Unwetter Ulm Hagelsturm fegt durch Ulm: Feuerwehr im Dauereinsatz

Ulm / ate, cst, cl, ts, bele, ruk, us, vs, uwe, agr 30.08.2018
20 Minuten Regen haben in Ulm gereicht, um Keller, Straßen und Unterführungen zu überfluten. Einsingen und Kuhberg sind am stärksten betroffen, die Bahnlinie ist bei Erbach blockiert.

Hochbetrieb in der Leitstelle der Ulmer Feuerwehr gestern Abend: Die ersten Notrufe gingen gegen 17.15 Uhr ein. Der Auslöser war ein kurzer, aber heftiger Hagelsturm von Westen, der zuerst die Hochsträßgemeinden, vor allem aber Einsingen erwischt hat. Mehrere hundert Notrufe gingen ein, letztlich rückte die Feuerwehr mit 150 Kräften aus verschiedenen Abteilungen zu rund 60 Einsätzen aus. Vollgelaufene Keller mussten ausgepumpt werden. In der Innenstadt kam der Verkehr zum Erliegen, da einige Unterführungen nicht mehr passierbar waren, darunter die Richtung Ehinger Tor.

Rötelbach an mehreren Stellen über die Ufer getreten

In Einsingen kam natürlich die Erinnerung hoch an das Hochwasser am 29. Mai 2016, wenngleich das Unwetter gestern deutlich kürzer ausfiel. Dennoch war der Rötelbach an mehreren Stellen wieder über die Ufer getreten, und Oberflächenwasser vom Hochsträß stand an zwei Stellen im Ort einen halben Meter hoch auf der Straße, sagte der Einsinger Feuerwehr-Kommandant Jochen Klöble. Keller seien nur vereinzelt überflutet worden, aber die walnussgroßen Hagelkörner haben Dachziegel der Kirche und von zwei Häusern beschädigt. Außerdem stürzten Bäume um.

Nicht mit dem Unwetter vor zwei Jahren zu vergleichen

„Das Unwetter ist aber nicht vergleichbar mit dem von vor zwei Jahren“, sagte Ortsvorsteher Rudolf Stadler, der mit Feuerwehr und OB Gunter Czisch gleich in Einsingen unterwegs war, um die Lage einzuschätzen. 2016 hatte es fast eine Stunde lang stark geregnet, zeitweise waren es 81,3 Millimeter Niederschlag gewesen. Das Straßendorf war auf einer Breite von gut 300 Metern im Wasser gestanden, unzählige Keller waren vollgelaufen.

Vor allem deshalb, weil Oberflächenwasser vom Hochsträß ins Tal geschossen war. Erst vor acht Wochen hatten 15 Einsinger – wie berichtet – mit einer Unterschriftensammlung gefordert, dass sich endlich etwas bewegt in Sachen Hochwasserschutz, etwa in Form eines Regenrückhaltebeckens.

Staus in der Innenstadt

In der Innenstadt machten vor allem vollgelaufene Unterführungen Probleme. Rund 20 Zentimeter hoch stand das Wasser in der Neuen Straße, die Polizei sperrte die Zufahrt, was zu Staus auf dem gesamten Altstadtring führte. Zum Erliegen kam der Verkehr auch rund um den Blaubeurer-Tor-Ring. Autofahrer hatten unter der Brücke gestoppt, aus Angst vor Hagelschaden an ihren Fahrzeugen. Am Theodor-Heuss-Platz (Westplatz) hatten die Wassermassen die Gullideckel angehoben, das Wasser strömte auf die Straßen rund um den Platz, die  Ampel fiel aus. Gleiches Bild an der Kreuzung Söflinger Straße/Magirusstraße.

In der Basteistraße fiel ein Baum auf ein geparktes Fahrzeug. Die B 311 musste zeitweise gesperrt werden, Äste und Bäume hatten die Fahrbahn blockiert. Die Bahnstrecke zwischen Erbach und Biberach war bis 19.45 Uhr gesperrt: Ein Zug war gegen umgestürzte Bäume gefahren. Verletzt wurde niemand, der Zug fuhr nach Erbach zurück.

Volle Keller, zerstörte Gärten

Wie so oft in den vergangenen zwei Jahren erwischte es auch die Bewohner des Kuhbergs. In der Pfeifergasse waren die Kanäle „innerhalb von Sekunden dicht“, berichtet Anwohnerin Martina Ganser. „So viel Druck hält kein Rückstauventil aus.“ Alle Nachbarn hätten ihre Keller auspumpen müssen. Sie selbst hatte Glück: „Bei uns kam’s durch die Wand, wir hatten nur einen Eimer Wasser voll.“

Auch in der Ziegelgasse waren die Anwohner mit Aufräumen beschäftigt. Dort hatte es heftig gehagelt, die Körner verursachten Schäden an Autos und am Häuserputz. Ziegel lagen auf der Straße. Nur 20 Minuten Hagel, Sturm und Regen haben gereicht, um Bäume, Büsche, Obst und Gemüse in den Gärten am Kuhberg völlig zu zerstören. „An so manchem Baum hängt kaum noch ein Blatt. Das ist traurig“, sagte ein Frau, die den Apfelbaum ihres Nachbarn begutachtete. Sie schippte wie einige andere die Hagelkörner von der Straße, die zum Teil zentimeterhoch die Wege bedeckten.

Neues Auto verbeult

Anwohner legten ihre Keller wieder trocken, betroffen war unter anderem Markus Kienle. Geschätzte zwei Zentimeter hoch stand das Wasser in seinem Keller. „Wir rasen schon immer runter, sobald die ersten Tropfen fallen.“ Andere schauten ihre Autos an. Ein junger Mann, der sich erst vor zwei Wochen ein neues Auto gekauft hatte, war frustriert: „Der Schaden ist groß.

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Starkfeld-Unterführung unter Wasser

Einsatz Die Unterführung im Starkfeld war gestern nach dem Starkregen das größte Problem in Neu-Ulm. Das Wasser konnte nicht mehr ablaufen, die Neu-Ulmer Feuerwehr musste ausrücken und die Abflüsse freiräumen. Kurz nach 18.30 Uhr war die Strecke wieder frei. Weniger Probleme gab es mit den Unterführungen der B 10 unter der Memminger- und unter der Reuttier Straße. Ansonsten war die Feuerwehr mit abgebrochenen Bäumen und Ästen beschäftigt. edru

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