Justiz Haftbefehl gegen Ex-Vereinsvorsitzende

Neu-Ulm / Christoph Mayer 08.08.2018

Die Vorwürfe gegen die  ehemalige Vorsitzende des Fördervereins der Erich-Kästner-Grundschule in Ludwigsfeld wiegen schwer. Binnen drei Monaten soll die heute 35-Jährige mehr als 8000 Euro vom Konto des Vereins abgehoben und für sich verwendet haben. Ferner wirft ihr die Staatsanwaltschaft vor, die Spende eines Autohauses eingesteckt zu haben. Der Förderverein unterstützt die Schule bei der Anschaffung besonderer Lernmittel oder der Organisation von Schulprojekten und Veranstaltungen.

Zum Prozesstermin gestern Morgen vor dem Amtsgericht Neu-Ulm erschien die Angeklagte allerdings nicht. Lag es vielleicht an einer fehlerhaften Zustellung der Ladung?  Wohl kaum, wie Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer minutiös rekonstruierte. Die Frau selbst hatte ursprünglich eine Wohnadresse im Ulmer Stadtteil Söflingen angegeben, die aber nicht korrekt war.

Anfang August hatte dann ein angeblicher Onkel der Frau dem Gericht eine andere Anschrift in unmittelbarer Nachbarschaft der erstgenannten Adresse mitgeteilt – verbunden mit der Aussage, er wisse nicht, wo seine Nichte sich zurzeit aufhalte. Der Verteidiger der Angeklagten wiederum hatte dem Gericht am 4. August mitgeteilt, seine Mandantin sei auf Auslandsreise. Am 6. August revidierte er diese Aussage: Sie wohne in der andalusischen Stadt Mojácar. Eine Meldebestätigung lag dem Gericht bis gestern aber nicht vor.

„Was von all dem stimmt, wissen wir nicht“, sagte Richter Mayer, der von einem selten dagewesenen „Meldehickhack“ sprach. Was tun? Aus Sicht der Staatsanwaltschaft handelt es sich immerhin um eine schwere Form von Veruntreuung. Die insgesamt 13 angeklagten Fälle legten möglicherweise sogar den Schluss nahe, dass es sich um gewerbsmäßige Veruntreuung handle, weil die Frau mit dem Geld teilweise ihren Lebensunterhalt bestritten habe. Pro Tat stehen darauf bis zu sechs Monate Haft.

Dem Antrag der Staatsanwaltschaft, Haftbefehl gegen die 35-Jährige zu erlassen, kam Mayer deshalb ohne zu zögern nach. Jetzt ist erst einmal die Polizei am Zug – in Deutschland und wohl auch in Spanien. 

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