Grüße vom Zuckerhut im Pfleghof

CHRISTOPH A. SCHMIDBERGER 11.02.2013

Die Sonne Brasiliens brachte das Rua Baden Powell Projekt in den gut gefüllten Langenauer Pfleghofsaal. In unregelmäßigen Abständen treffen sich die Musiker des Bandprojekts um den Ausnahmegitarristen Martin Müller aus Karlsruhe, um eine gelungene Mischung aus Bossa Nova, Musica Popular Brasilera und Eigenkompositionen darzubieten. Das Ganze spielt sich in einem steten Fluss aus mal treibenden Rhythmen, mal einschmeichelnden Melodien ab, wenngleich jazzig-vertrackte Songstrukturen für genügend Herausforderung sorgen, um nicht in das Fahrwasser seichter Urlaubsberieselung abzudriften.

Hervorzuheben ist besonders, mit welcher Experimentierfreude die Musiker zu Werke gehen. So leitet Saxofonist Jochen Feucht einen Song mit Meeresrauschen aus besagtem Instrument ein, Drummer Antoine Fillon erzeugt mit Besen und Pauken atmosphärische Flächensounds, und Bassist Markus Bodenseh setzt sein Instrument auch mal perkussiv ein. Gerade das starke Rhythmusfundament des sehr straight spielenden Fillon und des Bassisten muss gelobt werden, auf dem der reizende Gesang von Juliana da Silva schwebt.

Alle Bandmitglieder verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Musik und bringen ihren jeweiligen musikalischen Erfahrungshorizont aus Rock, Jazz und brasilianischer Musik mit ein, was eine unheimliche Vielfalt in das gemeinsame Spiel bringe, erklärt Martin Müller zwischen den beiden Sets des Konzerts. Er selbst ist seit Jahren einer der Stars der Brazilguitar-Szene, arbeitete schon mit Joy Fleming zusammen und veröffentlicht seit 2002 mit dem Rua Baden Powell Projekt Alben, erst letztes Jahr die neue CD "In Touch With Rio", deren Songs einen Großteil der Setlist ausmachten. Deren eingängigster ist "Fly over Rio", und während das Flugzeug zwischen Zuckerhut und Corcovado zum Landemanöver ansetzt, schmilzt das heimische Eis schon ein wenig.