Gesundheit Handwerk leidet unter der Bürokratisierung

Beim Besuchstermin: (von links) Orthopädietechniker-Meister Dietmar Graf, SPD-Bundestagsabgeordnete Hildegard Mattheis, Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer, und Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.
Beim Besuchstermin: (von links) Orthopädietechniker-Meister Dietmar Graf, SPD-Bundestagsabgeordnete Hildegard Mattheis, Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer, und Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Tina Lischka 13.03.2018
Beim Besuch der Handwerkskammer im Orthopädie-Betrieb Römer & Graf wurde über Entwicklungen, Fachkräfte und Probleme gesprochen.

Der Geruch von Plastik liegt in der Luft, Rollatoren stehen auf den Fluren und Gipsmodelle liegen auf den Arbeitsplatten. Im Orthopädie-Betrieb Römer & Graf in Ulm-Jungingen ist die Palette an Produkten und Leistungen breit gefächert. Davon konnten sich jetzt bei ihrem monatlichen Betriebsbesuch Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Kammerpräsident Joachim Krimmer und die Ulmer SPD-Bundestagsabgeordnete Hildegard Mattheis, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, überzeugen.

Seit 1997 existiert der Betrieb, der von Dietmar Graf geleitet wird. Er ist Orthopädietechniker-Meister und zeigte beim Rundgang durch sein Unternehmen, wie vielfältig der Beruf sein kann. Von Einlagen über Bandagen bis hin zu Prothesen wird in Jungingen alles hergestellt. Hinzu kommt die Rehabilitationstechnik. Rollstühle und Pflegebetten werden hier zwar nicht gefertigt, aber von Graf und seinen zehn Mitarbeitern individuell auf jeden Patienten angepasst.

Zukunft in der Reha-Technik

„Wohin geht die Entwicklung?“, wollte Mehlich wissen. Graf erklärte, dass sich hier einiges verändert habe. Denn: Die Nachfrage nach Prothesen gehe zurück. Wobei die geringere Zahl von Kriegsversehrten eine Rolle spiele. Dafür steige die Nachfrage im Reha- und Pflegebereich.

Auch der Nachwuchs war beim Betriebsbesuch Thema. Graf hat zwar nur einen Auszubildenden, aber in dessen Jahrgang seien knapp 40 weitere Azubis, darunter zunehmend Frauen. „Es ist sicherlich ein Beruf, in dem der Anteil an Abiturienten höher ist“, fügte Mehlich hinzu. Neben technischem Wissen spielen Medizin und soziale Kompetenzen eine wichtige Rolle. „Wir arbeiten stets mit erkrankten Menschen“, so Graf. Und bei deren Versorgung müsse man auch die Krankenversicherung beachten.

Bevor er ein Preis etwa für einen Rollator nennen kann, wird geklärt, welche Kosten die Krankenkasse übernimmt. Dieses Feld sei komplex. „Ich habe mit jeder Kasse einen anderen Vertrag und somit andere Preise“, sagte er. Es finde eine zunehmende Bürokratisierung statt. Papierlose Büroarbeit? Unmöglich.

„Diese zunehmende Bürokratisierung holt die Handwerker weg von ihrer eigentlichen Leistung“, unterstrich Mehlich. Im Gesundheitshandwerk habe man weniger Probleme mit Material oder Fachkräften. Dafür aber mit komplizierten Abrechnungen.

Auch in den Ausschreibungen der Krankenkassen sieht Graf ein Problem. Die Verträge der Kassen mit den Handwerkern unterscheiden nicht zwischen großen und kleinen Betrieben. In solch einem Wettbewerb könne ein kleinerer Betrieb nicht mithalten. Beratung sowie Qualität würden darunter leiden.

SPD-Politikerin Mattheis versicherte, auf diese Problematik im Gesundheitsausschuss zu sprechen zu kommen. Und auch Geschäftsführer Mehlich will Grafs Schilderungen als Beispiel für zunehmende Bürokratisierung in Berlin thematisieren.

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