Sein Glück ist, dass er in einer Apotheke in der Schlange steht. So kann der junge Mann ohne Maske den beiden Polizisten auf Kontrollgang gut erklären, dass er das fehlende Accessoire eben kaufen wollte. Die Beamten belassen es bei einer Ermahnung. „Man ist ja kein Unmensch“, erklärt einer der zwei, „erst einmal weisen wir die Leute nur auf die neue Pflicht hin“. Nur wer sich renitent zeige, dem drohe das Bußgeld von 150 Euro. „Einen Schal hat ja nun wirklich jeder daheim.“

Kreative Lösungen in Zeiten der Maskenpflicht

Am ersten Tag der bundesweiten Maskenpflicht sind in der Doppelstadt kaum Menschen ohne Mund-Nase-Schutz zu sehen. Wer keinen auf hat, darf bei Rewe in Neu-Ulm beispielsweise trotzdem einkaufen. Die Händler haben sich überdies kreative Lösungen einfallen lassen, um nur die Maximalzahl an Kunden in den Laden zu lassen.

Blaue Bändel als Einlasskontrolle

Bei Media-Markt etwa, wo seit Montag wieder Smartphones verkauft werden dürfen, muss jeder einen roten Einkaufskorb mitnehmen. Da es nur 16 Körbe gibt, weiß der Mitarbeiter genau, wann er dicht machen muss. Zurückgehende Körbe werden desinfiziert. Wobei die Lage übersichtlich ist: Alle anderen Abteilungen außer dem Handybereich sind mit Flatterband abgesperrt. Beim Thalia-Buchladen im Center, dem zweiten Geschäft, das seit Montag wieder öffnen darf, wird die Einlasskontrolle über blaue Bändel gelöst. Gefragt sind besonders die zuletzt erschienenen Romane von Bestseller-Autoren, sagt Mitarbeiterin Andrea Spindler. „Wir freuen uns, dass es wieder losgeht.“ Gestartet sei der Shop zunächst mit reduziertem Personal und verkürzten Öffnungszeiten.

Sonderrechte für Paare im Schmuckgeschäft

In der gesamten Neu-Ulmer Innenstadt sind bei bestem Wetter einige Leute unterwegs. Auch außerhalb der Geschäfte tragen viele Gesichtsmasken. „Vergangene Woche tendierte das noch gegen Null“, erzählt ein Polizist. Die Läden machen mit Aufstellern und Aufklebern darauf aufmerksam, dass sie wieder geöffnet haben. Überall gibt es Sicherheitshinweise. Bei der Schmuck Truhe Reh in der Ludwigstraße ist man indes flexibel aufgestellt: „Bitte nur einzeln eintreten“, steht auf der Tür und weiter: „Paare sind davon natürlich ausgenommen.“ Der Wunsch der vierjährigen Angelina indes, die mit Maske unterwegs ist, bleibt unerfüllt: Die Schuhläden haben noch geschlossen. „Dann gehen wir halt etwas zu essen einkaufen“, beugt die Mutter schnell schlechter Stimmung vor.

„Lust auf Mode“

Auch auf Ulmer Seite haben „die Leute Lust auf Mode“, wie die 23-jährige Handelsfachwirtin Christina glaubt festzustellen, die bei Reischmann die Ware sortiert. Das Erdgeschoss ist geöffnet, 40 Personen finden maximal Einlass. Und nach einer Einschätzung der Verkäuferin sind mehr Kunden unterwegs als gedacht.

Überall gibt es Einlasskontrollen an den Geschäften. Ohne Maske kommt niemand rein, und auch die sind abgezählt. 40 Kunden sind es auch bei der Galeria Kaufhof, wo sich die 20-jährige Sarah hinter der Scheibe aus Plexiglas ein wenig komisch vorkommt. Angst hat sie zwar keine, aber ein Tag hinter der Maske sei schon sehr ungewohnt.

So geht es auch dem 35-jährigen Security-Mitarbeiter Roberto di Palma, der bei Galeria die Tür macht. Die meisten Menschen seien einsichtig und freundlich. Aber es gebe auch welche, die schimpfend wegliefen, wenn sie etwas von Maskenpflicht hören. Er selber hält die Maßnahme für richtig, auch wenn Maske tragen „schon etwas komisch“ sei.

„Den Umständen geschuldet“

Ähnlich äußert sich auch der 25-jährige Stefan, der aus der Galeria kommt, aber nichts eingekauft hat. Im Erdgeschoss gebe es viel Kosmetika, da sei nichts für ihn dabei gewesen. Mit der Maskenpflicht hat er keine Probleme, das sei „den Umständen geschuldet“. Auch beim Kauf einer Maske hat er keine Probleme gehabt. Gleich der erste Versuch in der Apotheke habe gepasst.

Unaufgeregt geht es auch in der Straßenbahn zu. Zwar sind gefühlt etwas mehr Fahrgäste unterwegs als noch vor zwei Wochen. Aber die 20 bis 25 Personen verteilen sich gut auf der Fahrt im Wagen der Linie 1 kurz vor der Mittagspause vom Justizgebäude zum Theodor-Heuss-Platz und wieder zurück.

Stadt empfiehlt Masken auch auf Wochenmarkt


Ulm In Baden-Württemberg unterliegen die Wochenmärkte nicht der Maskenpflicht. Die Stadt empfiehlt das Tragen aber ausdrücklich. Gerade auf dem Markt, wo das Abstandhalten schwierig ist, sei ein solcher Schutz sehr sinnvoll.

Neu-Ulm In Bayern gibt es ebenfalls keine Pflicht, aber eine Empfehlung.