Ulm Günther Böwing wurde für 80 Jahre im Tennisklub Ulm geehrt

Seltene Jubilarehrung beim TK Ulm: Dr. Günther Böwing (links) ist für 80-jährige Mitgliedschaft vom Vorsitzenden Christian Kuse ausgezeichnet worden. Foto: Wilhelm Hölkemeier
Seltene Jubilarehrung beim TK Ulm: Dr. Günther Böwing (links) ist für 80-jährige Mitgliedschaft vom Vorsitzenden Christian Kuse ausgezeichnet worden. Foto: Wilhelm Hölkemeier
Ulm / WILHELM HÖLKEMEIER 10.04.2014
Als Günther Böwing 1934 Mitglied des Tennisklubs Ulm wurde, kannte er sich schon gut aus im Verein: Der Elfjährige hatte sich vorher als Balljunge nützlich gemacht. Jetzt wurde er geehrt für 80-jährige Mitgliedschaft.

Die Ehrung von Vereinsjubilaren gehört zum Alltag eines Vorsitzenden. Doch jemanden für 80-jährige Mitgliedschaft auszuzeichnen, das war für den TK-Vorsitzenden Christian Kuse etwas ganz Besonderes bei der Hauptversammlung des Klubs in der Friedrichsau. Zumal der 91-jährige Jubilar sich fit und munter präsentierte und den staunenden Tennisfreunden kurzweilig aus seinem bewegten Leben erzählen konnte.

Etwa, dass er als Bub ein paar Jahre nach seinem Eintritt beim TK Ärger mit der Hitlerjugend bekam. "Die führten damals das große Wort und mischten sich überall ein", erinnert er sich. Sein "Vergehen": Wegen der vielen zum Kriegsdienst eingezogenen Aktiven war das Nachwuchstalent schon mit 15 in die Herrenmannschaft nachgerückt. Da wollte die Nazi-Jugend offenbar vorher gefragt werden, um am Ruhm des jungen Mannes teilzuhaben. Erst als Böwing dann nicht nur in Ulm seine ersten Titel gewann, sondern sogar württembergischer Jugendmeister wurde, gab es Ruhe von politischer Seite.

Das ersparte ihm selbst nicht die Einberufung. 1941, kurz vor seinem 18. Geburtstag, kam er zu den Gebirgsjägern nach Garmisch - er hatte das seiner zweiten Leidenschaft, dem Skifahren und Bergsteigen zu verdanken. Bis heute ist er auch dem Alpenverein treu. Zunächst war der Militärdienst denn auch nur eine sehr anstrengende "Tortur": In einer Voraus-Abteilung der Gebirgsdivision radelte der junge Bursche 2300 Kilometer bis in den Kaukasus. Doch danach holte ihn das Grauen des Kriegs ein. Er diente an Ost- wie Westfront, wurde fünfmal verwundet und geriet in französische Gefangenschaft.

Nach den "dunklen Jahren meines Lebens" studierte Günther Böwing von 1947 an in Tübingen Medizin, spielte auch dort Tennis und lernte auf dem Platz seine spätere Frau Ilse kennen. Um mit ihr - sie ist 2003 gestorben - 1952 deutscher Vizemeister im Mixed bei den Hochschulmeisterschaften zu werden. 1959 kehrte Böwing nach Ulm zurück. Der Doktor eröffnete mit seinem Vater eine Arztpraxis am Münsterplatz, die wird noch heute vom Sohn geführt. Und er setzte im TK Ulm seine Tenniskarriere fort. Die großen Titel, die ihm durch den Krieg verwehrt blieben, sammelte er in seinen späten Jahren. 2008 wurde der "Jung-85er" Günther Böwing mit Doppelpartner Eugen Faißt aus Deizisau Welt- und Europameister in seiner Klasse. Erst mit 90 hat ihn eine schwere Krankheit gezwungen, den Schläger an den Nagel zu hängen. Im TK ist man stolz auf ein Ehrenmitglied mit einer solchen Lebensgeschichte.