Ulm Handwerk stabiler Faktor

Tobias Mehlich: Das Handwerk schaut optimistisch in die Zukunft.
Tobias Mehlich: Das Handwerk schaut optimistisch in die Zukunft.
FRANK KÖNIG 08.08.2012
Die Auftragsbücher im Handwerk sind weiter prall gefüllt. In Ulm und im Alb-Donau-Kreis reichen die Aufträge vielfach für drei Monate oder länger. Die Zukunftserwartungen lassen allerdings bereits nach.

Der groß angelegte Personalabbau bei regionalen Unternehmen wie Schlecker, Centrotherm, Nokia, Evobus und Iveco lässt das Handwerk unbeeindruckt. Zwar gingen die geschäftlichen Erwartungen der Betriebe im Einzugsgebiet der Ulmer Handwerkskammer im zweiten Quartal leicht zurück. Die Auslastung hat jedoch im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum zugenommen. Fast die Hälfte der Handwerksfirmen zwischen Ostalb und Bodensee können nun ihre Kapazitäten zwischen 80 und 100 Prozent auslasten. Dazu Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich: "Die Auftragsbücher sind zumeist gut gefüllt." Und Mehlich weiter: "Das regionale Handwerk hat allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen."

Bei mehr als einem Drittel der Handwerksunternehmen in Ulm und im Alb-Donau-Kreis reicht der Auftragsbestand derzeit sogar für drei Monate oder länger. Daher sei die Auftragslage trotz einer leichten konjunkturellen Abkühlung stabil, berichtet Thomas Jung von der Kreishandwerkerschaft Ulm: "Wir profitieren weiter vom schwunghaften Jahresbeginn und nehmen diesen Optimismus mit." Zwei Drittel der Betriebe rechnen auch künftig mit einer guten Auftragslage. Beim Auftragseingang für das dritte Quartal rechnen immerhin 90 Prozent mit steigenden oder mindestens gleichbleibenden Bestellungen.

Für Mehlich kommt es mit Blick auf die nächsten Monate vor allem darauf an, dass sich die Binnenkonjunktur wieder verbessert und es Deutschland gelingt, die Wirtschaft möglichst von der Schuldenkrise im Euro-Raum abzuschirmen. Eine lediglich vorübergehende Abschwächung der Konjunktur könne in vielen regionalen Betrieben dazu genutzt werden, um aufgestaute Kundenaufträge abzuarbeiten.

Die Geschäftserwartungen im Kammerbezirk haben zuletzt etwas nachgelassen. Nachdem im Frühjahr 2011 fast 70 Prozent der befragten Handwerker zuversichtlich in die Zukunft geblickt hatten, waren es zwischen April und Juni 2012 nur noch 63 Prozent. Die Umsätze sind dagegen vergleichbar: Die Zunahme lag jeweils bei etwa 42 Prozent, der Rückgang bei 14 Prozent. Die Umsätze haben sich seit dem ersten Quartal verbessert. Von Januar bis März musste mehr als ein Drittel der Betriebe sinkende Einnahmen verbuchen. Aus Sicht der Kammer bleibt es spannend, inwieweit die günstige positive Entwicklung bei den Umsätzen anhält. Fast jeder dritte Betrieb rechnet mit einem weiteren Anstieg der Erlöse.

Die Handwerkskammer Schwaben ( Augsburg), die auch für die Region Neu-Ulm zuständig ist, berichtet von unveränderter Zuversicht in den Betrieben. Vor allem das Bau- und Ausbau-Handwerk befinde sich im Höhenflug, Die Auftragsbücher seien prall gefüllt, auch hier rechnet jedes dritte Handwerksunternehmen mit zunehmendem Umsätzen. Man schätze die Aussichten für die kommenden Monate zuversichtlich ein, obwohl die Firmen davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Dynamik nachlässt.

Vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe übersteigt der Anteil der positiven Stimmen in Bayerisch-Schwaben die 90-Prozent-Marke. Das Lebensmittelhandwerk und Kfz-Gewerbe melden ähnlich hohe Zufriedenheitswerte. Die Handwerker bräuchten jedoch Wachstumsimpulse, fordert Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner. Deshalb müsse vorrangig die Hängepartie um die steuerliche Förderung energetischer Maßnahmen bei der Gebäudesanierung beendet werden.