbad entlang der Moltkestraße wieder angelegt werden.

Parallel dazu hat die UWS ein Gutachterverfahren organisiert, zu dem sechs Büros aus Ulm, Neu-Ulm und Stuttgart eingeladen waren. Neben der Funktionalität der Grundrisse und einer kostensparenden Bauweise – genaue Investitionskosten stehen noch nicht fest, werden sich laut Pinsler aber im einstelligen Millionenbereich bewegen – seien eine gute Entwurfsqualität und Fassadengestaltung sowie attraktive Wohnungsgrundrisse von besonderer Bedeutung gewesen.

Der Jury gehörten die Bürgermeister Iris Mann und Tim von Winning an, außerdem Stadträte aus allen im UWS-Aufsichtsrat vertretenen Fraktionen, zudem Pinsler, Chefstadtplaner Volker Jescheck und Architekt Peter Eisenlauer aus München als externer Juror. Die Entscheidung wurde nach intensiven Diskussionen mit großer Mehrheit gefasst. „Der Entwurf des Büros Obermeier + Traub aus Ulm konnte die Anforderungen am besten erfüllen“, teilt Pinsler mit. „Dieses Gebäude wird einen Beitrag leisten, Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und länger bei uns bleiben, in unsere Gesellschaft zu integrieren.“

Die Planungen werden nun parallel zum Bebauungsplanverfahren weiterentwickelt. Baubeginn soll Anfang 2016 sein.

 

Pläne werden vorgestellt

Information
Die UWS stellt der Nachbarschaft den Entwurf für das Flüchtlingswohnhaus am Dienstag vor. Die Infoveranstaltung im Weststadthaus fängt um 18 Uhr an. Alle sechs Beiträge des Gutachterverfahrens sind dort vom 21. bis 24. Juli im Foyer ausgestellt (zu sehen jeweils von 14 bis 18 Uhr).