Die städtische Wohnungsgesellschaft UWS kann im Wiblinger Hart und an der Kemptener Straße 64 Wohnungen bauen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt hat den Weg für die Nachverdichtung frei gemacht. Die ursprünglichen Pläne werden jedoch in zwei Punkten geändert. Statt fünf Geschossen werden die neuen Häuser nur vier hoch. Die UWS speckt zudem ihr Vorhaben ab und will auf die Bebauung des Parkplatzes an der Kemptener Straße 25 verzichten – vorerst jedenfalls.

Damit will die Stadt Ulm auf die heftigen Proteste der Anwohner reagieren. Ihre Kritik hatte sich unter anderem in zwei Info-Veranstaltungen im vergangenen Jahr entladen. Vorgesehen sind nun:

Wohnhäuser: Im Wiblinger Hart 4 und an der Kemptener Straße 15 sollen jeweils zwei Flachdach-Gebäude mit 32 Wohnungen entstehen, also 64 insgesamt. Die Höhen sollen an die Umgebungsbebauung angepasst werden und vier Geschosse nicht übersteigen. Ob der Parkplatz an der Kemptener Straße 25 bebaut wird, soll erst entschieden werden, wenn die anderen Häuser fertig sind.

Stellplätze: Die Parkplätze und ein Parkdeck werden überbaut, die Parkplätze sollen aber in einer neuen Tiefgarage ersetzt werden. Zusätzlich entstehen weitere für die neuen Wohnungen. Im Wiblinger Hart sind 75 Stellplätze geplant. An der Kemptener Straße wird die Tiefgarage nur 97 Stellplätze bieten, nötig wären jedoch 106. Die Stadt bezweifelt jedoch, ob sie tatsächlich gebraucht werden. Immerhin waren auf der bisherigen Parkfläche 15 Stellplätze unvermietet, sagte Baubürgermeister Tim von Winning im Stadtentwicklungsausschuss.

Kita: Weil in Wiblingen Kinderbetreuungsplätze fehlen, könnte im Erdgeschoss eines der Häuser am Wiblinger Hart eine Kita eingerichtet werden. Dafür würden acht Wohnungen wegfallen.

Mieter: 30 Prozent der neuen Wohnungen werden öffentlich gefördert sein, ein geringerer Anteil als im Bestand, sagte von Winning. Der Rest sind frei finanzierte Mietwohnungen.

Der Baubürgermeister macht sich keine Illusionen: Die Anwohner werden weiterhin gegen die Neubaupläne protestieren, „es ist uns nicht gelungen, Einvernehmen herzustellen“. Er und die Stadträte hoffen aber, dass sich die Wogen glätten, wenn die Häuser erst mal stehen. „So war es auch am Türmle“, sagte Dorothee Kühne (SPD). Die Neubauten werteten das Umfeld eher auf.

Die Stadträte waren sich einig: Zur Befriedung würde auch eine möglichst rasche Sanierung der UWS-Häuser in der Nachbarschaft beitragen. Deren Bewohner klagen über Schimmel, undichte Fenster und Sanierungsstau. „Bevor mit dem Neubau begonnen wird, muss der Sanierungszeitpunkt feststehen“, forderte Michael Joukov (Grüne). Um die Anwohner in die weitere Planung einzubinden, soll nach Joukovs Vorschlag einer ihrer Vertreter in die Jury.

Wenn die Stadt Ulm ihre Ziele im Wohnungsbau erreichen will, führe an der Nachverdichtung und an diesem Projekt in Wiblingen kein Weg vorbei, meinen die Stadträte. Nur zwei, Thomas Kienle und Siegfried Keppler von der CDU-Fraktion, stimmten gegen das Vorhaben. Kienle hätte vor dem Beschluss gern noch eine dritte Runde mit den Anwohnern eingelegt.

3500 Wohnungen in fünf Jahren


Neubauten
Der Gemeinderat hat in der Wohnungsdebatte im März 2016 unter anderem festgelegt, wie viele Wohnungen neu entstehen sollen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden und noch stärker steigenden Mieten vorzubeugen. Dazu sollen in den nächsten fünf Jahren 3500 Wohnungen gebaut werden, 700 pro Jahr. 80 Prozent davon sollen „in der Innenentwicklung“ entstehen, also durch Nachverdichtung ohne zusätzlichen Flächenverbrauch im Grünen.