Ulm Guarneri-Trio mal wieder meisterlich

Ulm / VERENA WESTPHAL 22.04.2016
Kammermusik vom Feinsten präsentierte das Guarneri-Trio Prag in der Waldorfschule Ulm. Und das nicht zum ersten Mal, sondern in ununterbrochener Folge seit genau 30 Jahren.

Das erste Konzert, das dieses Trio überhaupt im Westen spiele durfte, war im Jahre 1986 im Saal der Waldorfschule, und aus Treue und Verbundenheit entstand diese unglaubliche Serie von Konzerten in Ulm.

So werden auch Sonderwünsche im Programm berücksichtigt, in diesem Jahr das Klaviertrio von Lubos Fiser (1935-1999), einem Freund und Landsmann des Ensembles, dessen Komposition eine starke politische Botschaft transportiert. Ein prägnanter, kontrastreicher Stil prägt die Musik, abrupte Attacken, Chaos und dann Sanftheit, fast schüchtern. Sehr berührend.

Zu Recht findet der Cellist Marek Jerie, der durch das Programm führt, wird Felix Mendelssohn der Mozart des 19. Jahrhunderts genannt, und schon gleich entwickelt sich das Klaviertrio c-Moll zu einem wahren sinnlichen Klangerlebnis. Mit enormer Streicherkultur, makellosem Zusammenspiel und musikalischer Intensität zeigt das Trio, dass es zu den Spitzenensembles seiner Gattung gehört.

Energiegeladen und mit großem Ton brillierte Cenek Pavlik auf seiner Meistergeige von Guarneri del Gesù, immer im Kontakt mit Ivan Klansky am Klavier, der nicht nur zauberhaft spielte, sondern dabei auch lächelte, und mit Marek Jerie mit seinem unglaublich samtigen Ton auf seinem Meistercello von Andrea Guarneri. Grandios!

Wie eine kleine Sinfonie ist Dvoraks Klaviertrio f-Moll angelegt, ein Riesenwerk, das sich durch Höhen und Tiefen der Spätromantik bewegt, sich aber auch schon an die Moderne herantastet, immer wieder folkloristische Elemente aufnimmt, im Adagio eine Melodie nach der anderen schluchzt, um irgendwann in einem kraftvoll sich verströmendem Finale anzukommen. Ein Meisterwerk, meisterlich gespielt!

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