Handwerk Handwerk: Betriebe sind ausgelastet

Ulm / JULIA KLING 12.09.2016
In Zeiten vieler Baustellen ist es nicht immer einfach einen Handwerker zu finden. Das ist aber kein lokales Problem, sondern hat andere Ursachen .

Es wird gebaut in Ulm. Egal, ob im öffentlichen Raum wie etwa rund um den Hauptbahnhof, im privaten Bereich – in den Neubaugebieten etwa in Lehr und Böfingen, oder entlang der Autobahn Richtung Stuttgart. Für lokale Handwerksbetriebe ein Traum, für denjenigen, der schnell fünf gebrochene Dachplatten von einem Dachdecker austauschen lassen will oder eine Mauer von einem Handwerker verputzen lassen will, weniger. Das Gefühl kommt zumindest bei vielen Ulmern derzeit auf.

Das Gefühl trügt die Betroffenen wohl nicht. Viele Handwerksbetriebe in der Baubranche arbeiten momentan an ihrer Kapazitätsgrenze. „Das ist aber kein spezielles Problem in Ulm“, erklärt Thomas Jung, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ulm. Für die Handwerker in ganz Baden-Württemberg sei die Auftragslage gerade sehr zufriedenstellend, sie seien gut ausgelastet. Was im Umkehrschluss bedeutet: die Auftragsbücher sind voll und die Kunden müssen auch mal länger auf einen Termin warten. Die zahlreichen Baustellen in Ulm sind laut Jung nicht das Problem. Dass gerade das Baugewerbe derzeit viele Aufträge hat, habe andere Gründe, wie Jung erklärt. Er macht vor allem den Nachfrageschub und Handwerkermangel als Gründe aus.

„Bedingt durch die Zinspolitik renovieren momentan viele Leute ihr Zuhause oder investieren in Beton-Gold.“ Zusätzlich fehlten dem Handwerk aufgrund der Frühverrentung, der Rente mit 63, und fehlendem Nachwuchs Fachkräfte. „So sind längere Wartezeiten in ganz Baden-Württemberg möglich.“ Wie lange das bei dem jeweiligen Betrieb letztendlich ist, lasse sich nicht sagen. „Das hängt vom Gewerk und dem jeweiligen Betrieb ab“, erklärt Jung. Vorlaufzeiten von ein paar Wochen seien aber normal und müssten vom Kunden eingeplant werden.

In Ulm ist es Jung zufolge sogar noch einfacher, einen Handwerker zu bekommen, als auf dem Land. „Ulm ist eine Großstadt, die eine gewisse Sogwirkung auf die Region hat.“ Das heißt, Handwerksbetriebe aus dem Umland nehmen auch Aufträge in der Stadt an und fangen damit die höhere Nachfrage ab. „So dürften sich Angebot und Nachfrage in etwa ausgleichen.“

Es könne aber natürlich sein, dass ein Handwerker, der mehrere große Aufträge an der Hand hat, die Reparatur von „ein paar gebrochenen Dachziegeln“ ablehnt. „Wenn sich aber jemand mit einem Notfall meldet, der bereits Kunde bei dem Handwerksbetrieb war, kann ich mir nicht vorstellen, dass er ihn ablehnt“, ist sich Jung sicher.

Weniger offene Ausbildungsstellen

Rückgang Im Bereich der Handwerkskammer Ulm ist zu Beginn dieses Ausbildungsjahres die Zahl der unbesetzten Lehrstellen erstmals seit langem wieder gesunken. Nachdem zum Ausbildungsbeginn 2015 die Anzahl der offenen Lehrstellen erstmals die 1000 überstieg, sind zum jetzigen Zeitpunkt noch 950 Stellen unbesetzt. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, Tobias Mehlich, führt das auf das vielfältige Engagement der Ausbildungsbetriebe zurück, die gemeinsam mit der Kammer aktiv sind.

Zahlen Im Stadtkreis Ulm blieb die Zahl der offenen Lehrstellen mit 97 (Vorjahr 98) konstant. Im Alb-Donau-Kreis suchten zu Beginn des Ausbildungsjahres Handwerksbetriebe noch 113 Azubis. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt noch 137.

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