Ulm/Tübingen Häkelnde Männer: Für jeden Kopf einen Deckel

Immer fleißig am Häkeln: Tobias Egerer hat mit vier Kommilitonen die Firma "Hatnut" gegründet.
Immer fleißig am Häkeln: Tobias Egerer hat mit vier Kommilitonen die Firma "Hatnut" gegründet. © Foto: Antonia Hilpert
Ulm/Tübingen / ANTONIA HILPERT 27.01.2012
Dass sie mit ihren individuell gehäkelten Mützen einen derartigen Erfolg haben werden, hätten die fünf Sportstudenten zunächst nicht geglaubt, als sie ihre Firma "Hatnut" gründeten. Mittlerweile können sich die Jungs vor Aufträgen kaum retten.
Kaum haben wir uns im Café gesetzt, zückt Tobias Egerer seine Häkelnadel und beginnt mit sichtlich geübten Fingern ein schwarzes Wollknäuel in eine Mütze zu verwandeln. Zusammen mit vier ehemaligen Kommilitonen hat der Ulmer Sportwissenschaftler im Mai 2009 die Firma „ Hatnut “ gegründet.

Eine Mütze selbst häkeln? Auf die Idee kam zuallererst Tobias' Kommilitone Didi Gugel. „Er hat sich die Not zur Tugend gemacht“, erzählt Tobias. Didi habe einfach keine passende Mütze zu seinen Snowboard-Klamotten gefunden, deshalb kaufte er sich ein Häkelbuch und nahm zusätzlich Nachhilfe bei seiner Tante. Begonnen hat alles mit einem schwarz-neongelb-gestreiften Stirnband, welches im Freundeskreis großes Lob erntete. „Alle fanden es toll“, erinnert sich Tobias. Daraufhin initiierte „Dozent Didi“ ein Häkelseminar, an dem neben Tobias und Didi selbst, auch die drei anderen späteren "Hatnut"-Mitgründer, Julian Knoll, Michael Schwarz und Sebastian Mertens teilnahmen.

Daraus ist eine Firma entstanden. „Anfangs war es eher ein Gag, der dann in Arbeit ausgeartet ist“, sagt Tobias und lacht. „Den Spaß an unserer Passion lassen wir uns aber nicht nehmen.“

Bei der Suche nach einem Firmennamen dachten die Tübinger Studenten zunächst an „die heiße Nadel“ oder „der schnelle Stich“. Schließlich gewann jedoch „Hatnut“. Passend dazu das Firmenlogo: Eine Eichel, die eine Mütze auf hat. „Hatnut“ bedeutet übrigens nicht „Kopfnuss“, wie viele irrtümlicherweise glauben, sondern „Hutnuss“.

Auf die Frage, wie Frauen auf die häkelnden Männer reagieren, muss der 28-Jährige schmunzeln. „Ich werde oft gefragt, wo ich denn meine Mütze gekauft habe. Oft glauben die Leute nicht, dass ich sie selbst gehäkelt habe - und das mit der eigenen Firma erst recht nicht.“ Letztlich seien aber immer alle begeistert.

Das zeigt sich auch am Erfolg der kleinen Firma. Im Jahr werden rund 800 Mützen gehäkelt. „Der Verkauf unserer Produkte ist natürlich saisonabhängig“, erklärt Tobias. „In den Wintermonaten von November bis Februar und vor allem an Weihnachten häufen sich die Aufträge, im Sommer wird vorproduziert.“ Doch wie schaffen es die Jungs neben Job und Studium überhaupt, so viele Mützen zu häkeln? Die Lösung: „Mittlerweile bekommen wir Häkelunterstützung von Handarbeiterinnen.“

Und was ist das Erfolgsgeheimnis? Wenn es um den Mützenhype geht, nehme "Hatnut" eine Vorreiterrolle ein, glauben die Jungunternehmer. Denn erst jetzt zögen die großen Firmen nach und produzierten Mützen in diesem Stil. „Bei uns ist jede Mütze Handarbeit und einzigartig“, fügt der Ulmer ein wenig stolz hinzu.

Nicht nur Kopfbedeckungen, auch Handytäschchen, Etuis für Snowboardbrillen, bis hin zu Bikinis - die häkelnden Jungs sind auch für Sonderwünsche offen. Anders als erwartet, sind sämtliche Altersklassen unter den Kunden vertreten. „Wir stricken auch immer öfter Babymützen und auch Omas und Opas kaufen bei uns ein", erzählt Tobias erfreut.

Zu Beginn des Verkaufs war die Auftragslage noch überschaubar, nach einem Auftritt in einer Talkshow mit Barbara Schöneberger hatten sich die Bestellungen extrem gehäuft. „Wir mussten den Laden sogar für drei Monate schließen, um die Aufträge abzuarbeiten“, erinnert sich Tobias.

Mittlerweile reisen die Mützen in der ganzen Welt umher. Auf dem Mount-Everest haben die "Hatnut"-Mützen schon ihren Dienst erwiesen und im vergangenen Jahr wurde das paralympische Team der Alpinskifahrer für die Weltmeisterschaft mit Mützen ausgestattet.
 
Und die Zukunft? „Aktuell wollen wir nicht vergrößern, dazu fehlt uns allen die Zeit. Und davon leben können wir noch nicht“, sagt Tobias. „Unser Ziel ist, dass das Häkeln nach wie vor Spaß macht und es ein Hobby bleibt.“
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