Ulm Hanf-Marsch: Ulmer demonstrieren für die Legalisierung von Cannabis

Ulm / Bianca Frieß 07.05.2016
Hanf soll legal werden – das fordern die Demonstranten, die am Samstag durch Ulm zogen. Viele Passanten reagierten amüsiert, einige auch verärgert.

Der Ulmer Spatz reihte sich vorne in den Hanf-Marsch mit ein, getragen von zwei Demonstranten. Der Spatz ist passend im Hanf-Design gestaltet: Schwarz lackiert und mit grünen und roten Cannabis-Blättern verziert. Begleitet wird er von lauter Musik, Pfiffen und Schreien. Dazu gibt es große Banner, mit Aufschriften wie „Deutscher Staat, erlaubt die Saat“.

Die Demonstranten auf dem vierten Hanf-Marsch in Ulm ließen sich einiges einfallen, um ihre Botschaft an die Leute zu bringen. Und die lautet: Hanf soll legalisiert werden. „Wir wollen heute ein Zeichen setzen, dass diese Pflanze zu uns gehört“, sagt Torsten Hergesell von den Hanffreunden Ulm, der die Demonstration mit seinem Team organisierte, im Rahmen des Welt-Hanf-Marsches. Seit Tausenden von Jahren nutze der Mensch die Hanfpflanze, berichtet er: „Man kann alles daraus machen: Kleidung, Papier, Dämmmaterial.“

Sein Fokus liegt aber auf dem medizinischen Nutzen von Hanf: „Die Patienten sollen versorgt werden“, fordert er. Besonders für Schmerzpatienten kann Hanf eine Erleichterung bringen. Momentan ist allerdings hoher Verwaltungsaufwand nötig, um an Hanf zu gelangen. Außerdem müssen die Patienten die Kosten von ungefähr 15 Euro pro Gramm selbst zahlen. „Da sagen viele: Ich krieg das beim Dealer am Bahnhof günstiger“, sagt Hergesell.

Das unterstützen auch einige Patienten, die beim Hanf-Marsch mitliefen. Zum Beispiel ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Seit einem schweren Motorradunfall ist er Schmerzpatient, er muss ständig starke Schmerzmittel nehmen. „Und die haben viele Nebenwirkungen – die hat Cannabis nicht“, sagt er. Er hat Hanf als Alternative schon ausprobiert: „Ich komme dann mit 50 Prozent weniger Morphium aus.“

Insgesamt waren beim Hanf-Marsch etwa 300 Leute mit dabei, schätzt Stefan Oberdorfer, Betreiber des „Hanflagers“, das die Demonstration unterstützt. Darunter waren viele junge Menschen, barfuß und mit Rastalocken. Aber auch Kinder halten Schilder in den Händen. Ganz vorn fährt ein 8-jähriger Junge auf einem Roller, der mit Hanf-Blättern verziert ist. Er hat ein Megafon in der Hand und schreit Dinge wie „Wenn ihr Kinder habt, erzieht sie mit Hanf“ oder „Hanf ist das beste Medikament, das ich kenne“.

Viele Passanten blieben stehen und betrachteten die Demonstranten. „Exoten“, kommentiert eine Frau den Zug. Die meisten lachen, zücken ihr Handy und schießen Fotos. Einige schütteln aber auch verärgert den Kopf. „Das wird ja immer besser “, sagt ein Mann ironisch.

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