Neu-Ulm / CHIRIN KOLB Die Innenstadt soll schöner werden, Neu-Ulm ein besseres Image bekommen. Das sind Ziele des Masterplans. Erste Ergebnisse zeigen: Neu-Ulm steht gar nicht schlecht da. Dennoch gibt es manches zu verbessern. Mit einem Kommentar von Chirin Kolb: Es gibt noch was zu verbessern.

Unsexy, langweilig, visionslos - dieses Urteil von Prof. Alexander Doderer über Neu-Ulm hatte im Juni 2013 Kommunalpolitiker aufgeschreckt. Schmuddelecken, Schilderwald, kaum Aufenthaltsqualität - der Experte für Standortmarketing ließ kein gutes Haar an der Innenstadt. Er empfahl einen Masterplan, um die Probleme zu analysieren und Verbesserungen auf den Weg zu bringen. Die Stadträte beauftragten schließlich zwei Dortmunder Stadtplanungsbüros: Scheuvens und Wachten sowie Junkers und Kruse arbeiten beim Masterplan zusammen und haben nun der Stadtspitze erste Ergebnisse vorgestellt. Fazit: Neu-Ulm ist gar nicht so übel.

Die beauftragten Büros haben zunächst den Ist-Zustand analysiert: durch Ortsbegehungen, Gespräche und Aufnahme bestehender Planungen und Konzepte. Das Ergebnis fasst Stadtbaudirektor Markus Krämer so zusammen: "Ihre Frage war: Wo ist das Riesenproblem? Neu-Ulm steht doch ganz gut da."

Die Gutachter haben häufiger mit Städten zu tun, die von Abwanderung, Ladensterben und Finanzproblemen geplagt sind. Die Neu-Ulmer Probleme, sagt Krämer, erschienen vor diesem Hintergrund eher kleiner. Dies umso mehr, als die Innenstadt durch den Bau der Glacis-Galerie und der Wohnbauprojekte von Realgrund, Sparkasse, Baugenossenschaft und am Konzertsaal enorm gewinnen werde. "Die Glacis-Galerie und das hochwertige Wohnen werden unglaublichen Schwung bringen."

Dennoch bleibe einiges zu tun. Darüber hat das Gutachterteam in einem Workshop mit dem Stadtrat diskutiert. Als verbesserungswürdig wurden beispielsweise die Ludwigstraße und das Donauufer genannt, berichtet Krämer. Wenn das Brückenhaus der Sparkasse fertig ist, wird die Stadt den Straßenraum von der Herdbrücke zur Marienstraße neu gestalten. Vorbild wird die Neue Mitte in Ulm.

Im Masterplan geht es aber nicht allein ums Bauen. Auch "weiche Faktoren" sollen eine Rolle spielen: Aufenthaltsqualität beispielsweise, städtisches Leben, Kultur, Image, Selbstverständnis der Bewohner. Auch für diese weichen Faktoren werden die Gutachter Vorschläge machen. Neu-Ulm könne sich gerade im Bereich Kunst und Kultur etablieren, meint der Stadtbaudirektor. Das LEW-Gebäude, das Künstler teilweise als Atelier nutzen können, sei ein guter Ansatz.

Wie geht es nun weiter? Demnächst legen die Gutachter einem Beirat, bestehend aus Mitarbeitern der Stadtverwaltung und Vertretern der Fraktionen, eine Mängel- und Potenziale-Analyse vor. Dann geht es in die Bürgerbeteiligung. Ihr schließen sich Workshops mit Vertretern von Interessengruppen, darunter Händler, Kulturträger, Gastronomen, an. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden im Stadtrat vorgestellt. Danach folgt eine zweite Runde mit Bürgern und Interessenvertretern.

Am Ende des Prozesses entscheidet der Stadtrat über den Masterplan und legt das Handlungsprogramm fest. Krämer geht davon aus, dass das frühestens Ende des Jahres der Fall sein wird. Und wenn es länger dauert? Kein Problem, meint er, "letztlich kommt es auf ein gutes Ergebnis an".

Bürgerforum im Frühjahr

Beteiligung Der Masterplan für die Neu-Ulmer Innenstadt wird nicht nur von Planern und Kommunalpolitikern entwickelt, auch die Bürger können ihre Vorstellungen, Wünsche und Anregungen einbringen. Dazu soll es in zwei Runden zwei Bürgerforen geben, das erste noch im Frühjahr. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Angedacht ist, sagt Stadtbaudirektor Markus Krämer, alle Neu-Ulmer Haushalte anzuschreiben und zur Mitwirkung einzuladen, nicht nur die Bewohner und Gewerbetreibenden in der Innenstadt selbst.

Kommentar von Chirin Kolb: Es gibt noch was zu verbessern

Klar, verglichen mit manchen Städten im deutschen Osten oder Westen steht Neu-Ulm blendend da. Die Klagen über eine zu geringe Aufenthaltsqualität, zu viele Schilder, Hundehaufen und Dreck auf den Straßen klingen da wie Jammern auf höchstem Niveau. Und jetzt bekommt die Innenstadt auch noch die Glacis-Galerie und eine ganze Reihe schöner neuer Wohnungen. Wozu braucht es da überhaupt einen Masterplan? Was kann der denn noch bringen?

Viel. Denn in der Innenstadt gibt es einiges zu verbessern. Baulich, verkehrlich, grünplanerisch, aber gerade auch bei Themen, die weniger mit städteplanerischen Begrifflichkeiten zu fassen sind. Wie soll die Innenstadt denn sein? Was soll sie bieten und was nicht? Diese Fragen müssen diskutiert werden, mit einer möglichst breiten Beteiligung. Es ist sinnvoll und nötig, dass Sachverstand von außen eingebracht wird.

Das Neu-Ulmer Zentrum hat einige Qualitäten, und dazu zählt längst nicht nur der kurze Weg nach Ulm. Das Wohnen zum Beispiel ist oft noch vergleichsweise günstig. Die neuen, teils hochpreisigen Wohnungen sorgen dafür, dass mehr etabliertes Bürgertum zuzieht. Das tut der Innenstadt und dem Bevölkerungsmix gut.

Allerdings: Es sollte ein Mix bleiben. Neu-Ulm hat gegenüber manch anderen Innenstädten immer noch den Vorteil, dass sich auch Einkommensschwache das Wohnen dort leisten können und nicht buchstäblich an den Rand gedrängt werden.