Ein gutes Jahrzehnt lang war Daniela Wagner Dezernentin für Schule, Kindertagesstätten, Wohnen, Frauen und Interkulturelle Angelegenheiten der Stadt Darmstadt. Seit 2009 sitzt sie für die Grünen im Bundestag; der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Wohnbaupolitik. Als Expertin für diese Fragen war sie am Samstag nach Ulm gekommen, um sich mit der Grünen-Stadträtin Annette Weinreich über aktuelle Herausforderungen auszutauschen.

Wie bringt man eine klimafreundliche zusammen mit einer sozial gerechten Wohnungspolitik auf den Weg? So eine der zentralen Fragen während der Veranstaltung, die knapp 20 Besucher ins "Grüne Haus" geführt hatte. Häuser, Wohnungen, alte wie neue, klimafreundlich auszustatten, kostet. Diese Kosten können und wollen nicht alle Mieter tragen, was schnell zur Verdrängung ärmerer Teile der Bevölkerung aus bestimmten Wohngebieten führen kann.

"Ohne staatliche Unterstützung läuft da nicht viel", ist sich die Frau mit langjähriger Berufserfahrung sicher. Letzlich müssten alle an einem Strang ziehen: Staat wie Kommunen, Eigentümer der Wohnungen wie Mieter. Der Staat durch steuerliche Abschreibungsmodelle für die Investoren, die Kommunen durch finanzielle Förderungen: Pro Wohnung kommen ihrer Meinung nach schon 30 000 bis 50 000 Euro zusammen. Die Eigentümer seien darüber hinaus durch geringere Renditen gefordert und ihre Mieter durch erhöhten Mietzins.

Wagner kritisiert die aktuelle Baupolitik des Staates, die keine klaren und verlässlichen Vorgaben liefere. Sie plädiert dafür, künftig nur noch ökologische Mietspiegel anzufertigen. Die berücksichtigen auch die energetische Ausstattung der Gebäude. Wer in einem gut isolierten Haus wohnt, bezahle mehr; für ein schlechter isoliertes Haus, bezahle der Mieter dann weniger.